"Mit einem Tiger schlafen": Anja Salomonowitz‘ Spielfilm über die Künstlerin Maria Lassnig derzeit in den Vorarlberger Kinos (Foto: Stadtkino Wien Filmverleih)
Thomas Kuschny · 23. Feb 2013 · Musik

Chapeau Ribot!

Marc Ribot ist ein ganz ausgekochter, abgebrühter Bursche. So konnte man ihn vor doch schon etlichen Jahren in Dornbirn zusammen mit Anthony Coleman auf der Bühne erleben, wie er während eines durchaus nicht üblen Solos von Coleman (sic!) einnickte! Nicht zu fassen! Deutlich ausgeschlafener war er allerdings gestern im Spielboden zusammen mit seiner Band „Ceramic Dog“ zu hören. Diese feuerte nämlich volle Breitseiten ins Auditorium ab, dass es eine helle Freude war!

Die Szenerie ist ja schon etwas absurd. Da sitzen 3 Herren auf der Bühne, der Chef völlig eingesunken, fast embryonal über seiner Gitarre hängend. Das Publikum, mit dem bald 60-Jährigen mitgealtert, lässt sich, in artiger Reihenbestuhlung verharrend, Dinge um die Ohren hauen, die auch für Geübte zuweilen herausfordernd sind. Sehr schade eigentlich, dass sich kaum jüngere Menschen einfinden. Vor über 30 Jahren, als diese Musik in New York erfunden und in Punkclubs zelebriert wurde, war das ganz anders. ( Zitat von Ribot über jene legendär-kreativen Jahre: „Für eine Minute haben sich alle beim Krachmachen getroffen.“).

Kompromisslos

Das Konzert beginnt und endet mit völlig dekonstruierten Coverversionen. Zu Beginn „The Wind cries Mary“ von Jimi Hendrix, ein Stück, mit dem Ribot mit seiner ersten Band „Rootless Cosmopolitans“ auch schon einmal das erlauchte Bregenzer Festspielpublikum schleunigst zu vertreiben wußte. Lange her. Das folgende Programm ist in jeder Hinsicht kompromisslos. Ribot vertraut auf das Originäre seines Stils, schert sich keinen Deut um Genres und Schubladen. Zu hören sind: seine berüchtigten Surf-Adaptionen, die (freilich hier viel radikaler interpretierten) kubanischen Einflüsse, enervierende schrille und repetitive Cluster,  schräger Alternative-Rock, 50ies und 60ies Rhythm´n Blues sowie auch klassischer komplexer Avantgarde Rock. Klingt beliebig und zerrissen, ist es aber keineswegs und kommt im Gegenteil wie aus einem Guss daher.

Vielseitige Arrangements

Ribots typische Soli, eine Melange aus Rock´n Roll Licks und Jazz mit zahllosen inside/outside Elementen sind völlig ohne Netz gespielt und triefen vor Energie. Seine Mitstreiter Ches Smith (drums, sampling) und der mitunter vor seinem Moog andächtig kniende Shahzad Ismaily (bass, guitar, synth) stammen aus dem Umfeld des wahnsinnigen Trey Spruance (Mr. Bungle!, Secret Chiefs 3) und liefern nicht nur das wuchtige Fundament, sie bereichern den Sound vielmehr durch ihre vielseitigen Arrangements. Und: Marc Ribot singt auch! Die rockigen Stücke sind dadurch fast schon Single-tauglich. Das Konzert endet mit Brubecks (eigentlich Desmonds) „Take Five“, schwer stampft hier der 5/4, Ribot schlingert mitunter arhythmisch in der Gegend herum, die Melodie des B-Teils wird kurzerhand mehrfach transponiert auf den A-Teil gestülpt. Dieses Lied kann auch ein Monster sein! „Not to hit the obvious note.“ ist angeblich Ribots Devise. Trefflich gelungen.