Musik mit allen Sinnen erleben
Das V.Töne Holzbläserquintett begeisterte mit seiner „Klangvollen Sinnesreise“
Im vergangenen Jahr schlossen sich die fünf Holzbläser:innen Laura Moosbrugger (Flöte), Anna Eberle (Oboe), Johanna Bilgeri (Fagott), Anton Doppelbauer (Horn) und Paul Moosbrugger (Klarinette) im V.Töne Holzbläser Quintett zusammen. Die Intention des Ensembles besteht unter anderem darin, Erlebnishorizonte der Konzertbesucher:innen über den Hörsinn hinaus zu erweitern. Für die „Klangvolle Sinnesreise“ wurden spannende Kompositionen ausgewählt, mit außergewöhnlichen Zutaten gespickt und auf höchstem Niveau interpretiert. Das stimmige Ambiente und die gute Akustik im SONI Krüterhüsle von Sonja Schwarzhans und Reinhold Eberle in Hittisau boten einen idealen Raum für das einzigartige Konzerterlebnis.
In Vorarlberg wächst eine junge Generation von Musiker:innen heran, die für Aufsehen sorgt. Laura Moosbrugger, Anna Eberle, Johanna Bilgeri, Anton Doppelbauer und Paul Moosbrugger zählen zu ihnen. Alle fünf befinden sich noch im Studium in Wien, Nürnberg und Würzburg und alle fünf haben bereits sehr erfolgreich ihre eigene musikalische Karriere gestartet. Durch ihr herausragendes musikalisches Können und ihre sympathische Ausstrahlung sprechen sie das Publikum unmittelbar an.
Die Idee für das Konzert im SONI Krüterhüsle war originell und konsequent zugleich. Alle Sinne wollten die Musiker:innen ansprechen und das taten sie mit fantasiereichen Zugängen. Mit den „Drei Shanties“, op. 4 des amerikanische Komponist Malcom Arnold eröffnete das V.Töne Holzbläser Quintett das geistreiche Konzert. Traditionell werden Seemannslieder als „Shanties“ bezeichnet. Einen mitreißenden Einstieg bot vor allem das überaus plastisch dargebotene Allegro con brio, mit den aufgewühlten Flächen und den vorwärtstreibenden Rhythmen sowie dem unruhigen Hin- und Herspringen zwischen den Genres. Amüsant setzte das Ensemble Malcolm Arnolds Musik der rauen See in Szene und brachte mit seiner virtuosen Spielart zum Ausdruck, dass auch zu viel Alkohol gehörig für Seegang sorgen kann. Im zweiten Shanty zelebrierte das Quintett mit bewundernswert ausgewogener Balance die spezielle Klangfarbenvielfalt der Holzbläserbesetzung. Auch im dritten Teil kristallisierten die Musiker:innen den Humor der Musik anschaulich heraus. Anton Doppelbauer moderierte und lud das Publikum ein, während des Zuhörens mit einem starken Schiffstau den Tastsinn anzuregen.
Der amerikanische Komponist Samuel Barber setzte mit „Summer Music“, op. 31 seiner Liebe zu Italien ein sinnliches musikalisches Denkmal. Durch den gemeinsamen Atem des Holzbläserquintetts und die bewundernswert präzise Musizierart stellte sich ein tänzerischer Groove ein. Die Sehnsucht nach dem Süden in der Musik unterstrichen die Musiker:innen mit Pizzagewürz, das jede Konzertbesucherin und jeder Konzertbesucher ausgehändigt bekam. Und tatsächlich bereicherten die zusätzlichen Assoziationen über den Geruchsinn das Hörerlebnis.
Hören, riechen, schmecken und sehen in Beziehung zueinander
Drei Sätze aus dem Quintett, op. 56/2 von Franz Danzi unterstrich das Ensemble mit einem dreiteiligen Geschmackserlebnis: einem Aufstrich, Käse und Schokolade. Spritzig und mit dynamischen Begleitfloskeln formte das Holzbläserquintett die an Mozart angelehnten Themengestalten. Aufhorchen ließen die markanten rhythmischen Akzente im Menuett und viel Vergnügen bereitete das quirlige Allegro-Finale, in dem die wechselnden Rollen der fünf Instrumente mit viel Drive zur Geltung kamen.
Nach dem Tast-, Geruch- und Geschmackssinn stellte das V.Töne Holzbläserquintett den Seh- und Hörsinn zueinander in Beziehung. Hierfür ließen sich die Musiker:innen etwas Besonderes einfallen. Zum Menuett aus Carl Nielsons Bläserquintett, op. 43 wurde das Minenspiel des Schauspielers Sebastian Doppelbauer projiziert. In dieser Passage zeigte sich eindrücklich, wie dominant der Sehsinn im Vergleich zum Hörsinn wirkt, denn mit der Bildprojektion trat der Höreindruck – zumindest meiner Wahrnehmung nach – spontan in den Hintergrund.
Zum Schluss boten die Musiker:innen dem Publikum mit Hilfe von Augenmasken die Möglichkeit, sich ganz auf den Hörsinn zu konzentrieren. Dabei fokussierte sich die Wahrnehmung sofort auf die Darbietung der Variationensätze aus dem Finale des Bläserquintetts von Carl Nielsen. Wunderbar kamen das musikalische Zusammenwirken und die Farbenspiele der wechselnden Instrumentalfarben zur Geltung. Spannend waren die Bewegungen der Musiker:innen im Raum nachvollziehbar. Sie nahmen das Publikum in die Mitte und die Fagottistin spielte eine Passage mitten unter den Zuhörenden.
Mit begeistertem Applaus dankten die Konzertbesucher:innen für das vielschichtige und geistreiche Sinnesabenteuer sowie die herausragenden Werkdeutungen. Der Publikumszuspruch war derart groß, dass das V.Töne Holzbläserquintett zwei Mal konzertierte. Hoffentlich gibt es bald eine Fortsetzung der „Klangvollen Sinnesreise“ im SONI Krüterhüsle.