Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

CD-Tipp

Oded Tzur: Isabela
CD-Tipp
15.06.2022 Peter Füssl

Der in Tel Aviv aufgewachsene und in New York lebende Tenorsaxophonist Oded Tzur verbindet in seinem gut 35-minütigen, fünfteiligen, Suite-artigen Kompositionsreigen auf eigenwillige und höchst einfallsreiche Weise seine Vorlieben für traditionelle nordindische Musik, Jazz und Blues: „Eine Möglichkeit, einen Raga zu definieren, besteht darin, ihn als eine abstrakte Persönlichkeit zu betrachten, die aus Klang erschaffen ist. Manche Musiker würden ihn sogar als eine Präsenz bezeichnen, die man zum Leben erwecken muss. Das ist der Punkt, an dem es keine Tonleiter mehr ist, sondern etwas, das so viel mehr ist als eine Abfolge von Noten. In diesem Sinne ist der Blues genau wie ein Raga. Er hat eine Tonleiter, aber er ist nicht einfach eine Tonleiter. Er ist eine abstrakte Persönlichkeit, die so charakteristisch ist, dass man nur eine Phrase davon hören muss, und schon sagen kann: ‚Das ist Blues‘ – wie eine Person, die man von Weitem kennt.“

zum Artikel >
Florence + The Machine: Dance Fever
CD-Tipp
08.06.2022 Peter Füssl

„I came for the pleasure, but I stayed, yes I stayed for the pain“ – diese Zeile aus dem gospelartigen „Back in Town“ könnte man als inhaltliche Klammer über das gesamte fünfte Studioalbum von Florence Welch spannen, die einerseits vor Lebenslust sprüht und andrerseits mit Dämonen aller Art zu kämpfen hat. Wie gerne würde sie sich nach zwei Jahren Corona-Pandemie-Wahnsinn ganz einfach ins Tanzfieber flüchten! Selbst wenn es sich um jenen aus spätmittelalterlichen Berichten bekannten, mysteriösen Tanzrausch handeln sollte, der die in Ekstase verfallenen Menschenmassen stundenlang hysterisch bis zur völligen Erschöpfung oder gar bis zum Tod tanzen lässt, was Welch im mit von nervösen elektronischen Handclaps begleiteten „Choreomania“ besingt. Aber das tänzerische Verlangen steht dann doch nicht ganz so im Vordergrund, wie es der Albumtitel erscheinen lässt.

zum Artikel >
John Scofield: John Scofield
CD-Tipp
02.06.2022 Peter Füssl

Wo „John Scofield“ draufsteht, ist „John Scofield“ drinnen – denn er hat längst über Genregrenzen hinweg einen unverwechselbaren, leicht verzerrten und verhallten, aber zumeist gelassenen und entspannt wirkenden Ton und Stil entwickelt, der ihn zu den einflussreichsten und meistbeschäftigten Jazz-Gitarristen der Gegenwart werden ließ. Das gilt für die knapp fünfzig unter seinem Namen erschienenen Alben in einer ebenso viele Jahre umspannenden Musikerkarriere, aber auch für die unzähligen Kollaborationen mit prominenten Zeitgenossen: von Gerry Mulligan und Chet Baker, über Gary Burton, Billy Cobham und George Duke zu Herbie Hancock, Steve Swallow und Joe Henderson, von Miles Davis und McCoy Tyner, über Marc Johnson und Bill Frisell zu Joe Lovano – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Da erscheint es doch einigermaßen verwunderlich, dass John Scofield nun erst im Alter von 70 Jahren sein erstes Soloalbum herausbringt.

zum Artikel >
Kendrick Lamar: Mr. Morale & The Big Steppers
CD-Tipp
26.05.2022 Peter Füssl

Das wie ein Schnappschuss wirkende, aber von Renell Medrano perfekt inszenierte Familienfoto mit dem Star auf dem Cover eröffnet eine Menge widersprüchlicher Interpretationsebenen, was charakteristisch ist für das gesamte fünfte Album von Kendrick Lamar, auf das die Fans seit genau 1.855 Tagen gewartet haben, wie der vielleicht wichtigste Rapper der Gegenwart im einleitenden Stück wissen lässt. Vater Kendrick trägt eine Dornenkrone auf dem Kopf – möglicherweise ein zarter Verweis auf die Hoffnungen vieler, die in Lamar eine Art Hip-Hop-Messias sehen, oder soll es nur veranschaulichen, was der von Kindheit an in Compton/L.A. schon alles erleiden musste? Er hält eines seiner Kinder im Arm, die Mutter, seine Lebensgefährtin Whitney Alford, sitzt im Hintergrund und drückt den zweiten Sprössling an ihren Körper. Man schaut aneinander vorbei, und es bleibt auf nervenaufreibende Weise offen, ob die in Lamars Hosenbund steckende Knarre als Symbol für fürsorglichen Schutz oder als Bedrohung zu verstehen ist.

