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16.03.2017 |  Peter Füssl

Jan Lundgren: Potsdamer Platz

Der fünfzigjährige, aus Südschweden stammende Pianist Jan Lundgren ist längst ein Fixpunkt, sowohl in der skandinavischen als auch der internationalen Jazzszene, was auf mehr als fünfzig Alben als Leader bzw. Co-Leader und auf unzähligen Produktionen als Sideman ausführlich dokumentiert ist. Sowohl seine letztes Jahr veröffentlichten, auf dem Ystad Festival mit einem Streichquartett eingespielten Volkslied-Adaptionen, als auch die beiden in mediterraner Glückseligkeit schwelgenden „Mare Nostrum“-Produktionen mit dem sardischen Trompeter Paolo Fresu und dem französischen Akkordeonisten Richard Galliano waren absolute Bestseller.

Auch die elf Titel – zehn stammen aus der Feder des Pianisten, einer vom befreundeten Gitarristen Per Ödberg – schmeicheln sich auf niveauvolle Weise in die Gehörgänge und verbreiten fern großer Experimente, dank ihres hohen ästhetischen Anspruchs gepaart mit einer optimistisch gefärbten Grundstimmung, musikalisches Wohlbefinden. Lundgren versteht es gekonnt, seinen aus amerikanischem Mainstream, klassischen Einsprengseln und skandinavischen Volksliedtradition generierten Stil ins perfekte Licht zu rücken. Unterstützt vom expressiven finnischen Saxophonisten Jukka Perko, dem gleichermaßen sensibel wie effektvoll die Rhythmen vorantreibenden dänischen Drummer Morten Lund und vom hier zur Abwechslung wieder einmal mit traditioneller Bass-Arbeit brillierenden Dan Berglund. Lundgren spricht verständlicherweise von seinem „Dreamteam“, denn dieses Quartett harmoniert großartig und meistert jegliche musikalische Herausforderung mit spielerischer Leichtigkeit – von den spritzigen Up-Tempo-Nummern „Bullet Train“ und „Danse Of Masja“, bis zum seinem Namen durchaus gerecht werdenden „Twelve Tone Rag“, über den lässig swingenden, an Dave Brubeck erinnernden Walzer „Lycklig Resa“, bis zu melancholisch verzaubernden Balladen „No 9“ und „Never Too Late“, oder zu impressionistischen Stimmungsbildern wie „Tväredet“ oder „On The Banks Of The Seine“. Dieses im Berliner Hansa Studio nahe dem titelgebenden „Potsdamer Platz“ aufgenommene Album bietet ein entspanntes, aber durchaus auch intensives Hörvergnügen.

(ACT)

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