"Fallende Blätter" von Aki Kaurismäki derzeit in den Vorarlberger Filmclubs © Sputnik
Michael Pekler · 07. Jun 2023 · Film

Transformers: Aufstieg der Bestien

Das milliardenschwere Franchise geht in die nächste Runde: Im siebten Teil der Blockbusterreihe tragen die wandelbaren Autoroboter ihren Streit schon wieder auf der Erde aus. Actionproduzent Michael Bay macht aus dem Kinosaal wie immer eine Spielzeugkiste.

Nirgendwo ist die Welt öfter bedroht worden als im Kino. Und nirgendwo öfter gerettet. Was ist nicht schon alles aus dem Universum auf uns zugerast, hat Metropolen vernichtet, Kontinente überschwemmt oder die gesamte Menschheit mit einem Virus infiziert – die Welt ist dennoch nie untergegangen. Das ist vermutlich das größte Verdienst des amerikanischen Katastrophenfilms: Wer hier Trost sucht, kann diesen finden.
Michael Bay, Hollywoodproduzent und Regisseur dieser alten Schule, ist ein solcher Trostspender. Wer nach Filmen von Michael Bay das Kino verlässt, hat nichts fürs Leben gelernt, sich aber mindestens zwei Stunden lang erzählen lassen, dass da draußen zwar alles sehr bedrohlich ist, sich aber schon irgendjemand finden wird, der die Sache für uns regelt. Zum Beispiel in der von ihm entworfenen „Transformers“-Filmreihe, in deren jüngstem Ableger die gestresste Archäologin Elena (Dominique Fishback) und der arbeitslose Ex-Soldat Noah (Anthony Ramos) rechtzeitig zur Stelle sind, um den uralten Streit außerirdischer Roboter – der leider auf der Erde ausgetragen wird – im Dienste der Menschheit zu lösen. 

Verwandlungsshow der alten Art

„Aufstieg der Bestien“ (Regie: Steven Caple Jr.) ist der mittlerweile siebte Teil der populären Blockbuster-Reihe und ein Film, den es eigentlich nicht geben sollte. Nicht nur aufgrund seiner Qualität, über die sich hier nicht streiten lässt, sondern weil bereits sein Vorvorgänger, „The Last Knight“ (2017), die jahrzehntealte Verwandlungsshow hätte abschließen sollen. Doch mit der Erweiterung durch das Prequel „Bumblebee“ (2018) nahmen Serie und Verhängnis ihren weiteren Verlauf: „Aufstieg der Bestien“ reiht sich chronologisch nun an zweiter Stelle auf der Zeitleiste ein, spielt im Jahr 1994 und wirkt tatsächlich wie ein millionenschweres Überbleibsel aus dem vergangenen Jahrhundert.
Man kann nicht behaupten, dass dieser Film keine Geschichte erzählt. Man kann sie aber in drei Sätzen erzählen. Die offizielle Inhaltsangabe liest sich so: „SIE sind wieder da … ,Transformers: Aufstieg der Bestien‘ nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise um die Welt und durch die 90er-Jahre! Während die Autobots auf eine ganz neue Art von Transformers treffen, die Maximals, geht der Kampf der verfeindeten Teams der Autobots und der Decepticons in die nächste Runde.“ 
Wer so formuliert, darf bei seinem Publikum ein Expertenwissen voraussetzen, das nur Fans mitbringen können. Und tatsächlich ist es müßig, den Inhalt dieses Films mit anderen Worten wiedergeben zu wollen. Weil es nicht der Rede wert wäre. Außer, dass zwischen den Kampfszenen das zunehmend einander zugeneigte Menschenpärchen in einem Historischen Museum ein in einem steinernen Vogel verstecktes Artefakt („It‘s definitely not Nubian“) entdeckt, auf das die Decepticons (böse) Jagd machen und die Welt zerstören wollen, während das Menschenpärchen von den Autobots (gut) und den tierähnlichen Maximals (auch gut) beschützt wird. 

Bubenhumor mit Ghettofaust

Und später umgekehrt. Denn als bester Kumpel von Noah erweist sich der neu ins Franchise-Rennen gebrachte Mirage, den er als Porsche 911 Carrera RS 3.8 zuvor noch klauen wollte, ehe die Ghettofaust die Freundschaft zwischen Mensch und Maschine besiegelt. Weil die gesamte „Transformers“-Serie aber ohnehin nur eine Aneinanderreihung spektakulärer Szenen sein will, bilden auch in der Neuauflage den eigentlichen Schauwert die Verwandlungen von Airazor, Arcee, Bumblebee, Optimus Primal, Prime, Rhinox, Mirage und Wheeljack. Was wiederum bedeutet, dass „Transformers“ darauf angewiesen ist, ständig damit – oft und gerne in Zeitlupe – prahlen zu müssen. Verfolgungsszenen gibt es in New York und Machu Picchu, unter der Erde und in luftiger Höhe. Ein bisschen Bubenhumor für die schnelle Kleinfahrzeuge, Trucks und Motorräder liebende Zielgruppe darf in „Transformers“ naturgemäß auch sein.
Das Erstaunlichste an diesem Film ist jedoch nicht das ab Halbzeit permanent tobende Special-Effects-Gewitter, sondern angesichts der dystopischen Endzeitfilme, die seit geraumer Zeit die Science-Fiction beherrschen, seine reaktionäre Naivität: Hier gibt es keine Angst vor der Zukunft und vor künstlicher Intelligenz, vor zerstörerischer Technik oder menschlicher Ohnmacht. Stattdessen die Hoffnung, dass nach der Weltenrettung alles so bleibt, wie man es kennt. Ein Quäntchen Trost.