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25.02.2017 |  Dagmar Ullmann-Bautz

Neue Theatergeneration – Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung

Die Vorarlberger Theaterlandschaft ist seit vielen Jahren eine bunte, eine lebendige, eine mannigfache. Freie Bühnen wie das Aktionstheater, das Projekttheater, das walktanztheater oder dieheroldfliri, um nur einige zu nennen, bereichern neben den niedergelassenen Häusern die Vorarlberger Theaterszene ungemein. Mit ihren Produktionen decken sie ein beachtlich breites Spektrum darstellender Kunst ab und lassen den nach Theatererlebnissen Suchenden gerne im Ländle verweilen.

Zukunft sichern


Als sich letzten September ein weiteres Ensemble dazugesellte, schien der Zeitpunkt jedoch gekommen eine kritische Frage aufzuwerfen, nicht nur von Seiten der geldgebenden Politik oder des Publikums, sondern auch von den Theatermachern selbst: „Braucht es denn das, braucht es denn uns als Theaterproduzenten auch noch?“ Die Beantwortung der Frage fällt eindeutig aus, an ihr ist nur schwer zu rütteln: Ja, das braucht es, es braucht diese neue Theatergeneration, es braucht diese und es braucht weitere junge Theatermacher und Theatermacherinnen! Eben darum, um diese großartige Vorarlberger Theaterlandschaft zu erhalten, sie in eine weiterhin großartige Zukunft zu führen, um neue Pfade zu beschreiten, andere Blickwinkel und Sichtweisen zu eröffnen und sie ihren Weg in die Öffentlichkeit finden zu lassen, um neue Publikumsschichten anzusprechen, diese für Theater zu begeistern und zu gewinnen.

Beachtlicher Erfolg


Heute sprechen wir vom Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung, kurz UNPOP. UNPOP wurde von Regisseur Stephan Kasimir, der Ausstatterin Caro Stark und dem Musiker und Techniker Thomas Bechter ins Leben gerufen. Mit dem Stück „Einige Nachrichten an das All“ des jungen Dramatikers Wolfram Lotz feierte das Ensemble im letzten Jahr einen beachtlichen Erfolg. Dieser bestärkte UNPOP in ihrer Absicht weiterzumachen.

Perfekter Standort Dornbirn


Bei der gestrigen Pressekonferenz im Dornbirner Kulturhaus berichteten Kasimir, Stark und Bechter von ihren Intentionen, ihren Interessen, ihren Plänen für die Zukunft. Zwei Produktionen pro Jahr, eine im Frühling und eine im Herbst, will UNPOP präsentieren. Dabei soll Dornbirn und auch das Kulturhaus weiterhin als Standort des Theaters fungieren. Dornbirn ist die größte Stadt des Landes mit für UNPOP relevant und interessant erscheinenden Institutionen wie dem Spielboden, dem Conrad Sohm oder dem Tik, dem Jazzseminar oder der Fachhochschule, kurzum mit einem den jungen Theatermachern als äußerst geeignet erscheinenden Umfeld. UNPOP will eine eigene dramaturgische Identität entwickeln, mit Wiedererkennungswert, jedoch unvergleichbar, will sich positionieren als neue Produzentengeneration, will Verantwortung übernehmen inmitten einer, wie sie meinen, sehr arrivierten und in die Jahre gekommenen Szene.

Verwirren und berühren


Ein Umstand scheint UNPOP in ihrem Vorhaben sehr entgegenzukommen: In den vergangenen Jahren hat sich an deutschsprachigen Theaterbühnen eine neue Riege von AutorInnen etabliert, die die Freiheit des dramatischen Schreibens neu für sich entdeckte und auch in all seinen Möglichkeiten ausschöpft. Bei den großen deutschen Dramatikerpreisen, wie dem in Mühlheim oder Berlin stattfindenden, setzen sich diese jungen AutorInnen immer mehr gegen die etablierte Konkurrenz durch. Das UNPOP-Team macht es sich nun zur Aufgabe, Stücke dieser neuen DramatikerInnen nach Vorarlberg zu bringen und bekennt sich mit aller Vehemenz zum Unrealistischen und Gegenweltlichen des Theaters. Entgegen der von UNPOP georteten Entwicklung der letzten Jahre, mehr oder weniger ein Abbild der Realität auf die Bühne zu bringen, verstehen Kasimir, Stark und Bechter die Stärke ihres Theaters darin, den Zuschauer in eine vollkommen fremde Welt zu entführen, ihn zu erstaunen, zu verwirren, ihn zu berühren und anzustiften. Somit setzt das Team nicht auf Aktualisierung und Identifikation, sondern auf Illusion und Verstörung.

Österreichische Erstaufführung


UNPOP
startet seine Saison 2017 am 3. Mai mit der österreichischen Erstaufführung des Stückes „Käthe Hermann“ von Anne Lepper. Stephan Kasimir übernimmt die Regie, Caro Stark zeichnet für die Ausstattung verantwortlich. 2012, dem Jahr, in dem das Stück auch entstanden ist, wurde Anne Lepper mit diesem zu den Mühlheimer Theatertagen und auch nach Berlin eingeladen und vom Fachmagazin „Theater Heute“ zur Nachwuchsdramatikerin des Jahres erkoren. Ihr neustes Stück „Mädchen in Not“ ist bereits für den Mühlheimer Theaterpreis 2017 nominiert. Laut Kasimir seien Leppers Figuren so einzigartig und eigenwillig, so weltfremd und absonderlich und die Sprache der Autorin ganz besonders.

Die Geschichte von Käthe, die mit ihrer Tochter Irmi und dem gelähmten Sohn Martin zusammenlebt, wird beherrscht von den Sehnsüchten der Protagonisten, gefangen in ihren komischen Ritualen und einer isolierten Welt, eine Welt so urkomisch und schrecklich traurig zugleich. UNPOP engagierte dafür drei spannende AkteurInnen, die SchauspielerInnen Johanna Tomek, Barbara Bauer und Jens Ole Schmieder.

Und nochmals Wolfram Lotz


Das zweite Stück, es wird am 29. Oktober seine Premiere feiern, entstammt der Feder von Wolfram Lotz, ebenso wie das Stück des vergangenen Jahres. „Die lächerliche Finsternis“ ist angelehnt an Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ und Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“. Zwei Soldaten befinden sich in Afghanistan auf der Suche nach einem Oberstleutnant, der seine Kameraden im Wahn ermordet hat. Auf ihrer Reise begegnen sie sehr rätselhaften, ja geradezu irrsinnigen Figuren. Mit „Die lächerliche Finsternis“ entführt Wolfram Lotz in eine Welt, in der Zeit, Raum und alle Naturgesetze außer Kraft gesetzt zu sein scheinen.

Mit Spannung darf man beide Produktionen erwarten.

Thomas Bechter, Caro Stark und Stephan Kasimir (vlnr)

Thomas Bechter, Caro Stark und Stephan Kasimir (vlnr)

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Bilder
  • Thomas Bechter, Caro Stark und Stephan Kasimir (vlnr) Thomas Bechter, Caro Stark und Stephan Kasimir (vlnr)