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28.12.2014 |  Thomas Kuschny

Encore une fois - Erika Stucky

Es ist ja nicht so, dass über Frau Stucky an eben dieser Stelle nicht schon häufiger zu lesen war. Könnte damit zusammenhängen, dass sie öfter in der Gegend auftritt, möglicherweise auch damit, dass die hier Rezensierenden mit der Zeit zu Aficionados mutiert sind. Vor allem aber damit, dass die Frau dermaßen vielseitig zu Werke geht und immer wieder mit Neuem überrascht. So auch diesmal mit dem Bläserensemble „Da Blechhauf´n“ in Nüziders.

Nun gehört der Sonnenbergsaal zu Nüziders sicher weniger zu den Perlen abendländischer Baukunst, ein typischer Multifunktionssaal mit Turnsaal-Flair, für Bälle und Vereinssitzungen bestens geeignet. Die seltsamen Auftritte der Stucky´schen Ensembles sind Legion und schon auch dazu da, eine nüchterne Atmosphäre aufzubrechen. Diesmal wandert das Bläserseptett durch den Saal, inbrünstig „Ana hat immer des Bummerl“ von Horst Chmela schmetternd, die neben Hansi Orsolics´ „Mei Potschertes Leben“ zweite Hymne ostösterreichischer Lamentier-Kunst. Dazu gesellt sich im fahlen Licht des Projektors Erika Stucky, geteert, gefedert und mit einem kühnen Kopfschmuck aus allerhand totem Getier ausgestattet. Die Tour heißt „Wally & die 7 Geier“, also müssen die Bläser als Vögel herhalten, die die Wally gezähmt hat und die ihr buchstäblich aus der Hand fressen. Mit Batman-Masken oder Strümpfen über den Köpfen wirken sie allerdings eher wie schräge, untote Raben.

Ja, das ist schon ein bisschen dick aufgetragen, fast zu dick, man muss allerdings sagen, dass sich durch geschickte Positionierungen der Musiker mit dezenter Beleuchtung und den typischen, schlichten Selfmade-Videos im Hintergrund doch schöne Szenerien ergeben.

Stilsichere Melange


Wichtiger ist allerdings die Musik: Nach etwas zaghaftem Beginn (die Bläser sind hörbar noch nicht warmgespielt und es wird vielleicht ein Zäuerli zuviel geboten) folgt eine stilsichere Melange aus dem Great American Songbook, allerhand volksmusikalischem Liedgut und den Rockhadern der 70er-Jahre. Hervorragend arrangiert zum Beispiel „Breathe“ von Pink Floyd mit einem Scat-artigen Solo über den mehrstimmigen Gesang der „Geier“. Die längst vergessene Band America ist mit „Horse with no Name“ vertreten, knackig und ganz schön laut „My Sharona“ von „The Knack“.

Die Burgenländer Formation „Da Blechhauf´n“, angeführt von Mastermind Albert Wieder am Helikon (Markenzeichen: Die linke Hand steckt permanent in der Tasche seines schwarzen Gestapo-Mantels), überzeugt mit viel Gespür für die Kompositionen, spielt sehr dynamisch und kann vor allem am Beginn der Zugabe mit einem instrumentalen Irgendwas zwischen Marsch und Mexiko zeigen, wie eingespielt sie ist. Formidabel! Auch „Kashmir“, ohnehin eine der besten Nummern von Led Zeppelin, hat ganz ohne Verstärkertürme Saft und Kraft. Mit deftigem New Orleans Jazz klingt der Abend aus, bevor die Stucky noch mit einer Jazz-Ballade a cappella und solo ihre Sangeskünste eindrucksvoll unter Beweis stellen kann.

Was noch bleibt, ein Aufruf an alle Veranstalter: Erika Stucky ist nächstes Jahr mit dem grandiosen Hendrix-Projekt von Christy Doran unterwegs. Bitte buchen!

 

Noch ein Spezialtipp für Jazz- und Vocal-Fans:

Thoneline Orchestra feat. Filippa Gojo

... herausragender zeitgenössischer Bigband-Jazz aus Köln und eine junge Sängerin aus Bregenz

Spielboden Dornbirn
Mo, 29.12.2014, 20.30 Uhr
www.spielboden.at

Erika Stucky überzeugt auch als Geierwally - oft im Doppelpack mit ihrem eigenen Schatten

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"Da Blechhauf'n", hier einmal wörtlich zu nehmen ...

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... ist bestens eingespielt und für jeden Stucky'schen Blödsinn zu haben

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Vom Zäuerli bis Pink Floyd, von Led Zeppelin bis New Orleans - Frau Stucky geht voller Inbrunst zu Werk

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... und zeigt sich auch begeistert über die Sangeskünste des Publikums (alle Fotos: Peter Füßl)

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