María Esperanza, die einst gefeierte kolumbianische Bolero-Sängerin, begeistert auch mit 93 Jahren noch mit ihrer Stimme und ihrer Lebensfreude. (Foto: Bastian Innfeld)
HAK HAS Lustenau · 03. Aug 2025 · Gesellschaft

Junge Stimmen zur Freizeitgestaltung

Handys sind Nebensache, sobald wir fischen

Schüler:innen der HAK Lustenau setzen sich mit Journalismus und Mediengestaltung auseinander. Hier bieten wir Raum für ihre Kulturerfahrungen und Meinungen. Diesmal erzählen drei Lustenauer Jugendliche, Raphael Fitz (*2008), Johannes Klinger (*2007), Benedikt Schlierenzauer (*2007), über ihr liebstes Hobby.

Angeln? Igitt! Das ist die häufigste Reaktion, die wir als Angler bekommen. Jedoch genießen wir unser Hobby in vollen Zügen und wollen noch mehr junge wie auch ältere Leute inspirieren. Unser größtes Highlight in unserer noch so jungen Anglerkarriere ist der Riesen-Wels aus dem Trifthanslteich. Und das geschah so: 
Es war ein warmer Sommertag im Juli 2023, als wir – Johannes, Benedikt und Raphael – mit unseren vollgepackten Rucksäcken in den Zug stiegen. Unser Ziel: der Trifthanslteich in der Steiermark. Ein Ort, der bei Anglern sehr beliebt ist. Der Teich gehört Patrick, den alle „Trifthansl“ nennen – eine echte Legende.
Die Tage vergingen langsam, wie es beim Angeln oft so ist. Die Zeit stand fast still. Wir fingen ein paar wunderschöne Fische: Graskarpfen, Silberkarpfen, Spiegelkarpfen und Schuppenkarpfen – alle waren wirklich schön und auch ziemlich groß. Eine Woche lang ohne Handy, nur die Ruhe, die Natur und unsere Gespräche. Aber eine Sache fehlte noch: unser eigentliches Ziel – ein Wels. Geschichten von riesigen Welsen, über zwei Meter lang, ließen uns nicht schlafen.
Am dritten Abend, gerade als die Sonne unterging und das Wasser ruhig geworden war, passierte es. Ein heftiger Biss. Die Angel bog sich durch, der Piepser ging an und die Bremse surrte laut. Was auch immer am Haken war, musste riesig sein. Wir drillten gut 40 Minuten lang, gaben uns die Angel gegenseitig weiter und waren aufgeregter als je zuvor. Der Fisch zog mit voller Kraft durchs Wasser – wie ein U-Boot. Jeder Flossenschlag war durch die Rute im ganzen Körper zu spüren.
Dann, als es schon dunkel war, tauchte er auf: ein riesiger Wels, 2,30 Meter lang und rund 80 Kilo schwer. Wir mussten zu dritt ins Wasser springen, um diesen Riesenfisch aus dem Wasser zu bringen. Ein Moment, den wir nie vergessen werden – der Höhepunkt unserer Reise.

