Belastende Pressekonferenzen und TV-Duelle (Foto: TFCITD)
Michael Pekler · 30. Jul 2025 · Film

Neu in den Kinos: „Die nackte Kanone“

Die legendäre Blödelreihe aus den Achtzigern erlebt ihre Fortsetzung und macht deutlich, dass vor allem eine gute Filmkomödie immer aktuell sein muss. Liam Neeson tritt als Lt. Frank Drebin in die deutlich zu großen Fußstapfen von Leslie Nielsen.

Dass der vermutlich trotteligste Polizist der Kinogeschichte nach knapp vierzig Jahren eine Auferstehung feiert, mag einfach für manche schlichte Notwendigkeit sein. Warum sollte nicht auch eine neue Generation über Lt. Frank Drebin lachen, der seinerzeit mit seiner ganzen Ungeschicklichkeit ein Attentat auf die britische Königin durch einen hypnotisierten Baseballspieler verhinderte? Man erinnere sich an die Verfolgungsjagd mit dem Fahrschulauto und den unfreiwilligen Einsatz der dicken Frau auf der Zuschauertribüne. So schreibt man Kinogeschichte.
Zwar hätte O. J. Simpson im Nachhinein wohl keine Nebenrolle bekommen, doch Leslie Nielsen als Frank Drebin, Ricardo Montalbán als nicht weniger unterbelichteter Bösewicht und Priscilla Presley als Drebins romantisches Interesse machten „Die nackte Kanone“ 1988 zum Komödienklassiker, dessen guten Ruf auch seine beiden weniger überzeugenden Sequels nicht mehr ruinieren konnten. Das war zu einer Zeit, in der die Comedywerkstatt des genialen Filmemachertrios David Zucker, Jim Abrahams und Jerry Zucker („ZAZ“) mit Filmen wie „Airplane!“ und „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“ wie geschmiert lief. Parodien auf den Polizeifilm wie „Police Academy“ (1984) oder die ebenfalls von Zucker/Abrahams/Zucker kreierte sechsteilige TV-Serie „Police Squad!“ (1982), die wiederum Vorlage für „The Naked Gun“ war, waren die zeitgeistige Antwort auf die reaktionären Dirty-Harry-Cops der Reagan-Jahre. Wer die Figur des Polizisten im Kino aufs Korn nehmen wollte, musste ihn dümmer machen, als es die Polizei erlaubt.

Große Fußstapfen

Doch wie die Geschichte sich nicht wiederholt, selbst wenn der erklärte Reagan-Fan Donald Trump wie dieser Amerika wieder großartig machen möchte, so gelten auch im Kino die Erfolgskriterien der Vergangenheit nicht in der Gegenwart. David Zucker, Regisseur des Originals, zog seine angekündigte Mitarbeit am Reboot auch deshalb zurück, weil er wusste, dass der Comedystil der Achtziger im neuen Jahrtausend keine Früchte mehr tragen kann. Offensichtlich anderer Ansicht waren Regisseur und Co-Autor Akiva Schaffer und sein Hauptdarsteller Liam Neeson, der als Frank Drebin Jr. in die Fußstapfen von Leslie Nielsen, die ihm eindeutig zu groß sind, tritt. 
Schon die Eröffnungsszene deutet das kommende Übel an. Ein Banküberfall ist in Gange und die Streifenpolizei selbstverständlich hilflos, als ein kleines Mädchen in Schuluniform und mit Lollipop durch die Absperrung hüpft, sich superheldenhaft in Drebin verwandelt und die Räuber mit gezielten Schlägen und Schüssen außer Gefecht setzt. Hier ist kein Amateur mit mehr Glück als Verstand am Werk, sondern ein Profi mit schlechtem Benehmen. Zeichen des schlechten Geschmacks wiederum sind ausgerissene Gliedmaßen der Bösewichte und Drebins bereits im Trailer triumphal gezeigte geblümte Mädchenunterhose. 

Nebenwirkungen

Dass die dünne Handlung – Danny Huston versucht als faschistoider Bilderbuchschurke die Menschheit auf wenige Auserwählte zu dezimieren – nur dazu dient, eine Reihe mehr oder weniger gelungener Gags – Achtung, Kaffeebecher! – zu inszenieren, ist natürlich beabsichtigt. Immerhin bietet sie Drebin und seinem Partner Capt. Ed Hocken Jr. (Paul Walter Hauser) genug Anlass, die Ungeschicke ihrer Väter als nächste Generation fortzusetzen, während sich eine mysteriöse Blondine (Pamela Anderson) ins Geschehen mischt und bei Drebin entsprechende Nebenwirkungen verursacht.
Doch bloße Spaßmacherei reicht nicht, und die Abnutzungserscheinungen sind eklatant. Denn je länger sich die ohnehin nur knapp neunzig Minuten anfühlen, desto offensichtlicher macht sich das Ausbleiben jener charmanten Unbekümmertheit bemerkbar, die das Original auszeichnete. Dass „Hangover“-Comedian Ed Helms durch Liam Neeson ersetzt wurde, ist darüber hinaus eine der größten Fehlentscheidungen. Plumpheit zu inszenieren ist etwas anderes als plump zu inszenieren. 

ab 30.7., Cinema Dornbirn, Kino Bludenz, Cineplexx Hohenems (auch OmU), Cineplexx Lauterach