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CD-Tipp

Eberhard Weber: Once Upon A Time - Live in Avignon
CD-Tipp
01.12.2021 Peter Füssl

Manchmal ereilen einen völlig unerwartet musikalische Erweckungserlebnisse an völlig unspektakulären Orten. So erging es dem Schreiber dieser Zeilen, der bis zu einem Konzert mit Volker Kriegels Spectrum 1973 im Schlossbräusaal in Dornbirn den Bass für ein nicht sonderlich spannendes Instrument gehalten hatte. Aber dort stand Eberhard Weber auf der Bühne mit seinem fünfsaitigen, irgendwie eigenartig fragmentiert wirkenden E-Kontrabass-Hybrid, den ihm ein Geigenbauer nach seinen Wünschen extra angefertigt hatte. Er erschien wie ein Wesen von einem anderen Stern – und er klang auch so. Experimentierfreudig, farbenreich, melodisch, ungezwungen zwischen Rock, Jazz und freien Improvisationen hin- und herpendelnd.

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Heiri Känzig: Travelin’
CD-Tipp
23.11.2021 Peter Füssl

Der Schweizer Kontrabassist Heiri Känzig liefert uns mit „Travelin‘“ ein wunderbares Gegenmittel gegen das durch die Corona-bedingten Lockdowns, Quarantänen und Reisebeschränkungen hervorgerufene Fernweh, ist doch der in New York als Sohn einer Argentinierin und eines Schweizers geborene Musiker quasi schon von Geburt an Weltenbummler. Mit seinen zehn neuen Eigenkompositionen führt uns der für sein melodisches, kraftvoll groovendes Spiel bekannte Tieftöner über alle Genregrenzen und Meere hinweg in den Nahen Osten, nach Südamerika, Kenia und in die Türkei.

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Mulo Francel: Mountain Melody
CD-Tipp
18.11.2021 Peter Füssl

Der am bayerischen Chiemsee aufgewachsene Saxophonist Mulo Francel, Bandleader des in Jazz- aber auch Weltmusik-Kreisen renommierten Quartetts Quadro Nueveo, war immer schon ein musikalischer Globetrotter, der sich an den unterschiedlichsten Destinationen von der lokalen Ethno-Musik inspirieren ließ, deren Elemente er dann in seinen eigenen musikalischen Kosmos integrierte. Dabei setzte er nie auf billige Effekte, sondern versuchte immer in die Tiefe zu gehen. Oder nun eben in die Höhe, wie bei seinem neuesten – im wahrsten Sinne des Wortes – schweißtreibenden Projekt „Mountain Melody“, das ihn auf elf über den Globus verteilte Berggipfel führte.

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Sinfonia de Carnaval: Sweeping Dragon
CD-Tipp
16.11.2021 Peter Füssl

„Instrumental Art Pop & Jazz” nennen die im oberösterreichischen Gmunden lebende Cellistin Anna Lang und der Posaunist/Akkordeonist Alois Eberl, die als Duo unter dem Namen Sinfonia de Carnaval firmieren, ihre gleichermaßen einfallsreiche wie virtuose musikalische Mixtur. Beide haben ein klassisches Studium am Salzburger Mozarteum absolviert, sich aber auch die höheren Weihen des Jazz an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz erworben – ein fundierter Background, der sich in den elaborierten Kompositionen widerspiegelt.

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Ensemble Kuhle Wampe: Extended
CD-Tipp
11.11.2021 Peter Füssl

„Grenzen” heißt der mit explodierendem Saxophon und cool elektrifizierten Untertönen kontrastreich angelegte, sechsminütige Auftakt-Track des Debüt-Doppelalbums des Ensembles Kuhle Wampe, der auf intelligente Weise musikalisch die Zerrissenheit der verbalen Aussagen widerspiegelt. Dabei handelt es sich größtenteils um Wortspenden des nunmehr ehemaligen Gröbaz (Größten Bundeskanzlers aller Zeiten) zu Flüchtlingsströmen und Grenzkontrollen, was in Wortspielen zu Grenzen aller Art übergeht. Epizentrum des jegliche literarisch-musikalische Richterskala zu sprengen drohenden, jungen Wiener Ensembles – das nach einem unter Mitwirkung Brechts und Eislers entstandenen 1930-er Jahre Film zur Weltwirtschaftskrise und zur verzweifelten Situation der verarmten Arbeiterschaft benannt wurde – ist der 1970 in München geborene und nach einem längeren Zwischenspiel in Berlin nun in Wien lebende Schauspieler und Sprachkünstler Christian Reiner.

