Das PulsArt Ensemble der Stella Privathochschule in Feldkirch (Foto: Victor Marin)
Gunnar Landsgesell · 19. Mai 2023 · Film

Fast & Furious 10 (Fast X)

Dom (Vin Diesel) & Family bekommen es mit einem neuen, exzentrischen Superschurken namens Dante Reyes (Jason Momoa) zu tun. Grund genug, die Boliden zu starten. Die Klimakrise muss warten.

Seit Steve McQueen seinen Ford Mustang in "Bullitt" (1968) einem zehnminütigen Belastungstest durch die buckeligen Straßen von San Francisco ausgesetzt hat, hat sich die Ästhetik der Auto-Verfolgungsjagd im Kino ziemlich verändert. "Bullitt" greift die realen Perspektiven von Autorennen auf, da quietschen die Reifen, werden die Kurven scharf angesteuert, ist metallene Physis im Spiel. Die mittlerweile zehnte Auflage des "Fast & Furious"-Franchise ist hingegen ein Belastungstest für die CGI-Technik und das menschliche Auge: Hier regiert die Unwahrscheinlichkeit, Vin Diesel und seine Mitstreiter reiten mit ihren Race Cars über die Spanische Treppe in Rom, sie überwinden die Gesetze der Gravitation und tun das vor allem in schwindelig machenden Schnittfolgen, die einen in eine Art Stroboskop-Rausch mit Disco-Feeling versetzt. Das verspricht Esprit und bringt auf den Punkt, worum es in "Fast X" geht. Um eine Reihe spektakulärer Stunts, die logisch nicht unbedingt miteinander zu tun haben, aber kindlichen Spaß bereiten müssen. Hier ist der Film auf Kurs und beweist umso mehr Humor, als das Centerpiece dieser jüngsten Straßenracer-Episode kein spektakuläres Rennauto in den Mittelpunkt stellt, sondern eine riesige Eisenkugel, in der eine Bombe steckt. Dieses groteske Ding rollt gleich lang wie die Verfolgungsjagd von "Bullitt" durch die Straßen Roms, immer bergab, immer in Schwung, direkt auf den Vatikan zu. Die Aufgabe von Dom Toretto (Vin Diesel) und seiner Crew ist es, den Koloss mit ihren Autos vom Kurs abzubringen, um den Vatikan zu retten. Gesteuert wird der Angriff von einem schillernden Superschurken mit Queerness-Appeal (Jason Momoa als Dante), dessen Motive fast nichts zur Sache tun. Denn Inhalte, das dürfte Teil des Drehbuchs sein, würden "Fast X" einfach nur lähmen. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle aber dennoch erwähnt: Agenten und andere Draufgänger sollten nie Familie haben, das macht sie angreifbar. Eine Botschaft, die auch Helen Mirren während ihres Kurzauftritts Dom, der reglos in der kolossalen Physis seines Darstellers Vin Diesel lauscht, ins Ohr flüstert.

Sprit geht langsam aus

20 Jahre und neun Filme nach dem Original von "Fast & Furious" präsentiert sich "Fast X" (Regie: Louis Leterrier) mit einer freundlich ironischen Routine, die Fans nicht enttäuscht, aber den Eindruck nicht verhindern kann, dass langsam der Sprit ausgeht. Der langjährige Cast, den etwa der zu früh verstorbene John Singleton mit seinem zweiten Teil "2 Fast 2 Furious" (2003) um Darsteller wie Ludacris und Tyrese Gibson erweitert hatte, verstrahlt eine gewisse Vertrautheit aus. Durchaus zum Vorteil dieses Franchise, das sich einem grundsätzlichen Zynismus auffällig verweigert. Vin Diesel, der sich erneut am liebsten mit gespitztem Mund zeigt, muss sein Team, die Familie, bestmöglich zusammenhalten. Seiner Liebe zum Auto tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil: Wenn man etwas in "Fast X" lernt, dann das, dass sich die Welt gegen Bösewichte noch immer am besten mit der Blechschüssel verteidigen lässt. Das bisschen CO2 muss einem das schon wert sein.