zum Artikel >
David Helbock & Camille Bertault: Playground
Camille Bertault und David Helbock erweisen sich auf dem Vocal-Piano-Album„Playground“ als kongeniales Dream-Team (© ACT/Joanna Wizmur)
CD-Tipp
19.05.2022 Peter Füssl

Der aus Koblach stammende Pianist David Helbock hatte schon einige exzellente Alben im Gepäck (etwa seine Prince-Hommage „Purple“), als er 2016 bei ACT andockte, wo seine Karriere so richtig an Fahrt aufnahm. Mittlerweile hat er beim renommierten Münchner Jazz-Label vier hochgelobte Produktionen veröffentlicht: seine solo eingespielte Hommage an die Filmmusik-Legende John Williams, sowie drei Trio-Alben mit unterschiedlichen Besetzungen. Zuletzt „The New Cool“ mit den Berlinern Sebastian Studnitzky/Arne Jansen, davor „Into The Mystic“ mit Raphael Preuschl/Reinhold Schmölzer und „Tour d’Horizon – from Brubeck to Zawinul“ mit seinen Vorarlberger Random/Control-Kollegen Andreas Broger und Johannes Bär. Die Corona-Pandemie brachte mit ihren Lockdown-bedingten Konzertbeschränkungen, Tournee-Absagen und Reiseerschwernissen natürlich – wie für alle Musiker:innen – auch für David Helbock schmerzhafte Einschränkungen und Einbußen mit sich. Nun betritt er aber wieder musikalisches Neuland, denn Ende Mai wird das Album „Playground“ erscheinen, das er im Duo mit der Sängerin Camille Bertault aufgenommen hat. Wer ihre 2018 und 2020 bei OKeh/Sony erschienenen Alben „Pas de géant“ und „Le Tigre“ kennt, weiß allerdings, dass der Begriff „Sängerin“ für die Charakterisierung der 35-jährigen Französin einigermaßen unzulänglich ist, denn Madame verzückt das Publikum mit Vokalartistik allererster Güte.

zum Artikel >
Tuomas A. Turunen: Lifesparks
CD-Tipp
17.05.2022 Peter Füssl

„Viele dieser Songs sind wie musikalische Illustrationen einfacher, aber wertvoller Momente aus meinem Alltagsleben. Zuzusehen, wie mein Sohn spielt und aufwächst, oder einfach mit meinen Liebsten zusammen zu sein ... Oft sind die einfachsten Momente die allerwertvollsten. Nichtsdestotrotz verweisen einige Titel auch auf dramatische Situationen in der Vergangenheit oder auf einige unvergessliche Ausbrüche der Freude. Diese kleinen und großen Momente haben die Musik dieses Albums inspiriert – sie sind die speziellen Gewürze, die den einzigartigen Geschmack der Welt ausmachen, wie ich sie erlebe. Ich nenne diese Momente ‚Lifesparks‘.“ Und diese „Lebensfunken“ bringt Tuomas A. Turunen auch tatsächlich zum Erglühen und zum Leuchten!

zum Artikel >
Jakob Manz & Johanna Summer: The Gallery Concerts I
CD-Tipp
12.05.2022 Peter Füssl

Jazz-Kenner, die sich dieses Album ohne Vorinformationen anhörten, würden wahrscheinlich mutmaßen, sie hätten es hier mit über Jahrzehnte im einschlägigen Business aktiven Jazz-Cracks zu tun, die aus einem breitgefächerten musikalischen Fundus schöpfen können. Kaum jemand würde annehmen, dass eine gerade einmal 26-Jährige die Tastatur des einstmals von Alfred Brendel gespielten Konzertflügels zum Glühen bringt und das emotionsgeladene Altsaxophon von einem 30-Jährigen geblasen wird. Tatsächlich zählen Johanna Summer und Jakob Manz zu den ganz großen, schon vielfach ausgezeichneten Talenten der jungen deutschen Jazz-Garde, und beide haben unabhängig voneinander im April 2020 sehr erfolgreich beim Münchner Jazz-Label ACT debütiert.

