Elegie, Esprit und Energie
Jubel für das Konzert mit der Beethoven Philharmonie bei Dornbirn Klassik
Die Beethoven Philharmonie mit seinem Chefdirigenten Thomas Rösner war mit einem hochkarätigen Programm und exquisiten Solisten bei Dornbirn Klassik zu Gast. Von Richard Dünser wurde die Orchesterfassung seines Werkes „Ricordanze“ in einer beeindruckenden Werkdeutung präsentiert. Der Violinist Benjamin Schmid sowie Ziyu He an der Viola sorgten mit Mozarts Sinfonia Concertante für Begeisterung, die nach der Darbietung der Passacaglia von Johan Halvorsen in Jubel mündete. Abschließend stellten die engagierten und in guter Spiellaune agierenden Musiker:innen eine Energie-geladene Interpretation der lebensfrohen vierten Symphonie von Ludwig van Beethoven in den Raum.
Vor vier Jahren wurde im vorarlberg museum das Klavierquartett „Ricordanze“ von Richard Dünser erstmals aufgeführt. Im Dornbirner Kulturhaus stellte die Beethoven Philharmonie nun die Orchesterfassung des Werkes vor. Der Komponist selbst bezeichnet das Werk als musikalisches Tagebuch. Dementsprechend beinhaltet es autobiografische Bezüge und es werden auch musikalische Vorbilder wie Janáček, Berg oder Zemlinsky direkt oder indirekt zitiert. Beeindruckend kristallisierten sich in einem dichten Stimmengewebe mit elegischem Ausdrucksgehalt harmonisch leuchtende, melodische Linien heraus, sodass durchklingende Motive und deren Vergrößerungen wie Leitmotive wirkten.
Eine besondere Rolle spielte der Klavierpart. Er diente als Impulsgeber für musikalische Aktionen und thematische Reaktionen. Besonders die übermäßigen Intervalle wirkten dabei wie im Klangraum schwebende Gesten, die spannend und vielschichtig reflektierend in den Klangfluss eingebettet wurden. Auch in diesem Werk kam Richard Dünsers besonderes Gespür für eine farbenreiche und doch transparente Instrumentation zur Geltung.
Nach dieser ergreifenden Werkpräsentation wandten sich das Orchester und die beiden Solisten Benjamin Schmid und Ziyu He der berühmten Sinfonia Concertante von Wolfgang Amadeus Mozart zu. In gemäßigtem Tempo, aber mit Esprit leitete das Orchester in das Werk ein, das eine ideale Mischung aus Konzert und Sinfonie darstellt.
Zwei souveräne Solisten – der eine extrovertiert, der andere introvertiert
Große Aufmerksamkeit galt den Solisten. Der Violinist Ziyu He spielte den Violapart auf einem Instrument, das durch die um einen Ton höher gestimmten Saiten eine ganz eigene Klangfärbung annahm. Den Violinpart übernahm der international gefeierte Benjamin Schmid. Ziyu He, vielfach ausgezeichnet, aufstrebender Violinist und Bratschist und Mitglied des Altenberg Trios studiert derzeit postgradual bei Benjamin Schmid.
Dieses Lehrer-Schüler-Verhältnis war bei der Aufführung im Dornbirner Kulturhaus vor allem optisch präsent. Benjamin Schmid agierte körperbetont und mit großer Geste, während Ziyu He neben ihm fast stoisch wirkte. Mit wenig äußerlich sichtbarem Kontakt gestalteten sie die virtuosen Parts dieses mitteilsamen Konzertes souverän.
Auf das Hörerlebnis konzentriert agierten die beiden Musiker auf Augenhöhe miteinander. Sie entfalteten die Themen und die sich girlandenartig umgarnenden melodischen Bögen insbesondere in den Kadenzen und im zweiten Satz empathisch und warfen sich im quirligen Finale die motivischen Bälle mit spürbarer Freude zu. Hervorragend getragen wurden sie von der präsent agierenden Beethoven Philharmonie und dem umsichtig dirigerenden Thomas Rösner.
Die wahre Meisterschaft des Duos Benjamin Schmid und Ziyu He zeigte sich in der Passacaglia für Violine und Viola, die Johan Halvorsen Händels Suite Nr. 7 HWV 432 bearbeitet hat. Mitreißend steigerten die beiden Musiker die immer virtuoser ausgestalteten Passagen und begeisterten mit ihrer Darbietung das Publikum restlos.
Freudvolles Zusammenwirken
Mit der vierten Symphonie von Ludwig van Beethoven rundeten die Beethoven Philharmonie und Thomas Rösner den inspirierenden Konzertabend ab. Jeden Satz belebten die Musiker:innen mit viel Energie, setzten sich mit schönen Soli der Holzbläser in Szene und legten besonderen Wert auf die spezifische Rhythmik, die dieses Werk unter anderem auszeichnet.
Für den großen Applaus bedankte sich das Orchester mit der Ouvertüre aus Mozarts „Figaro“ und ließ seiner Spielfreude freien Lauf.