Vlbg. Landestheater: „Ein Sommernachtstraum“ (Foto: Anja Köhler)
Silvia Thurner · 06. Apr 2023 · Musik

Gehaltvolle Kontemplation in der Erlöserkirche

Manfred Honeck dirigierte Mozarts Requiem in der Erlöserkirche.

Nach fünf Jahren Pause lud die Pfarre Rheindorf in Lustenau zur musikalischen Kontemplation und der Aufführung des Mozartrequiems unter der Leitung des international renommierten Dirigenten Manfred Honeck in die Erlöserkirche ein. Abgerundet wurde die Darbietung mit Chorliedern von Ēriks Ešenvalds, Franz Schubert, Gabriel Fauré und Henryk Górecki, gregorianischem Choral, einer Orgelimprovisation, Texten und Licht. Das Zusammenwirken des Philharmonischen Chors München und des Symphonieorchesters Vorarlberg sowie der Solist:innen Maria Erlacher, Nina Maria Edelmann, Martin Mairinger und Paul Armin Edelmann bescherte den Zuhörenden ein eindrückliches Gesamterlebnis.

Die Aufführung des Mozartrequiems während der Karwoche mit dem Dirigenten Manfred Honeck bedeutet für viele Musikinteressierte einen musikalischen Anker zur Osterzeit. Bis auf den letzten Platz war die Erlöserkirche in Lustenau besetzt und es breitete sich von Beginn an eine konzentrierte Ruhe aus, die die Annahmebereitschaft der Zuhörenden unterstützte. Nicht der Applaus des Publikums bildete den Rahmen der Aufführung, sondern die Glocken der Erlöserkirche. Zu Beginn erklangen drei kurze Schläge, deren Schwingungen sich wirkungsvoll im sakralen Raum verteilten und abschließend das Glockengeläut. Musikalisch ergaben sich dadurch außergewöhnliche Höreindrücke.
Das Programm und die Werkauswahl waren in einem großen dramaturgischen Bogen angelegt. Stimmige Beziehungen zwischen der Ein- und Mehrstimmigkeit ergaben die Wechsel zwischen den Gregorianischen Chorälen und den polyphonen Chorsätzen. Schuberts „Litanei auf das Fest Allerseelen“ in einer Orchesterbearbeitung von Max Reger, interpretierte Paul Armin Edelmann als Solist mit warmem Timbre und verströmte dabei eine getragene Wirkung. Darüber reflektierte Michael Schwärzler in einer mitteilsamen Orgelimprovisation. Verbunden mit Briefen von Hermann Lange an seine Eltern, von Chiara Corbella an ihren Sohn und von Johannes Paul II. an seine Mutter sowie mit Passagen aus der Geheimen Offenbarung des Johannes wurden die Zuhörenden in die Kerngedanken rund um das katholische Osterfest geleitet.
Der Münchener Philharmonische Chor sang hervorragend und gestaltete die Chorsätze mit einer bewundernswerten Pianokultur und kraftvoll ausgeglichenem Chorklang. So gewährten unter anderem „Lux Aeterna“ von Ēriks Ešenvalds sowie „Cantique de Jean Racine“ von Gabriel Faurè und „Totus Tuus“ von Henryk Górecki eine wirkungsvolle „Hinführung“ zum Hauptteil des Konzertes.

Nähe und Distanz, Spannung und Ruhe

Das Requiem (KV 626) von W.A. Mozart intonierte das Symphonieorchester Vorarlberg klangfarbenreich mit einem Motiv des Fagotts und des Bassetthorns über den Streichern aus der Stille heraus. Straffe Linienführungen verliehen der gesamten Werkdeutung ein markantes Profil. Im stets transparent geführten musikalischen Fluss kamen die Wechsel zwischen Ruhe, Angst und Zuversicht gut zur Geltung. Die Eindringlichkeit verstärkten alle Mitwirkenden durch eine klanglich hervorragend ausbalancierte Reduktion der Lautstärke. Dass Manfred Honeck die Musik ganz aus der Sprache, dem Sprachduktus und dem Inhalt heraus verstand, zeigte sich in der Phrasierung der thematischen Linien und Motive. Allerdings vermittelten die von Philip Wagner emphatisch vorgetragenen Textauszüge aus der Geheimen Offenbarung einen (allzu offenkundigen) Botschaftscharakter und zerteilten das Mozartrequiem unnötig. Hilfreich für die Darstellung der Dramatik, unter anderem in der Sequenz sowie in den kontrapunktischen Passagen, waren die eher gemäßigten Tempi. Ein Augenmerk legte Manfred Honeck überdies auf die Tonsymbolik, die unter anderem im Lacrimosa mit der pausendurchsetzten Chromatik die Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Die Solistinnen und Solisten Maria Erlacher, Nina Maria Edelmann, Martin Mairinger und Paul Armin Edelmann füllten ihre Partien gut aus und ergänzten sich mit ihren unterschiedlichen Stimmcharakteren hervorragend.