zum Artikel >
Johannes Berauer: Vienna Chamber Diaries plus Strings
CD-Tipp
10.05.2022 Peter Füssl

„Ich wollte Musik schaffen, die sich innerhalb eines Augenblicks von intimer fragiler Kammermusik, über treibende Grooves einer Jazz-Combo hin zu vollem orchestralen Klang wandeln kann“, so beschreibt der 42-jährige Komponist, Dirigent und Pianist Johannes Berauer den Ausgangspunkt für sein sich nun schon über zehn Jahre und drei Alben erstreckendes Langzeit-Projekt „Vienna Chamber Diaries“, das in dieser Jubiläums-Ausgabe zusätzlich mit einer zehnköpfigen Streichersektion veredelt wird.

zum Artikel >
BartolomeyBittmann: zehn
CD-Tipp
05.05.2022 Peter Füssl

Zwischen BartolomeyBittmann passt nun also schon seit zehn Jahren kein Leerzeichen mehr hinein, wie auch dieses grandiose Jubiläumsalbum einmal mehr beweist. Seit 2012 basteln der Cellist Matthias Bartolomey und der Violinist und Mandolaspieler Klemens Bittmann unter dem programmatischen Subtitel „progressive strings vienna“ mit ungeheurem Elan und höchst erfolgreich an einer völlig eigenständigen, zeitgemäßen Sprache für ihre eigentlich als typisch klassisch konnotierten Instrumente. Dabei mag das verwendete Vokabular vielleicht aus Jazz, Rock, Barock, Minimal Music, Noise oder traditioneller Folklore stammen, aber die Zusammenschau dieser Stile zu absolut organisch wirkenden neuen Ausdrucksformen ist atemberaubend.

zum Artikel >
Jon Balke Siwan: Hafla
CD-Tipp
03.05.2022 Peter Füssl

Der Pianist, Keyboarder und Komponist Jon Balke zählt nicht nur zu den einfallsreichsten Köpfen der nordischen Musikszene, sondern nunmehr auch schon seit 1975 zu den Aktivposten des renommierten Münchner ECM-Labels, wo er auf mehr als zwei Dutzend Alben vertreten ist. Eines seiner interessantesten, aber auch im besten Sinne schönsten Projekte ist das 2009 gegründete Ensemble Siwan, für das der Norweger aus den unterschiedlichsten Traditionen und Genres stammende Musiker:innen vereint, um der Dichtung und der Musik von al-Ándalus nachzuspüren und ihnen neues, zeitgemäßes Leben einzuhauchen. Er lässt sich viel Zeit zwischen den Produktionen, nach dem Debüt und dem 2017 erschienen „Nahnou Houm“ ist „Hafla“ erst das dritte Siwan-Album in dreizehn Jahren, aber jedes ist ein wahres Kleinod.

zum Artikel >
Rosalía: Motomami
CD-Tipp
27.04.2022 Peter Füssl

Vor drei Jahren hat die aus einem kleinen Nest in Katalonien stammende, damals 25-jährige Rosalía Vila Tobella – kurz Rosalía genannt – mit ihrem zweiten, gerade einmal dreißig Minuten langen Album „El Mal Querer“ die Pop-Welt ins Staunen versetzt. Es war so etwas wie die Abschlussarbeit ihres traditionellen Flamenco- und Musikproduktion-Studiums am renommierten Catalunya College of Music in Barcelona, die alle Regeln sprengte. Mit einer intensiven Melange aus Flamenco, Electronic-Pop und Latin-Elementen kreierte sie einen noch nie gehörten Sound, der in Kombination mit ihrer höchst wandlungsfähigen, ausdrucksstarken Stimme ein wahres Feuerwerk an Emotionen entfachte. Zur Empörung traditionalistischer spanischer Kreise, aber umjubelt von den sich blitzartig vermehrenden Fans und vom internationalen Musik-Feuilleton. Und gejubelt wird auch jetzt wieder, noch dazu in weit größerem Maße, denn die mittlerweile 28-Jährige erfüllt mit dem Nachfolge-Album „Motomami“ mit spielerischer Leichtigkeit die in sie gesetzten hohen Erwartungen als unkonventionelle Erneuerin der Pop-Musik.