Angeln in Vorarlberg

Da wir allerdings alle drei Vorarlberger, genauer gesagt Lustenauer sind, befischen wir hauptsächlich die Gewässer Vorarlbergs. Wir sind leidenschaftliche Fischer – schon von klein auf. Das Angeln hat für uns eine bestimmte Bedeutung, denn es ist nicht nur das Fische-Fangen, was es spaßig macht – es sind die Erlebnisse, die gemeinsame Zeit, die man miteinander verbringt, und: Man ist nirgends mehr mit der Natur verbunden. Es gibt keinen besseren Ausgleich für unsere Generation, die mit Handys und einer völlig digitalen Umgebung aufwächst. Und unserer Meinung nach gibt es keinen perfekteren Ort dafür, als unser Ländle.
Wie jedes Bundesland Österreichs haben wir in Vorarlberg bestimmte gesetzliche Vorgaben, die streng eingehalten werden müssen. Die Bestimmungen variieren von Gewässer zu Gewässer und von Ort zu Ort. Nehmen wir beispielsweise den Alten Rhein in Lustenau. Man muss hierfür eine Jahreskarte erwerben, was allerdings gar nicht so leicht geht. Der Fischerausweis, den man z. B. über den FV Hohenems machen kann, ist die Grundvoraussetzung dafür. Jugendliche, die diesen Fischerschein besitzen und noch keine 18 Jahre alt sind, haben die Möglichkeit, sich beim Verein anzumelden, und nach einem etwa dreistündigen Theoriekurs, einem Filetierkurs und einem Praxistag erhält man dann seine Fischereiberechtigung für den Alten Rhein. Ist man allerdings schon volljährig, gibt es diese Variante über den Verein nicht mehr. Man muss sich für eine Jahreskarte eintragen lassen und das kann einige Jahre dauern, bis man diese erhält.

Bestimmungen des Alten Rheins

Die wichtigsten Pflichten eines Anglers sind: die Fischereiberechtigung und den Fischerausweis mitzuführen. Dazu ist der Alte Rhein (Revier 45) in zehn Gebiete eingeteilt. Schon bevor man sich auf den Weg macht, muss man in der eigenen Angelkarte eintragen, in welches Gebiet man Angeln geht. Für Erwachsene und Jugendliche ist im Revier 45 das Fischen mit zwei Angelruten mit je einer Anbissstelle (Haken) oder einer Angelrute mit zwei Anbissstellen erlaubt. Das Verlassen des Angelplatzes ist bei ausgelegten Ruten verboten. Auch als Jugendliche ist es uns wichtig, die Regelungen der Fischerei einzuhalten und die Fische artgerecht und respektvoll zu behandeln. 

Nachtangeln – ein besonderes Erlebnis

Da wir alle Karpfenangler sind, ist es im Normalfall so, dass wir nachts angeln gehen, weil die Karpfen in der Nacht oft gefräßiger sind. Oft fragen uns Nichtangler, wie wir beim Schlafen angeln können. Dies ist leicht zu beantworten: Beim Nachtangeln benutzt man ein „Rod Pod“, das ist die Halterung der Ruten. Auf dieser Halterung befindet sich ein Piepser, der Laute von sich gibt, wenn ein Karpfen angebissen hat und sich gehakt hat.
Allerdings ist es gar nicht mehr so einfach, Nachtangeln zu gehen, weil sich die gesetzlichen Bestimmungen in den letzten drei Jahren völlig verändert haben. Denn vor drei Jahren durfte man noch in einem Zelt nebenan schlafen, heutzutage schaut dies ganz anders aus: Zelte sind Geschichte, man darf nur noch in sogenannten „Brollys“ schlafen. Das sind Schirmzelte und sie schützen vor Regen, Sonne und auch Mücken. Der einzige Unterschied zu Camping-Zelten ist, dass Brollys nicht als Zelte angesehen werden, sondern als Schirme. Das Problem hierbei ist, dass sich die gesetzlichen Bestimmungen jedes Jahr ändern, und dann stellt man sich als Angler natürlich die Frage: Hat das Nachtangeln überhaupt noch eine Zukunft?
Für uns drei Jung-Angler lautet die Antwort ganz klar: Ja! Wir finden unseren Ausgleich in unserem Hobby.
Noch ein Wort zum eingangs erwähnten Wels: So einen riesigen Fisch fängt man nicht alle Tage – aber genau solche Erlebnisse machen das Angeln aus – und jedes Mal, wenn wir darüber reden, bekommen wir wieder Gänsehaut. 

Dieser Artikel ist bereits in der Print-Ausgabe der „KULTUR“ Juli/August 2025 erschienen. Hier geht es zum E-Paper.

Das Projekt „Junge Stimmen“ wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung.