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09.03.2018 |  Anita Grüneis

Den Penisring enger schnallen - Stermann & Grissemann im TAK

Stermann & Grissemann polarisieren. Politische Korrektheit ist ihnen „Powidl“ und ihre Witze sind nicht immer appetitlich. Im TAK gastierte das Erfolgsduo mit dem neuen Programm "Gags, Gags, Gags!" zweimal vor ausverkauftem Haus.

Stermann und Grissemann bringen mit „Gags, Gags, Gags“ ihre wöchentliche Late-Night-Show „Willkommen Österreich“ auf die Bühne. Allerdings ohne Gäste, denn die haben alle angeblich besseres zu tun: Josef Hader steckt am neuen Flughafen Berlin fest, das kann dauern! Michael Niavarani wartet geduldig in der Garderobe, ist dann aber beleidigt, weil er Zweitbesetzung hinter Hader sein soll, und geht. Auch all die anderen Promis wollen/können nicht kommen. So wird die Aufzeichnung der 1.165. Sendung zu einem Abgesang der Show.

Eine Wasserleiche verbrennen?

Doch zunächst sieht alles nach Aufzeichnung aus. Die beiden Moderatoren instruieren das Publikum mit einem Warm-up – wann und wie zu klatschen ist, woran eine Pointe erkannt werden könnte und wie gelacht werden sollte. Dazu schnell etwas Smalltalk – Grissemann erzählt, dass seine Frau ertrunken ist und feuerbestattet wurde – Stermann fragt entsetzt nach: „Wie geht das denn, sie war doch patschnass?“ und schon signalisiert die Musik auf dem Screen den Aufzeichnungsbeginn. Davor doch noch rasch eine wichtige Frage an die Liechtensteiner im Publikum: „Was ist ihnen lieber? Geld oder Liebe?“, die Antwort wird gleich mitgeliefert: „Na klar, die Liebe zum Geld“.

Ken und Barbie hatten mal Sex

Die Aufzeichnung beginnt, für die Grissemann den „Penisring enger geschnallt hat, um wach zu bleiben“. Stermann behauptete, er habe sieben Buben zwischen sechs und acht Jahren und spielt damit auf die Adoptionsvorliebe von Stars an, über den österreichischen Kanzler Sebastian Kurz heißt es: „Ken und Barbie müssen mal Sex gehabt haben“, Witze über Trump verbieten sich die beiden: „Keine Witze über Agent Orange“, und dann wird erklärt, was eine „Arschbombe“ ist: Ein Terrorist, der eine Bombe schluckt und sie zündet, wenn sie im Darm steckt. Nach all dem Geplänkel folgt die Ausbeute aus dem österreichischen Fernsehen. Und die kann sich sehen lassen.

Ein Verkehrsminister mit Selfie-Stick

Gezeigt wird FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer, der zur Kreuzfahrt im „zauberhaften Mittelmeer“ einlädt – was soll ein Verkehrsminister oder besser: „Sascha Hehn für alte Rechtslastige, der seinen Selfie-Stick immer dabei hat“, auch sonst tun. Gezeigt wird auch das viel diskutierte Interview des Tiroler FPÖ-Funktionärs Überbacher mit einem russischen TV-Sender, in dem er immer wieder ruft: „Stop the birds“, was in der Interpretation von Stermann & Grissemann wohl heißen sollte: „Hört auf zu vögeln“. Auf einmal denkt Stermann an Liechtenstein und erinnert sich: „Das ist ein tolles Land. Ich hatte mal was mit Tatjana“ ... dann die Frage: „Gibt es in Liechtenstein Zeitungen?“ und die mitgelieferte Antwort: „Achja: Das Mutterland“ ... Und so geht es weiter, Schlag auf Schlag.

Die Demontage der Show

Nach der Pause dann der große Abgesang: Die Sendung wird im wahrsten Sinne des Wortes weggepackt, zurück bleiben zwei TV-Kabarettisten in ihren Fünfzigern, die sich darüber klar sind: „Konkurrenz begräbt das Geschäft“. Es folgt eine Selbst-Demontage über Verwechslungen: „Sind Sie nicht der Andre Heller?“ und Erinnerungen - wann haben wir uns kennengelernt und wie war das? Makaber morbid das Solo von Grissemann, der sich eine Plastiktüte über den Kopf zieht, weil er sich endlich umbringen will, wozu Stermann nüchtern konstatiert: „Du bist der einzige Selbstmörder, der Angst hat, dass ihm etwas passiert“. Sehr persönlich ist das alles, und dann doch wieder nicht, denn was stimmt schon von all dem, über das sie reden. „Wir können uns im Foyer noch treffen, trotz meiner genetischen Überlegenheit“, meint Grissemann zum Abschied. Die beiden rufen sich zu: „Schlaf gut“ – „Du auch“. „Ich liebe dich“ – „Du auch“.

Nächste Vorstellung Freitag, 9. März, 20.09 im TAK, Schaan 

Stermann & Grissemann begeistern im Schaaner TAK

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Grissemann mit seinem Suizid-Solo

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