zum Artikel >
Jean-Michel Blais: Aubades
CD-Tipp
19.04.2022 Peter Füssl

Wer sich über die ohnehin ständig fluktuierenden Grenzen zwischen Schönheit und Kitsch wenig Gedanken machen will und sich an den Werken von Neo- oder Post-Klassikern wie Nils Frahm, Max Richter, Ólafur Arnalds oder Ludovico Einaudi erfreut, kann sich sicherlich auch für das vierte Album des jungen Kanadiers Jean-Michel Blais begeistern. Der 36-jährige Komponist und Pianist aus Montreal schöpft wie viele Vertreter dieses Genres aus Klassik bzw. Romantik, Jazz und Minimal Music. Als Bezugspunkte können die üblichen Verdächtigen Chopin, Satie oder Glass genannt werden, aber auch Ravel und der Ambient-Komponist Harold Budd.

zum Artikel >
Shake Stew: Heat
CD-Tipp
12.04.2022 Peter Füssl

Angesichts des aufregenden musikalischen Outputs dieser 2016 vom Bassisten Lukas Kranzelbinder gegründeten österreichischen Formation, die längst die international wichtigen Clubs, bedeutsamen Festivals und einflussreichsten Feuilleton-Seiten erobert hat, kann man den Titel „Heat“ für das mittlerweile fünfte Album gleich auch als passenden kleinsten Nenner für das Gesamtkonzept unterschreiben. Zwar bläst nun Astrid Wiesinger statt Clemens Salesny das Altsaxophon, an der grundsätzlichen Ausrichtung des mit zwei Bassisten (Kranzelbinder, Oliver Potratz), zwei Drummern (Niki Dolp, Herbert Pirkner), zwei Saxophonisten (Wiesinger, Johannes Schleiermacher) und dem Trompeter Mario Rom schon vom Formalen her außergewöhnlich besetzten Ensemble hat sich aber nichts verändert.

zum Artikel >
Tone of Voice Orchestra: Tone of Voice Orchestra
CD-Tipp
05.04.2022 Peter Füssl

Manchmal kann es ein spannendes Vergnügen sein, eine unbekannte Band ohne jegliche Vorinformation aufzulegen. Hurdy-Gurdy und Dudelsack zum Auftakt. Schottisch? Irisch? Dann kommen perfekt aufeinander abgestimmte Frauenstimmen und ein seltsam groovender Bass dazu. Mittelalter-Rock? Avant-Folk? Aber schon wendet ein energiegeladenes Sax das musikalische Geschehen in Richtung Jazz, und die anfängliche Verblüffung schlägt in Begeisterung um.

zum Artikel >
Vincent Peirani: Jokers
CD-Tipp
31.03.2022 Peter Füssl

Ob in Duos mit dem Pianisten Michael Wollny oder dem Saxophonisten Emile Parisien, im Quartett mit Wollny, Parisien und dem Schweizer Vokalartisten Andreas Schaerer oder mit seinem „Living Being“-Quintett, spätestens seit dem 2013-er ACT-Debüt „Thrill Box“ zählt der aus Nizza stammende und in Paris lebende Akkordeonist und Komponist Vincent Peirani zu den absoluten Garanten für hochklassige musikalische Überraschungen. Das gilt besonders auch für sein neuestes Projekt, hat er doch im in Paris lebenden italienischen Gitarristen Federico Casagrande und im in New York residierenden israelischen Drummer Ziv Ravitz die idealen Brüder im Geiste gefunden, um diesen wahnwitzigen, aus Rock, Jazz und Film Noir-Artigem gespeisten musikalischen Hybrid zum Leben zu erwecken.

