Die Berliner Band „Milliarden“ beim Poolbar Festival (Foto: Darius Grimmel)
Silvia Thurner · 25. Aug 2015 · Musik

Vor allem ein dokumentarischer Wert – Birgid Steinberger und Thomas E. Bauer präsentierten frühe Schubertlieder bei der Schubertiade Schwarzenberg

Kurzfristig hatten der Bariton Markus Werba und die Sopranistin Sarah Connolly ihre Engagements bei der Schubertiade Schwarzenberg abgesagt. Auf dem Programm standen frühe, weitgehend unbekannte Lieder von Franz Schubert. Diese sollten den Reigen der Aufführungen aller klavierbegleiteten Lieder des Komponisten weiterführen. Spontan sprangen Birgid Steinberger und Thomas E. Bauer in die Bresche und studierten die Lieder ein, um sie in Schwarzenberg zu präsentieren. Dass sich die beiden Sänger nur einen Tag zuvor kennengelernt haben, war in der gelösten Atmosphäre des gemeinsamen Liederabends nicht spürbar. Beide bemühten sich um die bestmöglichen Lieddeutungen. Und obwohl manches Lied aufhorchen ließ, wirkte vor allem die erste Konzerthälfte etwas langatmig und sperrig. Die zur Aufführung gebrachten Lieder des achtzehnjährigen Komponisten haben in dieser Kombination einen dokumentarischen Wert, im Konzert gewährleisteten sie nur bedingt einen reizvollen Spannungsbogen.

Das Jahr 1815 war im kompositorischen Schaffen von Franz Schubert ein „Liederjahr“, in dem er sich intensiv mit literarischen Vorlagen und deren Vertonung auseinandersetzte. Während er nicht immer eine glückliche Hand für die Textauswahl hatte, schuf er in der Liedkomposition von Anfang an auch Bahnbrechendes. In Hinsicht darauf bot der Liederabend mit Birgid Steinberger und Thomas E. Bauer interessante Einblicke in die Entwicklung der Strophenlieder, variierter Strophenformen und durchkomponierter Formen.

Gute Pianokultur


Die Themen, denen sich die Sopranistin Birgid Steinberger widmete, kreisten um Naturbilder, unerfüllte Träume, Verlust und Liebe. Ihr heller Sopran, ihr Vibrato und ihre Körpersprache machten deutlich, dass Birgid Steinberger vor allem als Opernsängerin reüssiert. Doch sie verinnerlichte die Lieder und schuf insbesondere mit ihrer auch im Piano gut nuancierten Stimme eine dichte Atmosphäre. So lenkte „Auf dem Kirchhof“ die Aufmerksamkeit auf sich. In den Liedern „Erster Verlust“ und „Lambertine“ entfaltete sich das Timbre der Sopranistin gut. Eher scharf forciert erklang „Sehnsucht der Liebe“.

Flexibler Bariton


Der Bariton Thomas E. Bauer sang mit einer flexiblen und warmen Stimme, varianten- und farbenreich gestaltete er die Lieder. In  „Das Rosenband“ und in „Das gestörte Glück“ setzte er auch humorvolle Akzente. Die chromatisch aufsteigenden Fortschreitungen im „Liebesrausch“ kamen textdeutend zur Geltung. Eine schöne Linienführung zeichnete „Der Liebende“ aus. Überdies blieb die besondere harmonische Farbgebung in „Am Flusse“ in Erinnerung.
Einen Höhepunkt stellte die Deutung der Ballade aus den Ossian’schen Gesängen dar, die Birgid Steinberger und Thomas E. Bauer gemeinsam interpretierten.

Fokus auf die Klavierparts


Im Rahmen dieses Konzertes bot der Blick auf die Gestaltung der Klavierparts viele Anreize. Julius Drake spielte souverän, sodass spezifische kompositorische Gestaltungsmittel gut nachvollziehbar waren. Illustrierende Klangfelder und jene Passagen, in denen Schubert über Textpassagen hinweg die Emotionen bündelte, zeigten auch Entwicklungslinien innerhalb des kompositorischen Schaffens auf. Dabei gab es eher oberflächliche Effekte und weit in die Zukunft weisende Kunstgriffe zu entdecken.