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Michael Pekler · 02. Jun 2026 · Film

Neu in den Kinos: „Masters of the Universe“

Das He-Man-Imperium schlägt zurück: Die populäre Spielzeugfigur mit Lendenschurz und Schwert aus den Achtzigerjahren ist auf der Leinwand wieder auferstanden. Der Action-Blockbuster von „Transformers“-Regisseur Travis Knight versucht mit Witz und Selbstironie der eigenen Peinlichkeit zu begegnen, was nur bedingt gelingt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zielgruppe dieses Films in der Kindheit mit Prinz Adam gespielt hat, ist verschwindend gering. Vermutlich weiß sogar kaum jemand, wer Prinz Adam ist. Dabei ist das goldgelockte Muskelpaket mit dem silbernen Schwert und Lendenschurz einer der erfolgreichsten Superhelden der Geschichte. Jeder kennt Batman, Superman und Konsorten, aber es war Adam, der zu Beginn der Achtzigerjahre für Millionen amerikanischer Kinder die Fantasiewelt des Planeten Eternia rettete. Über hundert Cartoon-Episoden flimmerten über die US-Fernsehschirme, jede Folge diente als Werbesendung für den Spielzeuggiganten Mattel, der damit ungeniert den Verkauf seiner Figuren ankurbelte. „He-Man and the Masters of the Universe“ war 1984 die erfolgreichste Kindersendung in den USA.

Flucht in die Wirklichkeit 

„By the power of Grayskull!“ Der legendäre Satz, mit dem der mächtigste Mann des Universums das Böse das Fürchten lehrt, wird natürlich auch im neuesten Action-Blockbuster gerufen. Magische Worte, um eine Fantasy-Welt zu retten, die im Gegensatz zur wirklichen, die sich die Menschheit selbst zerstört, noch zu retten ist. Zunächst aber taucht man ein in ein grellbuntes Königreich, das von Adams Vater, einem braven Herrscher, regiert wird. Hier passt nichts zusammen, weil es alles gibt: Moderne Fluggeräte und alte Schlösser, Stein und Laser, Zauberer und Ingenieure. Doch vor den Toren von Grayskull, dem totenkopfförmigen Schloss, braut sich Unheil zusammen: Die Schergen des Oberbösewichts Skeletor, der als Kapuzengerippe mit leuchtend roten Augen auftritt, überfallen das Land. Erfreulicherweise kann der kleine Adam fliehen und in unserer sogenannten echten Welt untertauchen, wo wir ihn – fünfzehn Jahre älter als verschwurbelten Twentysomething – für die kommenden zwei Stunden wiedertreffen. Blöderweise hat er das Schwert, glücklicherweise aber nicht die Erinnerung an Eternia verloren.

Keine Angst vorm Knochenmann

„Masters of the Universe“ ist nach der gleichnamigen Adaption von 1987 mit Dolph Lundgren, der einen Cameo-Auftritt beisteuert, die zweite Realfilmung des He-Man-Universums und nach erheblichen Turbulenzen während der Produktionsphase – „Transformers“-Regisseur Travis Knight nahm sich der Sache schließlich an – nun mit mehrjähriger Verspätung in den Kinos gelandet. Nicht abzusprechen ist diesem Film jedenfalls sein Versuch, dem ewigen Kampf zwischen Gut und Böse mit viel Humor zu begegnen. Während Nicholas Galitzine die Wandlung vom fantasierenden Nerd im Großraumbüro zum auserwählten Weltenretter He-Man vollzieht, sorgt vor allem der im Knochenmann-Outfit nicht erkennbare Jared Leto dafür, dass man seinen Skeletor nicht ernst nehmen kann. 

Neuer Fetisch

Bemerkenswerter als der Film mit schier endlosen Actionszenen zu ebener Erde und in luftigen Höhen sowie entsprechend einfältigen Dialogen ist der Umstand, dass es ihn überhaupt gibt. Denn die Achtzigerjahre waren das Jahrzehnt der Muskelpakete im Kino mit einer neuen Ästhetisierung des Körpers als Fetisch. Conan-Barbaren wie Arnold Schwarzenegger und Rambo-Dschungelkämpfer wie Sylvester Stallone dominierten das Actiongenre der Reagan-Ära und bewiesen, dass in Zeiten des Wettrüstens auch der eigene Körper zur Bastion werden kann. Vierzig Jahre später wirkt ein halbnackter Muskelheld wie He-Man auf der Leinwand zwar lächerlich, doch angesichts eines Präsidenten, der in vielen Bereichen als Bewunderer Reagans auftritt, erscheint der blonde Retter Eternias plötzlich wieder zeitgemäß. Daran können auch Persiflage und Selbstironie in „Masters of the Universe“ wenig ändern. Die traumatisierten und gebrochenen Superhelden der vergangenen Jahre können sich jedenfalls vorerst eine Auszeit nehmen.

ab 3.6., Kino Bludenz (dF), Kinothek Lustenau (dF),
Cineplexx Hohenems (dF; OF am 8.6. und 10.6.)