Uh!-Batman überzeugte beim diesjährigen Poolbar Festival (Foto: ira&john)
Silvia Thurner · 25. Okt 2026 · Musik

Vergessener Meister und eine bewegende Lebensgeschichte

Eindrückliches „Klang&Raum“-Konzert im Abt Pfanner-Haus in Langen

Das erste Konzert der Reihe „Klang&Raum“ führte die Flötistin Angelika Gallez, den Pianisten Martin Gallez und die Fagottistin Heidrun Wirth-Metzler mit ihrem Gast, dem Klarinettisten Simon Pibal, ins Abt Pfanner-Haus in Langen. Der dortige Saal bot ein schönes Ambiente für Holzbläser-Kammermusik mit Piano-Forte. Das erlesene Programm beinhaltete unter anderem Werke des heute (fast) vergessenen Johann Simon Mayr. Die Musiker:innen interpretierten sämtliche Werke mit bewundernswerter musikalischer Ausdruckskraft und Virtuosität. Den Höhepunkt bildete das emotionsgeladene „Trio Pathétique“ von Michael Glinka, das unter anderem eine interessante kompositorische Entwicklungslinie aufzeigte. Abgerundet wurde das Konzerterlebnis durch die spannenden Einblicke in das Leben des Missionars Franz Pfanner, die Hans Kogler im Gespräch mit Martin Gallez gab.

Die Initiator:innen der Konzertreihe „Klang&Raum“ suchen stets aufs Neue Örtlichkeiten, an denen sie Verbindungen zwischen der Musik und gesellschaftlich relevanten Wirkungs- und Themenbereichen finden. Das Abt Pfanner-Haus bot eine willkommene Gelegenheit, historische Musikpraxis nach Langen zu bringen und das Leben und Wirken des Abtes Franz Pfanner (1825-1909) in Erinnerung zu rufen.
Als Gast musizierte bereits zum dritten Mal der Klarinettist Simon Pibal im Rahmen der Reihe „Klang&Raum“. Er spielte eine wunderbar intonierte, historische Klarinette und brachte auch ein historisches Bassetthorn mit, ein Instrument, das besonders durch die Klarinettenkammermusik Mozarts bekannt ist. Für das Konzert in Langen stellte Simon Pibal, in Zusammenarbeit mit Martin Gallez, ein unterhaltsames und inspirierendes Programm zusammen. Dabei kam auch der Komponist Johann Simon Mayr zu Ehren. Zu seinen Lebzeiten wurde er unter anderem von Beethoven, Rossini und Verdi hochgeschätzt und verehrt. Doch heute sind er und sein Œuvre (fast) vergessen. Gaetano Donizetti war sein berühmtester Schüler.
Im Abt Pfanner-Haus musizierten Angelika Gallez, Simon Pibal und Heidrun Wirth-Metzler aus den „12 Bagatellen à 3“ die Nummern 11, 2, 5 und 6. Im Trio mit Traversflöte, Klarinette und Fagott führten die Musiker:innen die Themen transparent ineinander. Sie zogen melodische Girlanden durch die einzelnen Stimmen und brachten sie in gut nachvollziehbaren Dialogen miteinander in Beziehung. Auch durch die harmonischen Schwerpunkte und den warmen, abgerundeten Klang von Traversflöte, Klarinette und Fagott transportierten die Musiker:innen Emotionen. Sie spielten mit einem feinsinnigen Geben und Nehmen. Stets ließen sie sich gegenseitig Raum und Zeit, sodass neben den wirkungsvoll entfalteten Kantilenen auch die Virtuosität der Musiker:innen zum Ausdruck kam. Die direkte Tonansprache der drei Instrumente verlieh der Musik zudem eine quicklebendige Ausstrahlung.
Gaetano Donizetti war ein Schüler von Johann Simon Mayr. Von ihm präsentierten Angelika Gallez und Martin Gallez eine Sonate für Traversflöte und Klavier. Auch in diesem Werk faszinierte der feinsinnige Klang der beiden historischen Instrumente sowie die durchdachte Phrasierung. Einerseits kamen dabei die Kantilenen zur Geltung, andererseits auch die virtuos dargebotenen melodischen Linien.
Der Klarinettist Joseph Friedlowsky bearbeitete Beethovens Sonate für Horn und Klavier für Bassetthorn und Klavier. Simon Pibal lotete dabei den riesigen Tonumfang des Bassetthorns hervorragend aus. Gut unterstützt wurde er von Martin Gallez am Hammerklavier. Die Musiker spornten einander an, zelebrierten die Klangfarben der unterschiedlichen Toncharaktere und traten in einen beredten Dialog, der durch die lebhaften Kaskaden des Klavierparts unterstrichen wurde. Besonders eindrücklich war der an Schubert erinnernde, emotional ausgestaltete Beginn des Poco adagio.
Die ganze Bandbreite dramatischer Gefühlswelten breitete Michael Glinkas „Trio pathétique“ aus. Simon Pibal, Heidrun Wirth-Metzler und Martin Gallez verliehen den weitgespannten Kantilenen der Musik eine theatralische Note. Die gesanglich dargebotenen melodischen Linien der Klarinette und des Fagotts erinnerten an Sänger:innen in einer Opernszene. Starke melodische Kontraste und die Harmonik belebten den dramatisch ausgestalteten musikalischen Fluss. Reibende Intervalle, ein aufgewühlt agierender Klavierpart sowie sich steigernde und schließlich kulminierende Auseinandersetzungen zwischen der Klarinette und dem Fagott führten zu Höhepunkten und überraschenden Wendungen.

Beeindruckender Tatendrang

Im Gespräch mit Martin Gallez erzählte Hans Kogler, Altbürgermeister und „Spiritus Rector“ des Abt Pfanner-Hauses in Langen, vom Werdegang des modernen Sozialzentrums. Die Lebensgeschichte des Trappisten und Missionars Abt Franz Pfanner (1825-1909) war besonders beeindruckend. Der gebürtige Langener war ein Visionär. Sein Tatendrang führte den auch als „Rebell in der Kutte“ genannten Mönch unter anderem nach Mariannhill in Südafrika. Dort und an zahlreichen anderen Orten gründete er Ordensgemeinschaften, baute Klöster, Handwerksbetriebe, Schulen und Krankenhäuser. Noch heute gibt es Verbindungen nach Südafrika. Im Pfarrverband Langen-Doren-Sulzberg wirken derzeit Patres der Kongregation der Missionare von Mariannhill (CMM).