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15.12.2015 |  Peter Füssl

Julia Holter: Have You in My Wilderness

Das vierte Album von Julia Holter wird man in den diesjährigen Bestenlisten der einschlägigen Musikmagazine mit Sicherheit ganz vorne finden, denn es ist viel leichter zugänglich – wenn man so will: poppiger – als die Vorgängeralben und bewegt sich dennoch auf einem enorm hohen musikalischen wie textlichen Niveau.

Die 30-jährige Kalifornierin mit einem Uni-Abschluss in Komposition und elektronischer Musik unterwirft ihre in jeder Hinsicht ausgereiften Songs erstmals keinem konzeptuellen Überbau und setzt vermehrt auf ein konventionelles Instrumentarium, dennoch reicht ihr avantgardistischer Anspruch – Björk, Kate Bush und die jazzige Periode von Joni Mitchell werden gerne als Bezugspunkte genannt - jederzeit dafür aus, um auch das Interesse fortgeschrittener Musikfans wachzuhalten. Spinettklänge und ausgefuchste Streicherarrangements, ein röhrendes Sax, schwebender Chorgesang und eine kleine Pfeifeinlage – Holters musikalischer Einfallsreichtum ist nach wie vor verblüffend und lässt keine Wünsche offen. Und dazu diese glockenklare, ausdrucksstarke Stimme, oftmals verhallt, als ob sie aus einem Traum herüberkäme, den man unbedingt zu Ende träumen möchte. Julia Holter dürfte heuer der gemeinsame Nenner sein, auf den sich Indie-Pop-, Singer-Songwriter- und vielleicht sogar aufgeschlossene Jazzfans einigen können. „Have You in My Wilderness“ ist ein atmosphärisch dichtes, aber keineswegs schweres Album mit Tiefgang, das einen von der ersten bis zur letzten Sekunde gefangen nimmt.

(Domino)

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