„Antigone" in einer Bearbeitung von Michael Köhlmeier derzeit im Theater Kosmos in Bregenz zu sehen.(Foto: Jan Friese)
Peter Ionian · 23. Jun 2012 · Musik

Nostalgie, Mainstream, Rock und ein wenig Elektronisches - Das Southside Festival 2012 eröffnet an verschiedenen Fronten.

Die Tore zum Southside Festival 2012 in Neuhausen Ob Eck wurden eröffnet. Mit 120 km Entfernung ist es aus Vorarlberg schnell erreicht und wird deshalb gern besucht. Das Line-Up ist heuer etwas poppiger ausgefallen als es sich für ein richtiges Rock Festival gehören würde, wartet aber dennoch mit einigen Highlights auf. So viele Kombitickets wie heuer wurden noch nie verkauft und so wurde aufmerksam beobachtet, ob sie den zusätzlichen Besuchern organisatorisch gewachsen sind. Außerdem steht ein deutsches Festival während eines EM-Viertelfinales mit deutscher Beteiligung natürlich auch massiv im Fussballfieber.

Das Southside Festival ist seit Jahren ausverkauft und aufgrund seines guten Rufes sehr beliebt. Es ist das Gegenstück zum Hurricane Festival. Wie Rock im Park und Rock am Ring werden auch hier die Bands gleich zweimal an einem Wochenende gebucht, was natürlich die Verhandlungslage für die Veranstalter verbessert. Das Festival lockt mit einem Line-Up bekannter Namen in einer überschaubaren Größenordnung. Dieses Jahr wurde ein wenig umgebaut und erweitert. Das Mehr an Menschen haben sie gut aufgenommen. Der erste Tag ist reibungslos und friedlich abgelaufen dennoch wurde ordentlich gefeiert.

Die Überraschungen

Auf solchen Festivals will man selbstverständlich vor allem die Headliner sehen. Aber gerade die Bands, die bereits nachmittags oder auf den Nebenbühnen spielen, sind oft die größten Überraschungen. Vor allem auf der White Stage überraschten Turbowolf mit knackigem Rock im Stil der 70er und The Computers mit einem druckvollen Rock und Core Mix. Letztes Jahr war die White Stage noch für Artisten und Performance reserviert, während dieses Jahr auf vier Bühnen Musikprogramm gemacht wird. Wahrscheinlich werden alternative Angebote einfach weniger angenommen, aber manchen fehlt die Vielfalt der Kunst, wenn neben den Konzerten nicht auch andere Freizeitangebote bestehen. Eine weitere Überraschung war die Band mit dem - man verzeihe mir meine Ausdrucksweise - ziemlich beschissenen Bandnamen Kakkmaddafakka. Sie brachten humorvollen, spielfreudigen Popfunkrock in interessanter Instrumentierung. Und eines ist sicher, den Bandnamen vergisst man nicht so leicht.

Die alten Hasen

Ein zentraler Bestandteil des Line-Ups war schon am ersten Tag die Nostalgie. Wenn Bands wie Lagwagon und Mad Caddies oder die noch folgenden Less Than Jake und Pennywise aufspielen, dann werden die alten Skate-Punkrocker in ihren Jugenderinnerungen angesprochen. Dabei konnten Lagwagon nicht mehr dieselbe jugendliche Kraft auf die Bühne bringen, man wird halt doch älter im Laufe der Zeit. So auch Noel, der talentiertere der Gallagher Brüder, bei dem man das Gefühl hatte, er spielte sein Programm runter und reist dann möglichst bald wieder mit der Gage ab. Das neue Material hat nicht mehr die Magie von Oasis und deshalb wurden gewissenlos die ganzen Gassenhauer von früher durchgespielt. Der gute Rock war durch The Kooks vertreten, die frischen modernen Sound präsentierten. Florence And The Machine zog das Publikum mit einer äußerst theatralischen Performance in den Bann, wiederholte sich aber nach einiger Zeit. Thees Uhlmann & Band sowie Kettcar kamen ganz gut an, schafften es aber nicht in die Kategorie umwerfend.

Die Highlights

Das Highlight war bestimmt Mumford & Sons mit ihrem packenden Folk, zu dem die ganze Crowd aus voller Kehle mitgesungen hatte. Das wundervoll emotionale Konzert wurde öfter durch Jubelschreie der Fussballfans unterbrochen. Viele verzichteten auf das beste Konzert des Abends, um vor den vielen Leinwänden die EURO zu verfolgen. Mit dem vier zu zwei lieferte die deutsche Nationalelf einen Grund für große Euphorie und Stolz. So oder so kurbelt ein solches Fussballspiel den Alkoholkonsum an und schafft eine Ausnahmesituation. Die Ärzte überzeugten weniger, obwohl sie noch immer eine treue große Fangemeinde haben, speziell in Deutschland. Aber auch sie sind in die Jahre gekommen und so waren die Gäste eher ermüdet oder kollabierten in den vorderen Reihen.

Das Finale

Je später die Stunde desto schräger die Gestalten. Bonaparte sind längst kein Geheimtipp mehr, darum war das Zelt auch berstend voll. Ihr seltsamer Mix von Rock und Crossover war vor allem tanzbar aber auch ein wahrer Genuss als Liveshow. Ihre Kostümekiste war mindestens so groß wie ihre Soundracks. Mit schrägen Kostümen und einer ausgeflippten Performance repräsentierten sie den Wahnsinn am ersten Tag. Einen gebührenden Abschluss lieferten Justice. Eindringliche, harte elektronische Mucke, die sich in die Tanzbeine schwang, lies den Abend orgastisch enden. Und wie es mit Orgasmen man(n)chmal ist, war er recht kurz und so war um kurz vor zwei nur noch der Fritz Kalkbrenner im weißen Zelt am Lärmen. Nach dem vollwertigen Festivaltag als souveränem Start, kann man nun gespannt sein auf die nächsten zwei Tage mit weiter 68 Bands.