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CD-Tipp

Paolo Fresu: P60LO FR3SU
CD-Tipp
10.06.2021 Peter Füssl

Der sardische Trompeter und Flügelhornist Paolo Fresu hat sich zum 60. Geburtstag selbst ein beeindruckendes Geschenk gemacht: ein aufwändig ausgestattetes und sehr geschmackvoll gestaltetes drei CD-Set auf seinem eigenen Label Tǔk Music. 1961 im kleinen Dorf Berchidda zur Welt gekommen, begann er mit 12 Jahren Trompete zu spielen, studierte in Bologna unter anderem beim italienischen Star-Trompeter Enrico Rava und eroberte ab Mitte der 1980-er Jahre zuerst die italienische, dann die europäische Jazzszene, mit deren Crème de la Crème er ebenso musizierte wie mit US-Jazzikonen à la Carla Bley, David Liebman oder Ralph Towner.

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Tony Allen: There Is No End
CD-Tipp
08.06.2021 Peter Füssl

Der am 30. April 2020 im Alter von 79 Jahren in seiner Wahlheimat Paris plötzlich an einem Aneurysma der Bauchaorta verstorbene Drummer Tony Allen war einerseits eine echte Legende der Musikgeschichte, andererseits aber auch bis zuletzt mit ungebrochener Abenteuerlust und beispielhaftem Forscherdrang am Hier und Jetzt der jungen Szene interessiert. Der 1940 in Lagos geborene, diverse Einflüsse aus dem amerikanischen Jazz und der traditionellen Musik seiner Heimat mit großem Einfallsreichtum kombinierende Autodidakt erlangte Berühmtheit als Drummer und musikalischer Leiter von Fela Ransome Kutis stilbildender Band Africa ’70. Diese mitreißende, unter der Bezeichnung Afrobeat firmierende Mischung aus Jazz, Highlife und traditionellen afrikanischen Rhythmen ist auf mehr als vierzig Alben festgehalten. In seine eigenen Projekte integrierte Allen zudem diverse elektronische Spielarten, Dub und Hip-Hop und schuf so seinen ganz speziellen Afrofunk. Aufsehen erregten auch Kollaborationen mit Ginger Baker oder mit Blur- und Gorillaz-Mastermind Damon Albarn in der Band The Good, The Bad & The Queen.

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Birgit Minichmayr: As An Unperfect Actor
CD-Tipp
01.06.2021 Peter Füssl

Die aus Oberösterreich stammende Schauspielerin Birgit Minichmayr, Jahrgang 1977, ist eine ganz Große ihres Fachs. Sie ist – mit Unterbrechungen durch Engagements an der Berliner Volksbühne und am Münchner Residenztheater – seit 1999 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters, spielte drei Jahre lang die Buhlschaft in Salzburg, wirkte in rund fünfzig Filmen und in zahlreichen Hörspiel- und Hörbuchproduktionen mit und wurde mit zahlreichen Theater- und Filmpreisen ausgezeichnet. Aber es gibt auch unerwartete Facetten ihres Schaffens. So trat sie musikalisch etwa mit den Toten Hosen in Erscheinung, als Duett- und Videoclip-Partnerin Campinos im intimen Love-Song „Auflösen“ und als Co-Texterin des Mega-Hits „An Tagen wie diesen“. Mit ihrem ersten Longplayer „As An Unperfect Actor“ schlägt Birgit Minichmayr nun ein weiteres Kapitel ihres Oeuvres auf, noch dazu ein ausgesprochen vielversprechendes.

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Sons of Kemet: Black To The Future
CD-Tipp
25.05.2021 Peter Füssl

Shabaka Hutchings steht mit seinen drei Bands Sons of Kemet, The Comet is Coming und Shabaka And The Ancestors, einer Formation mit südafrikanischen Musikern, im Rampenlicht der seit einiger Zeit enorm boomenden britischen Jazz-Szene. Der 37-jährige Tenorsaxophonist und Klarinettist, der jüngst auch die Welt der Flöten für sich entdeckt hat, liebt allumfassende Konzepte mit philosophischem und gesellschaftspolitischem Tiefgang, legt den Finger in die aus dem Kolonialismus resultierenden Wunden ebenso wie in jene der traumatischen rassistischen Vorfälle der Gegenwart, verbindet die Welt uralter Mythen mit den Ängsten, Sehnsüchten und Hoffnungen der Gegenwart und wirft einen optimistischen Blick in die Zukunft.