zum Artikel >
Aldous Harding: Warm Chris
CD-Tipp
29.03.2022 Peter Füssl

„Keine Ahnung. Ich höre das Album ganz anders als andere und habe es schon wieder vergessen. Ich nehme an, der gemeinsame Nenner ist, dass man die Stücke bis zum Ende hören oder Songs überspringen oder zurückspulen kann. Der gemeinsame Nenner ist, dass jedes Lied neben das andere gehört.“ – So lautete Aldous Hardings Antwort auf die Frage des „Musikexpress“, ob ihr neues Album ein übergeordnetes Thema, einen gemeinsamen Nenner habe. Hannah Sian Topp, so der bürgerliche Name der 31-jährigen Neuseeländerin, ist bekannt dafür, dass sie überhaupt keine Lust dazu verspürt, irgendwelche erklärende Statements zu ihren Songs, zu Entstehungsprozessen oder Hintergründen abzugeben. Ihre Wortspenden sind stets karg und unverbindlich. Auch aus den kryptischen Lyrics wird klar, dass sie sich nicht auf irgendetwas festlegen lassen will, dass sie niemandes Vorstellungen entsprechen, sich von keinerlei Konventionen einengen lassen will und einen unstillbaren Freiheitsdrang verspürt. Veränderung ist die einzige Konstante in Hardings Werk, so ist es auch wenig verwunderlich, dass sie auf ihr sehr erfolgreiches, eklektisches drittes Album „Designer“ nun ein bedeutend reduzierteres und auch radikaleres Werk folgen lässt, wobei sie wiederum auf John Parish als Produzent setzt.

zum Artikel >
Mark Turner: Return From The Stars
CD-Tipp
24.03.2022 Peter Füssl

Mark Turner zählt zwar unzweifelhaft zu den herausragenden Tenorsaxophonisten der Gegenwart, dennoch tritt er nicht allzu oft als Bandleader in Erscheinung. Wenn man von der Duo-Platte „Temporary Kings“ (2018) mit dem Pianisten Ethan Iverson absieht, dauerte es acht Jahre, bis er nach dem vielgepriesenen „Lathe of Heaven“ ein weiteres Album unter eigenem Namen beim Münchner Jazz-Label vorlegt.

zum Artikel >
Youn Sun Nah: Waking World
CD-Tipp
21.03.2022 Peter Füssl

Auf ihrem letzten Album vor zwei Jahren interpretierte Youn Sun Nah unter anderem noch Titel von Marvin Gaye, George Harrison oder Leonard Cohen, davor machte sie sich aber auch schon Stücke von Tom Waits, Metallica, Nine Inch Nails, Egberto Gismonti oder Randy Newman zu eigen, oder interpretierte für Nguyen Lê den Pink Floyd-Klassiker „The Dark Side Of The Moon“. Allerdings wäre der Begriff „Coverversion“ hier viel zu kurz gegriffen, vielmehr wurde Youn Sun Nah für ihre Neuinterpretationen vielfach mit jubelnden Kritiken und angesehenen Preisen überhäuft. Die in Seoul geborene und seit 1995 in Paris lebende Sängerin steuerte zwar immer öfter auch selbst Komponiertes bei, aber erst auf ihrem elften Album innerhalb von zwanzig Jahren setzt sie ausnahmslos auf Eigenes.

zum Artikel >
Spoon: Lucifer On The Sofa
CD-Tipp
17.03.2022 Peter Füssl

Die Corona-Pandemie hat – auch musikalisch betrachtet – viel Nachdenkliches, Introvertiertes, Verzweifeltes und vorsichtig Hoffnungsvolles zutage gefördert, die Indie-Rocker Spoon versuchen uns hingegen mit der „Old-School Power of Rock’n’Roll” aus den Löchern zu locken und von der Couch zu scheuchen. Auf dem Sofa habe sich nämlich – so Spoon-Mastermind und Sänger Britt Daniel – nicht wirklich der „Teufel” des Titelsongs breitgemacht, sondern vielmehr unser innerer Schweinehund, der uns antriebslos und verbittert, voller Selbstmitleid, in Angststarre verharren lässt. Es ist ein düsterer Nachtsong, zu dem sich Daniel auf einem nächtlichen Spaziergang durch das ausgestorbene Austin inspirieren ließ.

zum Artikel >
Josefine Lindstrand: Mirages By The Lake
CD-Tipp
15.03.2022 Peter Füssl

Zu einem monotonen Grundton gesellen sich hymnische Bläser, über die sich die verträumte, kristallklare Stimme Josefine Lindstrands legt, ein flott rhythmisiertes Glockenspiel führt in ein beschwingtes Elfentänzchen über, die Stimme verdichtet sich zum Chorgesang und macht einem warm groovenden Piano-Swing Platz, ehe Solostimme und Chor dramatisch zum vielschichtigen, bläserverzierten Finale anschwellen. In etwa so lässt sich der viereinhalb Minuten lange Opener „Fragrances“ des neuen Albums der schwedischen Sängerin beschreiben.

zum Artikel >
Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)