Der Orchesterverein Götzis bereichert die Musiklandschaft
Berühmte, bekannte und verschollene Werke aus drei Jahrhunderten
Wenn der Orchesterverein Götzis zum Konzert in die Alte Kirche in Götzis einlädt, wissen Musikbegeisterte, dass zumindest eine vergessene Komposition aus der Versenkung gehoben wird. Und so war es auch dieses Mal. Der Orchesterleiter Markus Ellensohn setzte die Symphonie Nr. 8 des deutsch-französischen Komponisten Henri-Joseph Rigel aufs Programm. Den Rahmen bildeten Bachs erste Orchestersuite sowie Concerto grosso, op. 6 von Arcangelo Corelli. Konzentriert und ambitioniert spielten die Orchestermusiker:innen und beeindruckten mit einer ausgewogenen Tongebung sowie gut durchdachten Werkdeutungen.
Die sehr kühle Temperatur in der Alten Kirche Götzis stellte sowohl für die Musiker:innen und die Instrumente als auch für die Zuhörenden eine Herausforderung dar. Trotzdem konnte der Obmann des Orchestervereins Götzis, Thomas Dünser, viele Konzertbesucher:innen begrüßen. Vom Konzertmeisterpult aus leitete Markus Ellensohn die gut vorbereiteten Orchestermusiker:innen. Die gegenseitige Aufmerksamkeit aller Mitwirkenden bot gute Voraussetzungen für die Präsentation der achten Sinfonie in g-Moll, op. 12 von Henri-Joseph Rigel. Der Zeitgenosse Mozarts stammt ursprünglich aus Deutschland, er wirkte aber lange in Paris, wo er höchstes Ansehen genoss. Heutzutage ist der umtriebige Komponist aus unerfindlichen Gründen (fast) vergessen.
Rigels g-Moll-Sinfonie zeichnete sich in mehrerlei Hinsicht aus. Sogleich der dramatische Eröffnungssatz mit den klaren Themengestalten zog die Aufmerksamkeit auf sich. In den farbenreichen und zügigen Wechseln wies das Werk Charaktereigenschaften des Sturm und Drangs auf und abschnittweise deuteten changierende Flächen innovativ auf Beethoven hin. Poetisch war die Pastorale im Mittelteil angelegt und von aufwühlenden Modulationen lebte der Finalsatz.
Der Orchesterverein formte den ersten Satz mit kantigen Phrasierungen und rasch auf- sowie abschwellenden musikalischen Bögen aus und brachte dadurch die aufstrebenden Akkordgänge dramatisch zur Geltung. Etwas zu wenig Gelassenheit verströmte die Pastorale im Mittelteil, denn die Musiker:innen gewährten der Oboistin in den melodieführenden Passagen etwas wenig Spielraum. Ganz in seinem Element bündelte der Orchesterverein Götzis die Energien und stellte das Finale beeindruckend in den Raum.
Mit der Orchestersuite Nr. 1 von Johann Sebastian Bach (BWV 1066) verwies das Orchester, in dem Profis und engagierte Laienmusiker:innen miteinander musizieren, auf seine spezifischen Qualitäten. Die transparent ausgeformten musikalischen Linienführungen brachten die kontrapunktische Satztechnik gut zur Geltung. Kontrastreich in den Raum gestellte Forte- und Pianopassagen belebten den musikalischen Fluss. In Erinnerung blieben die wirkungsvoll eingesetzten Klangregisterwechsel in den einzelnen Tanzsätzen. Esprit erhielt die Werkdeutung zudem durch die gute Stütze des Basso Continuos.
Arcangelo Corellis Concerto Grosso Nr. 8, op. 6 – „Fatto per la notte di Natale“, „Weihnachtskonzert“ – ergänzte das abwechslungsreiche Programm hervorragend. Die ungünstigen Aufführungsbedingungen, hauptsächlich im Hinblick auf die Intonation und den Energiefluss, machten sich im Laufe der Werkdeutung zunehmend bemerkbar. Doch in der ersten Hälfte kamen die kontrapunktischen Verflechtungen der beiden solistisch geführten Violinen und des Violoncellos beeindruckend zur Geltung. In Verbindung mit dem Orchester und dem Cembalo entfaltete sich eine virtuose Korrespondenz und es bildete sich ein stimmungsvoller musikalischer Bogen heraus, der im Adagio des Mittelteils seinen Höhepunkt fand.