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Anna Gréta: Nightjar in the Northern Sky
CD-Tipp
09.11.2021 Peter Füssl

Das renommierte Münchner Jazz-Label ACT hat wahrlich keinen Mangel an exzellenten nordischen Sängerinnen (Josefine Cronholm, Rigmor Gustafsson, Janne Mark, Caecilie Norby, Ida Sand, Solveig Slettahjell, Victoria Tolstoy ...), dennoch gelingt es der 27-jährigen Anna Gréta Sigurðardóttir auf Anhieb, ihre ganz eigene Nische zu finden. Es ist Nachtmusik, aber keine düstere und bedrohliche, sondern eine warme und intime, in der die Dunkelheit Schutz und Geborgenheit bietet.

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Enrico Rava: Edizione Speciale
CD-Tipp
04.11.2021 Peter Füssl

Erfreulicherweise gelang es den Soundtechnikern Peter Préal und Maarten Heynderickx am 18. August 2019 das Konzert von Enrico Ravas Edizione Speciale beim Jazz Middelheim in Antwerpen perfekt auf Band zu bannen, was die Jazz-Fans nun in die glückliche Lage versetzt, damals Versäumtes im Nachhinein auf höchst angenehme Weise nachzuerleben. Denn der damals 80-jährige Trompeter und Flügelhornist aus Triest vereint auf ideale Weise die durch eigenes Mitwirken an den jeweiligen Hotspots erlangte Kenntnis der letzten sechzig Jahre Jazzgeschichte mit einem unverbrüchlichen musikalischen Forscherdrang, den er gerne durch weit jüngere Talente befeuern lässt. So finden sich in der Edizione Speciale mit Gitarrist Francesco Diodati, Bassist Gabriele Evangelista und Drummer Enrico Morello, also den Musikern seines derzeit aktuellen Quartetts, sowie Pianist Giovanni Guidi und Tenorsaxophonist Francesco Bearzatti ein paar der wichtigsten ehemaligen Protegés Enrico Ravas, die längst selber Riesenschritte auf ihren Karriereleitern gemacht haben.

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Terence Blanchard feat. The E-Collective and The Turtle Island Quartet: Absence
CD-Tipp
19.10.2021 Peter Füssl

Der aus New Orleans stammende, aber die meiste Zeit in Los Angeles lebende Trompeter Terence Blanchard hat sich in seiner rund vierzigjährigen Karriere nicht nur vom Neo-Traditionalisten zum experimentierfreudigen Jazzmusiker und -komponisten entwickelt, sondern auch mehr als vierzig Filmmusiken geschrieben – unter anderem für die meisten Spike Lee-Filme. Die brachten dem mit fünf Grammys dekorierten Multitalent auch zwei Oscar-Nominierungen (für „BlacKkKlansman“ und „Da 5 Bloods“) ein. Weniger bekannt war bislang, dass er auch Bühnenmusik für Broadway-Stücke und sogar zwei Opern geschrieben hat, was sich allerdings rasch ändern wird, weil Ende September die Metropolitan Opera in New York mit seinem „Fire Shut Up In My Bones“ die Saison eröffnen wird. Blanchard, der immer wieder auch gesellschaftspolitisch Stellung bezogen hat, ist somit der erste afroamerikanische Komponist überhaupt, der an diesem renommierten Operntempel aufgeführt wird – noch dazu mit einem Werk, in dem es unter anderem um Rassenfragen, Sexualität und Gewalt geht.

