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07.05.2015 |  Peter Füssl

José James: Yesterday I Had The Blues: The Music of Billie Holiday

Die 1959 verstorbene Billie Holiday hätte heuer am 7. April ihren 100. Geburtstag gefeiert, was den 37-jährigen in New York lebenden José James, der die in Sachen Gefühlstiefe nach wie vor nicht zu toppende Vokalistin als seine „musikalische Mutter“ bezeichnet, zu einem wunderbaren Tribute-Album inspiriert hat. James verfügt über einen sehr schönen, warmen, wandlungsfähigen und ausdrucksvollen Bariton und hat mit seinen letzten beiden Alben experimentierfreudig und geschmackssicher das Spannungsfeld zwischen Jazz, R’n’B und Neo-Soul ausgelotet.

Aber kann er Songs wie „Lover Man“, „God Bless the Child“ oder „Fine and Mellow“, die der mit unglaublichen Ups and Downs durch ein Leben voller Rassismus, Sexismus und Drogen getriebenen Holiday auf den Leib geschrieben und von dieser mit einer unnachahmlichen emotionalen Tiefe interpretiert wurden, gerecht werden? James, der sich vier Jahre auf dieses Album vorbereitet hat und somit alles andere als einen anlassbedingten Schnellschuss liefert, setzt erfolgreich auf absolute Reduktion und verlässt sich auf die pure Kraft der Melodien, der Worte und seiner exzellenten Stimme. Kein Orchester, keine übertriebene Technik, keine krampfhaften Neuerungsversuche. Jason Moran an Piano und Fender Rhodes, John Patitucci am Bass und Eric Harland an den Drums stellen ihr virtuoses Können völlig uneitel und traditionsbewusst in den Dienst des Songs und rücken den begnadeten Balladeninterpreten ins Rampenlicht. Wenn das Retro ist, dann her damit! Zum Abschluss verleiht José James dem düsteren Meuchel-Klassiker „Strange Fruit“ a-cappella im Chor mit sich selber und nur von einfachem Händeklatschen begleitet eine enorme Tiefe. Das geht unter die Haut und zieht einen endgültig in den Bann!

(Blue Note/Universal)

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