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22.12.2016 |  Silvia Thurner

In Zwiesprache mit jedem einzelnen Ton – Aaron Pilsan begeisterte mit seinen Werkdeutungen in der Remise Bludenz

Der aus Dornbirn stammende Pianist Aaron Pilsan stellte sich in den Dienst der guten Sache und gab im Rahmen von „Kultur.LEBEN“ in der Remise Bludenz ein bejubeltes Klavierrecital. Die Werkauswahl vereinte berühmte Klavierwerke von Wolfgang Amadeus Mozart, Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Fréderic Chopin und bot viel Abwechslung. Gleichzeitig ließ Aaron Pilsan mit seinen Werkdeutungen die Zuhörenden miterleben, wie er sowohl lyrisch poetische Phrasen ausmalt und selbst die virtuosesten Figurationen mit aller Leichtigkeit und perlendem Anschlag ausgestaltet.

Einleitend vertiefte sich Aaron Pilsan in die Klaviersonate Nr. 13, KV 333 von Wolfgang Amadeus Mozart. Mit seiner großen Bühnenpräsenz zog der erst 21-jährige Pianist die Zuhörenden unmittelbar in seinen Bann. Die zahllosen Motive mit stets kleinen Veränderungen und Verästelungen im Eröffnungssatz stellte Aaron Pilsan detailreich und mit wenig Pedaleinsatz dar. Auf diese Weise kamen die dynamischen Gegensätze zwischen Piano und Forte sowie Vorschlagsmotive und Verzierungen schön zur Geltung.

Freilich musste man sich erst an die doch eher beschränkten Klangmöglichkeiten des Flügels in der Remise gewöhnen, denn vor allem in kraftvollen Passagen wurden die Grenzen des Instruments bald deutlich. Doch Aaron Pilsan machte das Beste daraus und musizierte mit der ihm eigenen Leidenschaft. Sein lyrisches Empfinden kristallisierte er besonders im Andante heraus, wo er jedem Ton seinen Stellenwert im Gesamtgefüge verlieh und einen erzählenden Duktus anschlug. Besondere Freude bereitete das humorvoll modellierte Thema im Allegretto grazioso. Da hatte der Pianist selbst einen großen Spaß daran, die humorvollen Einzelheiten herauszustreichen, wenn beispielsweise Spitzentöne nicht mehr die angepeilte Höhe erreichten oder motorische Tonrepetitionen eine vorwärtsdrängende Motorik in Gang setzten und harmonische Modulationen für manche überraschende Wendung sorgten.

Nach diesem Hörvergnügen wendete sich Aaron Pilsan den „Variations sérieuses", op. 54" von Felix Mendelssohn Bartholdy zu. Das an Johann Sebastian Bach erinnernde erste Thema wurde sehr transparent in den Raum gestellt, um danach alle Register zu ziehen. Verdichtungsprozesse, schwierige Wechsel von hohen und tiefen Lagen, die viel Treffsicherheit einforderten, rhythmische Überlagerungen und atemberaubend schnelle Spielfiguren erklangen in dieser vielseitigen Komposition spritzig aufeinander abgestimmt und mit einer bewundernswerten Fingerfertigkeit, die die technische Brillanz von Aaron Pilsan hervorragend zur Geltung brachte.

Feinsinnig wurde dann Mendelssohn Bartholdys „Rondo Capriccioso“, op. 14 ausgebreitet. Wie ein "Lied ohne Worte" wirkte der Beginn. Auch diese Werkdeutung zog die Zuhörenden wieder voll ins Geschehen hinein. Kauzig formte Aaron Pilsan die Trillermotive aus und ließ sie immer wieder in die melodische Hauptlinie hineinplatzen, bis sich der musikalische Schluss im Finale mächtig aufbäumte.

Klangsinnliche Ruhe und technische Brillanz

Chopins „Zwölf Etüden“, op. 10 rundeten das vielschichtige Konzertprogramm ab. Hier kristallisierte Aaron Pilsan eine übergeordnete Form und Dramaturgie als Werkzyklus heraus. Die einen Etüden separierte er durch Pausen, andere wurden attacca aneinander gereiht. So ergaben sich gut nachvollziehbare Frage- und Antwortspiele. Tänzerisches folgte auf impulsive Passagen, Echowirkungen und Imitationen verliehen beispielsweise der 9. Etüde einen sprechenden Duktus. Schwebend leichtfüßig wirkte das Vivace assai und luftige Arpeggi bereiteten den fulminanten Abschluss der 12. Etüde vor.

Sympathisch kommunizierte Aaron Pilsan mit dem Publikum und lockerte mit seiner im Dialekt gesprochenen Begrüßung sogleich die Stimmung im Saal. Mit herzlichem Applaus dankte das Publikum für diesen inspirierenden Abend.

Aaron Pilsan musizierte im Rahmen von „Kultur.LEBEN“. Er tat zweimal Gutes, einesteils unterstützte er Aidswaisen in Äthiopien und andernteils bereitete er den Anwesenden durch sein inspirierendes Spiel viel Freude.

Aaron Pilsan musizierte im Rahmen von „Kultur.LEBEN“. Er tat zweimal Gutes, einesteils unterstützte er Aidswaisen in Äthiopien und andernteils bereitete er den Anwesenden durch sein inspirierendes Spiel viel Freude.

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