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Dry Cleaning: New Long Leg
CD-Tipp
20.05.2021 Peter Füssl

Florence Shaws stoischer Sprechgesang über zumeist kryptisch präsentierte Alltagsthemen – von Meghan Markle, den Brexit, ihrer toten Katze und Social Media-Blödsinn bis hin zu den Krümeln in ihrer Brotschublade – spielt sich innerhalb einer halben Oktave ab, lässt sich aber in Kombination mit Tom Dowses Gitarre, Lewis Maynards Bass und Nick Buxtons Drums an unterkühlter Lässigkeit kaum mehr überbieten.

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Thomas Strønen / Marthe Lea / Ayumi Tanaka: Bayou
CD-Tipp
18.05.2021 Peter Füssl

Würde man nur das erste und das achte Stück dieses Albums kennen, hätte man den Eindruck, es mit einer wunderschönen, etwas ausgefalleneren Spielart der „Nordic Music“ zu tun zu haben. Denn das in zwei Varianten realisierte Titelstück „Bayou“ geht auf ein altes Traditional zurück und wird von der jungen Norwegerin Marthe Lea unglaublich stimmungsvoll, voller Melancholie und Wärme, intoniert. Dabei ist sie sich erst durch dieses Stück der außerordentlichen Wirkung ihrer Stimme bewusst geworden. Mittlerweile konnte sie aber schon mehrere Preise für traditionellen, unbegleiteten Sologesang einheimsen, wenngleich ihr bevorzugtes Instrumentarium eigentlich aus diversen Flöten und Saxophonen besteht, sie auf „Bayou“ wiederum aber ausschließlich zur Klarinette greift.

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Wollny – Parisien – Lefebvre - Lillinger: XXXX
CD-Tipp
13.05.2021 Peter Füssl

Wenn der deutsche Pianist Michael Wollny, sein Landsmann Christian Lillinger an den Drums, der französische Sopransaxophonist Emile Parisien und der amerikanische E-Bassist Tim Lefebvre erstmals zu einem viertägigen Gipfeltreffen außergewöhnlicher Spitzenmusiker zusammenkommen, darf man sich natürlich einiges erwarten. Dennoch dürften die wenigsten Fans dieser gleichermaßen kreativen wie virtuosen Individualisten mit dem nun Vorliegenden, das für die jeweils reichhaltigen und vielschichtigen Diskographien der Protagonisten ziemliches Neuland bedeutet, auch nur ansatzweise gerechnet haben.

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How Noisy Are The Rooms? – Almut Kühne / Joke Lanz / Alfred Vogel
CD-Tipp
11.05.2021 Peter Füssl

How Noisy Are The Rooms? nennt sich das Trio der deutschen Vokalistin Almut Kühne, des Schweizer Turntablisten und Performance-Künstlers Joke Lanz – beide leben in Berlin – und des in Bezau stationierten Schlagzeugers und Produzenten Alfred Vogel. Gemeinsam reiten sie eine gnadenlose Attacke gegen alle üblichen Hörgewohnheiten.

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Marius Neset: A New Dawn
CD-Tipp
06.05.2021 Peter Füssl

Der nach vielen Jahren in Kopenhagen mittlerweile wieder in Oslo lebende norwegische Saxophonist Marius Neset nutzte die corona-bedingte Zwangspause, um endlich ein lange gehegtes Wunschprojekt zu realisieren: ein Solo-Album auf dem Tenorsaxophon – pur, ohne jegliche Overdubs, ohne technische Effekte. Neset lässt sich von der Pandemie nicht die Stimmung vermiesen, sondern legt – dem optimistischen Titel „A New Dawn“ gemäß – ein nicht nur vor Spielfreude, sondern auch vor musikalischen Ideen sprühendes Konvolut aus zehn Titeln vor, die er ursprünglich für seine Bands oder sogar für Sinfonieorchester geschrieben hatte – man erinnere sich etwa an seine atemberaubenden Großprojekte „Snowmelt“ und „Viaduct“ mit der London Sinfonietta.

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London Grammar: Californian Soil
CD-Tipp
04.05.2021 Peter Füssl

Befürchtungen, das sympathische Trio um Sängerin Hannah Reid, Gitarrist Dan Rothman und Dot Major an Drums und Keyboards könnte sich mit seinem für Indie-Verhältnisse zu angepassten und für den blanken Kommerz zu unangepassten Sound unglücklich zwischen den Stühlen platzieren, wurden angesichts drei Millionen verkaufter Tonträger, einer Million verkaufter Tickets sowie einer Milliarde Streams längst pulverisiert. Pünktlich im Vierjahres-Rhythmus meldet sich London Grammar nach dem 2013 erschienenen Debüt „If You Wait“ und dem 2017 veröffentlichten, kommerziell noch erfolgreicheren „Truth Is a Beautiful Thing“ nun mit „Californian Soil“ mit neuem Selbstverständnis und gewohnt makellos angenehmem Sound zurück.

