Chris Haring/Liquid Loft beim tanz ist Festival am Spielboden Dornbirn (Foto: Stefan Hauer)
Walter Gasperi · 13. Aug 2015 · Film

Aktuell in den Filmclubs (14.8. - 20.8. 2015)

Sebastian Schippers in einer einzigen 140-minütigen Einstellung gedrehter Spielfilm "Victoria" steht diese Woche beim TaSKino Feldkirch auf dem Programm, beim Open-Air in Heerbrugg gibt es nochmals die Möglichkeit Til Schweigers Erfolgsfilm "Honig im Kopf" zu sehen.

Victoria: Mitreißende Intensität entwickelt Sebastian Schipper in "Victoria" durch seine ziemlich einzigartige Inszenierungsmethode: In einer einzigen Nacht zwischen halb fünf Uhr und sieben Uhr morgens hat er seinen 140-minütigen Film in Echtzeit und in einer Einstellung gedreht.
Hautnah an den Figuren und mittendrin im Geschehen ist man so, wenn die junge Spanierin Victoria beim Verlassen einer Disco auf vier Typen trifft, mit ihnen ein Gespräch beginnt und durch die Straßen zieht. Was als ausgelassenes nächtliches Treiben beginnt, wandelt sich aber schließlich in bitteren Ernst. Denn als das Quartett Victoria bittet, für sie einen Wagen zu lenken, ist sie bald in einen Banküberfall verwickelt.
Unglaubwürdig mag das Verhalten der Figuren immer wieder sein, doch das lebensechte und intensive Spiel der jungen Darsteller, deren Figuren ein Spektrum unterschiedlichster Gefühle von Ausgelassenheit bis extreme Anspannung, von leidenschaftlicher Liebe bis tiefster Verzweiflung durchlaufen, der Furor der Inszenierung und die atmosphärische Dichte, erzeugen einen Sog und eine Nähe, denen man sich kaum entziehen kann.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio:
bis Mo 17.8.


Honig im Kopf:
Vor sich der an Alzheimer erkrankte Opa (Dieter Hallervorden) an gar nichts mehr erinnern kann, bricht seine elfjährige Enkelin Tilda (Emma Schweiger) heimlich mit ihm nach Venedig auf, wo er einst seine Frau heiratete.
Til Schweiger ist nicht zuletzt deshalb als Filmregisseur so erfolgreich, weil er ein Händchen für Themen hat, die das Publikum ansprechen. Alzheimer ist als Thema virulent, Dieter Hallervorden hat mit Altersrollen wie „Das Mädchen und der Tod“ und „Sein letztes Rennen“ zuletzt ein Comeback gefeiert. Idealbesetzung ist er ebenso für die Rolle des Opas wie Schweigers Tochter Emma für die Enkelin. – Und auf diese zwei Schauspieler, die blendend harmonieren und sichtlich mit Lust bei der Sache sind, ist der Film auch zugeschnitten, um sie herum erzählt Schweiger aber auch noch eine Ehe- und Familiengeschichte.
Wie dieser Mix aus Krankengeschichte, Roadmovie mit vielen Postkartenansichten und Familiengeschichte auf ein Massenpublikum schielt, so auch die Inszenierung mit ihrem Mix aus witzigen und bewegenden Momenten. Verharmlost wird hier zwar eine schwere Krankheit, das Tragische nie wirklich ausgelotet und kalkuliert ist auch jede Wendung, dennoch  spürt man, dass Schweigers Plädoyer für einen liebevollen Umgang mit alten und kranken Menschen ernst gemeint ist.
Doch diese menschlichen Qualitäten können nicht über die erzählerischen Schwächen hinwegtäuschen. Szene reiht sich an Szene, nichts wird vertieft oder verdichtet, platt wird das Drehbuch bebildert statt wirklich gestaltet. Nein – ein guter Film ist dies sicher nicht und mit 139 Minuten auch deutlich zu lang, seine positive Botschaft und seine Menschlichkeit muss man aber doch würdigen.
Heerbrugg, Markt am Bahnhof (Open-Air):
Mo 17.8., 21.15 Uhr