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30.09.2014 |  Ingrid Bertel

Babalu Aye und die tanzenden Kinder - Die Kindergeschichte „Irma und der Tyrann“ von Monika Helfer mit Zeichnungen von Michael Köhlmeier

Monika Helfer kann nicht nur wunderbar über Kinder erzählen, sie schreibt auch Kindergeschichten ohne Zeigefinger und Besserwisserei. In „Irma und der Tyrann“ begegnen wir alten Bekannten und einer großen kleinen Autorin. Die Bilder zu dieser Geschichte hat Michael Köhlmeier gezeichnet.

Irma ist elf und weiß genau, dass sie einmal Schriftstellerin sein möchte. Oberstes Ziel dabei ist ein großer Wortschatz, das weiß sie auch genau. Was bedeutet zum Beispiel das Wort „lamentieren“? Oder „Pazifistin“? Oder „Parkinson“? Und was ist der Unterschied zwischen „entlohnen“ und „belohnen“? Solche Fragen stellt Irma an den kubanischen Präsidenten Fidel Castro – und sie besteht auf dem Wort „Präsident“, schon aus Respekt.

„Irma und der Tyrann“ nennt Monika Helfer diese Kindergeschichte – und es hat nicht den Anschein, als ob mit „Tyrann“ Fidel Castro gemeint sei. Denn der ist lieb und ziemlich arm, wie er vor Irma so daliegt in seinem dunkelblauen Jogginganzug und sich im Krankenbett kaum mehr aufrichten kann. Er hat das Mädchen eingeladen – und Irmas Freunde Loisl und Ruta kommen auch noch dazu, aber davon weiß der Präsident nichts.

Ein zauberhaftes Buch


Es hat schon eine Art Glanz, wenn Monika Helfers Kinder Kuba entdecken. Das noble Touristenhotel verlassen sie umgehend. „Wenn du zaubern lernen willst, müssen wir in eine Bruchbude gehen“, rät Loisl. Aber das Zaubern bekommt Ruta gar nicht. In einen Hund verwandelt streunt sie fortan mit Irma, Loisl und dem neuen Freund Ernesto durch die Gegend. „Ein weiteres Schreibproblem stellt sich mir“, gesteht Irma: „Wie beschreibe ich einen Schuft, obwohl ich ihn total lieb finde?“
„Irma und der Tyrann“ ist ein zauberhaftes Buch (auch wenn Ruta nicht wirklich zaubern lernt). Nicht unwesentlich tragen die Zeichnungen Michael Köhlmeiers zu diesem Zauber bei. Es sind Portraits aus wenigen kraftvollen Strichen, die in ein paar angedeuteten Merkmalen den Ausdruck Castros, die tänzerische Anmut eines Tangopaars, den martialischen Gang der Soldaten oder das Erschrecken eines Hundes auf’s Papier setzen. Die schnelle Bewegung, in der diese Zeichnungen entstanden sind, passt wunderbar zum hellwachen Herumstreunen der Kinder, zu ihrem offenen Blick – und zum Erzählgestus Monika Helfers.

„Nein, das will ich nicht schreiben, das ist ein Kitsch“. Irma hat ein feines Sensorium für das, was erzählbar ist und was besser im Kopf der Leser entsteht. Sie besucht ein letztes Mal den Präsidenten, der völlig erschöpft ist, „grau im Gesicht wie ein schlecht geputzter Aschenbecher“, und beteuert: „Uns passiert nie etwas, wir haben ja die Schutzengel.“ Und das ist kein Kitsch, weil Monika Helfer nämlich genau weiß, wann und wie sie ihren Wortschatz einsetzt.

 

Monika Helfer, Michael Köhlmeier, Irma und der Tyrann, 60 Seiten, 13 Abb., Halbleinen, € 13, ISBN 978-3-99028-310-3, Verlag Bibliothek der Provinz, 2014

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Bilder
  • Cover Irma und der Tyrann.jpg