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Sinikka Langeland: Wolf Rune
CD-Tipp
29.04.2021 Peter Füssl

Die norwegische Sängerin und Kantele-Virtuosin Sinikka Langeland erforschte über viele Jahre hinweg die an der südöstlichen Grenze zu Schweden liegende norwegische Region Finnskogen, die ab dem 16. Jahrhundert von Finnen besiedelt wurde. Als Musikwissenschafterin tauchte sie tief in die Welt uralter Mythen ein und studierte Runenlieder, Zaubersprüche und urtümliche Musikformen, was ihr als Musikerin zahlreiche Preise im Bereich traditioneller Folklore einbrachte.

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Duo Dominik Fuss / Jörg Leichtfried: Little Tales of Light And Sorrow
CD-Tipp
20.04.2021 Peter Füssl

Der 37-jährige niederösterreichische Pianist Jörg Leichtfried und der 1989 in Wien geborene Trompeter und Flügelhornist Dominik Fuss sind an zahlreichen Musikprojekten beteiligt, widmen sich nun aber erstmals gemeinsam der hohen Kunst des Duo-Spiels. Das Beethoven-Lied „Lisch aus, mein Licht“ ist die einzige Fremdkomposition des Debütalbums, verweist aber auf den klassischen Background, aus dem die beiden ohnehin genreübergreifend tätigen Jazzer auch in ihren Eigenkompositionen schöpfen.

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Archie Shepp & Jason Moran: Let My People Go
CD-Tipp
13.04.2021 Peter Füssl

Mit diesen 2017 in Paris und 2018 in Mannheim live aufgenommenen sieben Titeln tauchen der 83-jährige Archie Shepp und der 46-jährige Jason Moran tief in die Black Music und somit auch in die Geschichte der Black Community ein. Beiden gemeinsam ist ein tiefes Wissen um die gesamte Jazztradition von den Wurzeln bis zum Free-Jazz, aus der sie jederzeit mit großem Selbstverständnis und enormer Geschmackssicherheit schöpfen können. Die authentische Kraft von Spirituals, Gospels und Blues erlebte klein Archie bereits als Kind an der Seite seiner Großmutter beim sonntäglichen Besuch der Piney Grove Baptist Church, später dann bei den „Battles of Song“ in Philadelphia. Unvergessliche Eindrücke, die selbst noch in seiner avantgardistischen Phase im New York der 1960-er Jahre stets spürbar waren.

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Julien Baker: Little Oblivions
CD-Tipp
06.04.2021 Peter Füssl

Selbstzweifel, Schmerz, Seelenpein, Identitätskonflikte, Schuldgefühle, religiöse Obsessionen, Verzweiflung, Zerrissenheit, Selbstbetrug, Kontrollverlust, Leid und Leidenschaft – die Welt der Singer-Songwriterin Julien Baker aus Memphis/Tennessee war immer schon ein Jammertal, aber eines, das der expressiven Sängerin in der Welt des Alternative-Folk und des Indie-Pop zu einem glänzenden Renommee verhalf.

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Valerie June: The Moon and Stars. Prescriptions for Dreamers
CD-Tipp
01.04.2021 Peter Füssl

Valerie June Hockett ist in Memphis/Tennessee aufgewachsen, wo sie als Valerie June mit Roots Music auf zwei selbstverlegten Alben erstmals auf sich aufmerksam machte, ehe sie nach Brooklyn zog und 2013 unter Mithilfe von „The Black Keys“-Gitarrist Dan Auerbach mit dem Album „Pushin‘ Against a Stone“ den Sprung auf ein Major-Label und die stilistische Erweiterung in Richtung, Funk, Soul und R’n’B schaffte. Ein Karrieresprung, den sie mit dem 2017 erschienenen „The Order of Time“ festigte. Mit ihrem fünften Album feiert die 39-Jährige nun mit ihren poetischen Texten die subversive Kraft des Träumens – ideologisch angelehnt an große, gesellschaftlich relevante Träumer wie Martin Luther King oder John Lennon – gepaart mit Meditationen, Gedanken zur Selbstfindung, zur Selbstermächtigung, zur Kraft der Phantasie, zur Liebe, zum Scheitern.

