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22.08.2013 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (23.8. - 29.8. 2013)

Unter dem Titel "Hardmovie" gibt es diese Woche Open-Air-Kino am Harder Bodenseeufer: Sean Penn nimmt den Zuschauer in "Into the Wild" mit auf eine Reise durch die USA, Ben Affleck gelang mit "Argo" ein ungemein spannender Thriller.

Into the Wild: Nach Jon Krakauers Bestseller zeichnet Sean Penn die zweijährige Reise eines 23-Jährigen durch die USA in die Wildnis von Alaska nach. Gleichzeitig lässt er durch das Voice-over der Schwester des Protagonisten und mit grobkörnigen Videobildern in die Familiengeschichte zurückblicken und macht so die Motive für Chris´ Ausstieg sichtbar.
Chris´ Sehnsucht nach Freiheit und Reduktion des Lebens auf seine Essenz wird nicht nur durch das grandiose Spiel von Emile Hirsch erfahrbar, sondern auch dadurch, dass Penn den Zuschauer mittels subjektiver Kamera immer wieder die Perspektive des Protagonisten übernehmen lässt. Die lockere Erzählweise mit Begegnungen mit Hippies, dänischen Touristen, einem alten Soldaten, der Arbeit in einem Getreidesilo oder einer Kajakfahrt durch den Grand Canyon sowie die zahlreichen Folk-Songs, aber auch die formale Freiheit, die sich im ungezwungenen Einsatz von Zeitlupe, Handkamera, Split Screen und Jump Cuts ausdrückt, wiederum vermitteln einerseits bestechend das Gefühl der Freiheit, das Chris erfüllt, andererseits werfen diese Szenen den Zuschauer auf sich selbst zurück und lassen auch ihn über die zentralen Werte in seinem Leben reflektieren.
Über die individuelle Geschichte hinaus ist „Into the Wild“ aber auch ein Film über die USA. Denn nicht nur in der Familie macht Penn Bruchlinien sichtbar, sondern auch im sozialen Gefüge, wenn Bankern und den glatten Stahl- und Glasfassaden von Wolkenkratzern Obdachlose und dem offiziellen bürgerlichen Amerika die Sinnsuche von Hippies gegenübergestellt werden.
Und gleichzeitig feiert „Into the Wild“ wieder die Schönheiten der USA durch die brillante Kameraarbeit von Eric Gautier, der die rotbraune Landschaft um den Grand Canyon ebenso bestechend einfängt wie die Schnee- und Tundrenlandschaft Alaskas mit Elchen und Bären.
Und bei aller Feier der Freiheit, der Betonung der Bedeutung von eigenen Erfahrungen bleibt der Film höchst ambivalent, wenn Chris sich gegen Ende als „in der Wildnis gefangen“ bezeichnet und erkennt, dass es Glück nur geben kann, wenn etwas mit anderen Menschen geteilt wird.
Hardmovie – Sommerkino am See, Stedepark, Hard: Fr 23.8., bei Einbruch der Dämmerung


Argo: Am 4. November 1979 wurde die amerikanische Botschaft in Teheran von militanten Demonstranten gestürmt. 440 Tage wird die Geiselhaft für 52 Botschaftsangestellten dauern, sechs aber fliehen rechtzeitig heimlich durch einen Nebenausgang und suchen Zuflucht in der kanadischen Botschaft. Dort warten sie auf eine Möglichkeit aus dem Land geschleust zu werden. Verschiedene Ideen dazu werden in den USA durchgespielt, bis der auf solche Aktionen spezialisierte CIA-Agent Tony Mendez (Ben Affleck) den verrückten Plan präsentiert,die sechs Amerikaner unter dem Denkmantel der Produktion eines Science-Fiction-Films zu befreien.
Nüchtern, aber mit viel Liebe zum Detail und in den Vorbereitungen nicht ohne satirischen Witz zeichnet Ben Affleck im Stil des US-Politkinos der 1970er Jahre diese unglaubliche Geschichte nach, die 17 Jahre lang der Geheimhaltung unterlag.
Auf Nebengeschichten wird verzichtet, nur Mendez, erhält einen knapp gezeichneten privaten Hintergrund. Konsequent steuert der heurige Oscar-Sieger so auf die Flucht zu, bei der trotz des bekannten Ausgangs durch plötzliche Wendungen bis zum - angesichts der bekannten Tatsachen kein Spoiler - glücklichen Ende schweißtreibende Spannung erzeugt wird. Von der Realität mag sich Affleck mit dem Finale entfernen, überzogen mag die Szene auf der Startbahn des Flughafens sein, andererseits schafft er hier auch ein starkes Kinobild, ehe ein kurzes gelöstes Ende folgt, das den Zuschauer erleichtert aus dem Kino entlässt.
Hardmovie – Sommerkino am See, Stedepark, Hard: So 25.8., bei Einbruch der Dämmerung

Into the Wild

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Argo

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