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Silvia Thurner · 29. Mär 2016 · Musik

Monumentale musikalische Stimmungsbilder – Das Symphonieorchester Vorarlberg und die Sopranistin Eva Mei erhielten begeisterte Zustimmung

Ein exklusiv zusammengestelltes Konzertprogramm unter anderem mit opulenten Werken von Edward Elgar und Ottorino Respighi in riesiger Orchesterbesetzung bescherte das Symphonieorchester Vorarlberg seinem Publikum am Osterwochenende. Unter der Leitung von Gerard Korsten liefen die Musikerinnen und Musiker im Bregenzer Festspielhaus zur Hochform auf. Die Sopranistin Eva Mei beseelte die vier letzten Lieder von Richard Strauss. Viel Beifall erhielt das klanglich gut austarierte Orchesterwerk „Pour Camille“ von Thomas Thurnher.

Der Dornbirner Komponist Thomas Thurnher komponierte die Elegie für Orchester „Pour Camille“ bereits vor zwölf Jahren. Als Inspirationsquelle der episodenhaft angelegten Komposition diente ihm das gleichnamige Gedicht von Livia Javor. Große Gegensätze zwischen melodisch-lyrischen und rhythmisch bewegten Abschnitten erklangen in klar voneinander abgegrenzten Passagen. Diese Werkanlage bewirkte einen gut nachvollziehbaren erzählenden Duktus, allerdings gingen die musikalischen Entwicklungslinien wenige Verbindungen miteinander ein. So entstand bald der Eindruck einer Aneinanderreihung unterschiedlicher Gedanken, die letztlich eher wenig Zusammenhang stifteten.

Sehr bewusst angewandte Tonalität


Thomas Thurnher hat das Werk transparent instrumentiert und auf diese Weise emotionale Zustände zwischen Sehnsucht und Enttäuschung, energiegeladenem Vorpreschen und resignierender Zurückhaltung gut dargestellt. Allerdings fehlte dem Werk - durch die von Thomas Thurnher sehr bewusst angewandte, eher restaurative Tonsprache - auch etwas von dem Esprit, den die kompositorischen Mittel des 20. Jahrhunderts zeitgenössischen Komponisten heute bieten können. Jedenfalls erhielt die Musik von Seiten des Publikums viel Zustimmung und nahtlos fügte sich das Werk in die Reihe der spätromantischen Kompositionen, die in weiterer Folge zu hören waren. Das Symphonieorchester Vorarlberg und Gerard Korsten boten eine durchdachte Werkdeutung. Mitunter hätte jedoch eine etwas schärfere Phrasierung einige Konturen prägnanter zum Ausdruck gebracht.

Intensive Werkdeutung


Richard Strauss’ „Vier letzte Lieder“ sind Spätwerke des Komponisten und verströmen allein deshalb den Eindruck des Vergänglichen. Die Sopranistin Eva Mei, Partnerin des Dirigenten Gerard Korsten, interpretierte die Lieder mit einer schön abgerundeten Stimme und großer Intensität. Ihre noble Zurückhaltung unterstrich diesen Eindruck, denn Eva Mei gestikulierte wenig und strahlte viel innere Ruhe aus.

Nicht von Beginn an war das Einverständnis zwischen dem Orchester und der Sopranistin gegeben, denn in „Frühling“ gewährten die Orchestermusiker der Singstimme sehr wenig Spielraum. Spätestens in der Schlusspassage in „September“ stellte sich jedoch die Balance ein und es wurde eine feinsinnige und zugleich emotional kraftvolle Werkdeutung entfaltet. Die chromatisch sinkende Linie in „Beim Schlafengehen“ deutete die Sopranistin überaus sinnlich und mit den großen Bögen „Im Abendrot“ zeichneten sie ein ausdrucksstarkes musikalisches Bild. Ideal ergänzte der Konzertmeister Pawel Zalejski die Stimmung mit seinem Solo. Das SOV gestaltete den expressiven Orchesterpart feingliedrig und zog die Zuhörenden vor allem im Nachspiel mit einer bewundernswerten Pianokultur in seinen Bann.

Aufbrausend und intim zugleich


Zur Sache ging es im monumentalen Tongemälde von Edward Elgar. Mit seinem Werk „In the South – Alassio“, op. 50 setzte er der italienischen Stadt Alassio ein Denkmal. Ganz in der Manier eines aufbrausenden Richard Strauss wurde das Werk eröffnet, um dann vor allem in kammermusikalisch verwobenen Abschnitten seinen vollen Charme zu entfalten. Die Konzertouvertüre bot mit abenteuerlichen musikalischen Schilderungen auch den Blechbläsern ein Podium.

Monumentale Orchestermusik


Zum Abschluss gab es ein Großaufgebot mit Ottorino Respighis monumentalem, symphonischen Poem „Pini di Roma“. Der ohnehin große Orchesterapparat wurde mit sechs Schlagzeugern, Celesta, Klavier und Orgel ergänzt. Allein die riesige Besetzung setzte im Bregenzer Festspielhaus eine mitreißende Energie frei, die das Publikum unmittelbar zu spüren bekam. Dass die Orchestermusikerinnen und –musiker eine Freude mit dieser Musik hatten, war mitzuerleben, denn zahlreiche klangliche Effekte, ein vielfältiges Spiel mit harmonischen und modalen Farben, klangschön ausgebreitete musikalische Felder auf der einen Seite und wuchtige Klangtürme auf der anderen Seite sowie zum Schluss hin ein spannungsgeladenes, hervorragend modelliertes Orchestercrescendo gaben jedem einzelnen und allen gemeinsam die Möglichkeit, sich in Szene zu setzen.

Hervorragende Solisten


Ottorino Respighi hat das Werk im Jahr 1924 komponiert. Wie innovativ er dachte, zeigte sich unter anderem darin, dass eine Zuspielung mit Vogelstimmen als gleichberechtigtes musikalisches Element zum Einsatz kam. Gerard Korsten dirigierte das Orchester mit viel Elan. Besonders in Erinnerung blieben überdies die zahlreichen Soli aus den Reihen des Orchesters. Sehr kurzfristig ist der Hornist Andrew Hale aus Konstanz eingesprungen, neben ihm bereicherten unter anderem Andreas Ticozzi (Bratsche), Alex Ladstätter (Klarinette), Anja Baldauf (Flöte), Adrian Buzac (Oboe), Jürgen Ellensohn (Trompete) und Eva Morillo (Englischhorn) das imposante Konzert.