Werkraum Bregenzerwald: Hirotoshi Kitamura erläutert reine Holzverbindungen, Noriaki Ikeda übersetzt. (Foto: MPS)
Karlheinz Pichler · 19. Dez 2024 · Aktuell

Wachablöse im Präsidum der Berufsvereinigung

Maria Simma-Keller legt Präsidentschaft zurück, Sarah Kirsch übernimmt

Bei der Berufsvereinigung Bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs ist es zu einem Wechsel an der Vereinsspitze gekommen. Maria Simma-Keller, die seit Juni 2018 der Organisation als Präsidentin vorsteht, hat ihr Amt wegen beruflicher Überlastung zurückgelegt. Im Rahmen einer Vorstandssitzung wurde die Kunsthistorikerin Sarah Kirsch als neue Präsidentin bis 2026 kooptiert. An der Basis sind damit nicht alle einverstanden. Die Künstlerin Alexandra Wacker etwa fühlt sich übergangen und ortet einen Verstoß gegen die Statuten. Via E-Mail forderte sie ihre Berufskolleg:innen dazu auf, per Antrag eine umgehende Einberufung einer Generalversammlung zu verlangen.

Zuvor hatte Maria Simma-Keller die Künstlerschaft ebenfalls via Mail über ihren Rücktritt und den Wechsel im Präsidium informiert. Hintergrund dazu ist, dass Simma-Keller im Oktober 2021 in der Montfortstadt Feldkirch Harald F. Petermichl als neue Chefin der Abteilung Kunst und Kultur nachfolgte und nun im Sommer dieses Jahres auch die Leitung des Palais Liechtenstein übertragen bekam. Simma-Keller in diesem Info-Schreiben: „Sehr schnell merkte ich jedoch, dass diese große Aufgabe all meine Aufmerksamkeit und Energie bedarf und ich dies mit dem Kulturamt, meiner Familie (Anm. d. Redaktion: Simma-Keller ist Mutter zweier Kinder) und meinem Ehrenamt in der Berufsvereinigung nicht mehr vereinen kann. Ich habe dem Vorstand daher – schweren, schweren Herzens – im Herbst mitgeteilt, dass ich die Präsidentschaft zurücklegen muss. Insbesondere auch deshalb, weil die Vereinigung eine Person verdient, die ebenso mit Elan und vollem Einsatz dem Künstlerhaus und den Mitgliedern dienen kann.“
Da der Vorstand der Berufsvereinigung bereits seit längerer Zeit über eine Adaptierung der Organisationsstruktur nachdenke, um einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Betrieb nach innen wie nach außen gewährleisten zu können und es dafür entsprechend Zeit brauche, die sie nicht mehr aufbringen könne, sei der Vorstand ihrem Wunsch einer raschen Übergabe gefolgt und habe Sarah Kirsch als neue Präsidentin kooptiert. Mit ihr sei die Aufrechterhaltung des Betriebs sowie ein reibungsloser Ablauf gesichert. „Ich freue mich sehr, dass sie bereit ist, hier die Verantwortung zu übernehmen. In den nächsten Monaten bzw. bis 2026 hat der Vorstand, der natürlich ebenfalls im Ehrenamt tätig ist, genügend Zeit, die Struktur zu überdenken,“ so die zurückgetretene Präsidentin im Schreiben, in das die Redaktion Einblick nehmen konnte. 
Die Kunsthistorikerin und Linguistin Sarah Kirsch, Jahrgang 1993, stammt aus Baden-Württemberg und studierte in Ingolstadt und Dresden. Sie ist bereits seit vier Jahren als Pressereferentin für die Berufsvereinigung tätig und seit der Karenz von Geschäftsführerin Irma Gerstenmayer habe sie sämtliche Tätigkeiten von Ausstellungsorganisation über Budgetierung bis hin zum Troubleshooting übernommen. Darüber hinaus ist Kirsch auch für die Kommunikation des Vereins Lichtstadt Feldkirch zuständig und des Weiteren arbeitet sie als Lektorin für die in Bregenz herausgegebene Zeitschrift für Nachhaltigkeit „Original“.

Protest an der Basis

Aber nicht alle Mitglieder des Vereins sind mit der Vorgangsweise des Vorstands einverstanden. Die Künstlerin Alexandra Wacker, die Enkelin von Rudolf Wacker, etwa fühlt sich übergangen. „Das finde ich nicht richtig, und es ist statutenwidrig. Eine Bestellung muss durch die Wahl genehmigt werden, dies nicht erst in zwei Jahren“, heißt es im E-Mail an die Kolleg:innenschaft, das der Redaktion ebenfalls vorliegt. Und weiters: „Ich sehe es auch kritisch oder besser gesagt als unvereinbar, dass der unabhängige Präsident, der uns nach außen hin vertreten muss, gleichzeitig bei uns im Sekretariat angestellt ist und noch einen weiteren Job als Angestellte hat. Das sind völlig verschiedene Aufgabenbereiche und Funktionen.“ Und sie bittet die Berufskolleg:innen, so sie ihrer Meinung wären, es ihr gleich zu tun und auch einen Antrag auf Abhaltung einer möglichst zeitnahen Generalversammlung gleich im Januar oder Februar für die Wahl einer/eines neuen Präsidentin/en einzureichen. „Wir Künstler können ja eigene Vorschläge einbringen und müssen uns nicht bevormunden lassen“, so Wacker wörtlich. Auch an die zuständigen Personen bei Stadt und Land sollen die Anträge geschickt werden. Und Wacker abschließend: „Wir Künstler werden in Zeiten wie diesen ohnehin schon kaum mehr gesehen, aber dass wir jetzt von unserer eigenen Berufsvereinigung übergangen werden, ist nicht in Ordnung.“
Nun, laut den Statuten der Berufsvereinigung ist es durchaus legitim, den Ausfall eines Vorstandsmitgliedes durch Kooption nachzubesetzen. Aber es ist sicher nicht gerade vornehm, die Vereinsmitglieder vor vollendete Tatsachen zu stellen. Und natürlich muss die kooptierte Person dann von der Generalversammlung (GV) bestätigt werden. Und wenn diese erst in zwei Jahren stattfinden soll, so ist dies ein sehr langer Zeitraum, in dem vieles passieren kann.
Was die aktuell neue Präsidentin der Berufsvereinigung Sarah Kirsch anbelangt, so konnte sich diese innerhalb des hiesigen Kunstbetriebes in den letzten Jahren nicht zuletzt aufgrund ihrer kompetenten Auftritte als Vernissagerednerin und Verfasserin von Katalogbeiträgen einen guten Namen erarbeiten und wird vor allem von den Künstler:innen sehr geschätzt. Ob der jungen Kunsthistorikerin nun tatsächlich die Chance gegeben wird, in der Berufsvereinigung auch längerfristig frische Impulse zu setzen, wird sich in den nächsten Wochen weisen.