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Daniel García Trio: Vía de la Plata
CD-Tipp
12.10.2021 Peter Füssl

Der aus Salamanca stammende und in Madrid lebende Pianist Daniel García und seine exzellenten, langjährigen Trio-Partner, die beiden Kubaner Reinier Elizarde „El Negrón“ am Kontrabass und Drummer Michael Olivera, machen dort weiter, wo sie vor zwei Jahren mit ihrem ACT-Debüt „Travesuras“ begannen: einem eingängigen, im Detail aber durchaus auch experimentierfreudigen und mit Unerwartetem aufwartenden Mix aus zeitgenössischem Piano-Jazz und Einflüssen der spanischen Musiktradition. García ließ sich für dieses Album vor allem von der geschichtsträchtigen Bedeutung Salamancas inspirieren, bereits zur Römerzeit eine wichtige Station auf der Via de la Plata, der „Silberstraße“, die zur Hauptschlagader der iberischen Halbinsel wurde und sie zu einem Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen machte.

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Halsey: If I Can’t Have Love, I Want Power
CD-Tipp
05.10.2021 Peter Füssl

Den Song „More“ auf ihrem Anfang 2020 erschienenen Album „Manic“ richtete Halsey, die davor drei Fehlgeburten zu beklagen hatte, an ihr vorerst leider nur imaginäres Kind. Nun präsentiert sie sich auf dem Cover ihres aktuellen Albums in einer Madonna-lactans-Pose, die frappant an das berühmte Frührenaissance-Gemälde „Die thronende Madonna mit dem Jesuskind“ von Jean Fouquet aus dem Jahr 1456 erinnert. Oder Halsey in der Rolle der heiligen Hure? Für Verfechter:innen radikaler Sittlichkeit ist übrigens in den USA auch eine keusche Cover-Variante erschienen, auf der das Baby den rechten Arm computergeneriert in die Höhe streckt und damit wenigstens die Brustwarze verdeckt.

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Mathias Eick: When We Leave
CD-Tipp
30.09.2021 Peter Füssl

Mit seinem fünften ECM-Album schließt der norwegische Trompeter Mathias Eick musikalisch an das vor drei Jahren erschienene Album „Ravensburg“ an, eine wunderschöne Hommage an den Geburtsort einer seiner Großmütter. Nach dem Motto „never change a winning team“ hat er im August 2020 wieder Geiger Håkon Aase, Pianist Andreas Ulvo, Bassist Audrun Erlien und die beiden Drummer Torstein Lofthus und Helge Andreas Norbakken ins legendäre Osloer Rainbow Studio eingeladen, um gemeinsam mit Produzent Manfred Eicher sieben Eigenkompositionen einzuspielen. Neu dazugekommen ist ein weiterer alter Weggefährte Eicks, der Pedal-Steel-Gitarrist Stian Carstensen, der erwartungsgemäß einiges an zusätzlichen neuen Klangfarben einbringt.

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Little Simz: Sometimes I Might Be Introvert
CD-Tipp
27.09.2021 Peter Füssl

„Pressure makes diamonds“ lautet eine der Kernaussagen im umwerfenden, neuen Hip-Hop-Epos von Simbiatu Abisola Abiola Ajikawo, die als Little Simz seit rund zehn Jahren von London aus das Rap-Genre auf höchstem Niveau an ständig erweiterte Grenzen treibt. Pressure, also Druck, war von klein auf ein ständiger Begleiter der Tochter nigerianischer Einwanderer, die in einem Sozialbau im Nordlondoner Stadtteil Islington aufgewachsen ist. Soziale Unterdrückung und gesellschaftliche Missachtung gleich im Doppelpack – als Schwarze und als Frau. Mittlerweile hat die wortgewaltige Rapperin, Musikerin und Schauspielerin, ohne jegliche Abstriche an Glaubwürdigkeit oder irgendwelche Konzessionen an einen musikalischen Massengeschmack einen Status erreicht, wo sie sich nach vier Alben, doppelt so vielen EPs und Hauptrollen in erfolgreichen Fernsehserien als „diamond“ fühlen kann. „I’m a black woman, and I’m a proud one“ tönt sie selbstbewusst, „I get what I want when I want it” oder “Know it’s in my DNA to only be great”.