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Charles Lloyd & The Marvels: Tone Poem
CD-Tipp
30.03.2021 Peter Füssl

The Marvels, also „die Wunder“, nennt Charles Lloyd seine seit 2016 bestehende Band mit Gitarrist Bill Frisell, Steelgitarrist Greg Leisz, Bassist Reuben Rogers und Drummer Eric Harland – und das wirkt angesichts des nunmehr dritten Albums dieses exzellent aufeinander eingespielten Quintetts keineswegs übertrieben. Im Gegensatz zu den Vorgängeralben, auf denen Norah Jones, Willie Nelson und Lucinda Williams für vokale Glanzlichter sorgten, verlässt man sich dieses Mal völlig auf die instrumentale Brillanz der Akteure, die mit großer Entspanntheit, aber durchaus nicht unspannend ans Werk gehen.

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David Helbock: The New Cool
CD-Tipp
24.03.2021 Peter Füssl

Vorarlbergs (wenn nicht Österreichs) Jazz-Export Nr. 1 David Helbock wächst im renommierten Münchner Jazz-Label ACT langsam aber sicher zu einer der zentralen Künstlerpersönlichkeiten heran. So platziert ihn der legendäre Musikproduzent und ACT-Chef Siggi Loch im aktuellen Sampler „Romantic Freedom: Blue in Green“, einem Überblick über die hervorragenden Pianisten des Labels (unter anderem Michael Wollny, Joachim Kühn, Esbjörn Svensson, Iiro Rantala, Bugge Wesseltoft) in der Pole-Position. Beinahe gleichzeitig erscheint das neue Album „téchne“ der Münchner Jazzrausch Bigband, die mit ihrer innovativen Mischung aus Techno-Sound und Bigband Jazz gerade international einiges Aufsehen erregt – auf zwei Titeln ist David Helbock als „special guest“ zu hören, einmal solo, einmal mit seinem Trio Random/Control mit Johannes Bär und Andreas Broger. Das alles tritt aber in den Hintergrund in Anbetracht von David Helbocks eigenem neuen Album „The New Cool“, das er mit seinem neuen Trio mit dem Trompeter Sebastian Studnitzky und dem Gitarristen Arne Jansen präsentiert.

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Larry Coryell & Philip Catherine: Jazz at Berlin Philharmonic XI: The Last Call
CD-Tipp
18.03.2021 Peter Füssl

Jazz at Berlin Philharmonic XI: The Last Call Das 1980 aufgenommene und ein Jahr später erschienene Album „Friday Night In San Francisco” von Paco de Lucía, John McLaughlin und Al Di Meola mag zwar das bekannteste und finanziell erfolgreichste Live-Akustikgitarren-Album aller Zeiten sein, manche Jazz-Fans erinnern sich aber an eine Europa-Tournee 1979/80, wo noch Larry Coryell anstelle Di Meolas spielte. Gitarristische Feinspitze, die nicht ausschließlich im Schnelle-Finger-Superlativ dachten, wussten aber ohnehin auch die schon ein paar Jahre früher – nämlich 1977 und 1978 – veröffentlichten Duo-Alben „Twin-House“ und „Splendid“ des Texaners Coryell und des in London geborenen Belgiers Philip Catherine zu schätzen. Ersterer zählte zu den Jazz-Rock-Pionieren, während Letzerer von Django Reinhardt beeinflusst war, was eine spannende, atmosphärisch höchst ansprechende Melange ergab.

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Joachim Kühn: Touch the Light
CD-Tipp
11.03.2021 Peter Füssl

Der 77-jährige Joachim Kühn bewegte sich seit mehr als einem halben Jahrhundert in den unterschiedlichsten Konstellationen und Formationen souverän im Spannungsfeld zwischen Bach und Free Jazz, Fusion und Ethno-Jazz. Er kann auch auf ein Dutzend exzellenter Solo-Alben verweisen – zuletzt etwa auf das 2019 erschienene „Melodic Ornette Coleman“, eine spannende Auseinandersetzung mit dem Free Jazz-Titanen und seinen nicht immer ganz leicht verdaulichen „Harmolodics“. Während er damals auf faszinierende Weise mit unglaublicher Intensität und teils wahnwitziger Piano-Artistik den melodischen Reichtum innerhalb der komplexen Strukturen freilegte, geht Kühn auf der neuen Produktion gänzlich andere Wege.

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Jakob Bro / Arve Henriksen / Jorge Rossy: Uma Elmo
CD-Tipp
09.03.2021 Peter Füssl

Es sind wundervoll lyrische, dunkle, irgendwie mystisch wirkende Seelenlandschaften, durch die uns der dänische Gitarrist Jakob Bro auf seinem fünften ECM-Album führt. Unaufgeregt, meditativ, in gemessenem Tempo, zurückhaltend, ohne große Ausbrüche, aber immer von einer inhärenten, unterschwelligen Spannung getragen, die eine wundervolle Stunde über neun Titel hinweg anhält.

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