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Martin Tingvall: When Light Returns
CD-Tipp
16.09.2021 Peter Füssl

„Vor einem Jahr schien die Welt plötzlich still zu stehen. Als würden die Menschen den Atem anhalten über den ersten Schock der Pandemie. Gleichzeitig war dieses Frühjahr in Nordeuropa ungewöhnlich schön. Wochenlang strahlte die Sonne vom Himmel, die Knospen der Pflanzen und die Insekten kamen früher als sonst nach dem langen skandinavischen Winter. Ich war in dieser Zeit viel draußen in der Natur. Während dieses menschlichen Stillstands erschien mir die Kraft der Natur umso stärker – wie ein Zeichen, welches uns Menschen zeigen wollte, dass wir nicht aufgeben sollen.“ So schildert der sowohl mit seinem Trio als auch allein höchst erfolgreiche Martin Tingvall den Entstehungsprozess der 13 neuen Stücke für sein viertes Solo-Album, die er im März 2020 innerhalb weniger Tage in seiner südschwedischen Heimat komponierte.

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KUU!: artificial sheep
CD-Tipp
09.09.2021 Peter Füssl

„It’s easier to believe fiction than real life“ lautet die erste Zeile des sechs Minuten lang nervös dahinpreschenden Openers „Crimes That Bring Me Joy“ – und das darf man ruhig als programmatisch verstehen. Der Albumtitel „artificial sheep“ verweist auf den 1968 erschienen Roman „Do Androids Dream of Electric Sheep?” des genialen US-Science Fiction-Autors Philip K. Dick. Das Quartett KUU! wollte die Texte des neuen Albums zwar ohnehin dystopisch anlegen, die Vorgänge um die das gewohnte Leben abrupt ins Wanken bringende Corona-Pandemie machten Themen wie Machtausübung, das Implementieren von Ängsten, Zwang, Kontrolle, Überwachung, Infragestellen von gewohnten Rechten einerseits und Misstrauen, Paranoia, Verschwörungstheorien, Fake-News anderseits aber mit einem Mal alltagstauglich und sorgten für Verunsicherung.

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Torres: Thirstier
CD-Tipp
02.09.2021 Peter Füssl

„The more of you I drink, the thirstier I get“ singt Mackenzie Scott, die sich nach ihrem Großvater Torres nennt, im Titelsong ihres fünften Albums. Dieses – mitunter euphorisch wirkende – Gefühl von Begierde, Liebe und Leidenschaft zieht sich als Grundstimmung durch die zehn neuen Songs der mittlerweile Dreißigjährigen und ist der glücklichen und in der künstlerischen Wechselwirkung fruchtbaren Beziehung zu ihrer Frau, der Malerin Jenna Gribbon, zu verdanken.

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Andrew Cyrille Quartet: The News
CD-Tipp
26.08.2021 Peter Füssl

Der 81-jährige Andrew Cyrille hat 60 Jahre Jazz-Geschichte intus – Coleman Hawkins, Roland Hanna, Rahsaan Roland Kirk, Cecil Taylor, Carla Bley, Anthony Braxton, Marilyn Crispell, Reggie Workman, David Murray, Muhal Richard Abrams – das ist nur eine kleine Auswahl ehemaliger musikalischer Arbeitgeber:innen und Partner:innen, die ihn beeinflussten, die aber auch von seinem außergewöhnlichen Talent, Zeit und Raum zu formen und für seine Mitmusiker:innen zu öffnen, profitieren konnten. Er ist ein Meister der Reduziertheit und gedämpften Lautstärke, umspielt die Metren, deutet an, setzt kommunikative Akzente, kreiert außergewöhnliche Sounds und Stimmungen – ein komponierender Timekeeper. Immer dezent, stets präsent. Mit „The News“ schließt Cyrille – nach dem erfolgreichen 2018 erschienenen Trio-Album „Lebroba“ – nun wieder im Quartettformat an das erfolgreiche 2016-er Album „The Declaration of Musical Independence“ an.

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Paier / Valcic / Preinfalk: Fractal Beauty
CD-Tipp
20.07.2021 Peter Füssl

Seit mehr als zwanzig Jahren spielt der Akkordeonist Klaus Paier im Duo mit dem Saxophonisten/Klarinettisten Gerald Preinfalk und seit 2009 mit der Cellistin Asja Valcic, mit der er vier exzellente Alben bei ACT herausgebracht hat. Die Idee, diese beiden Duos zum Trio zusammenzuspannen, lag natürlich nahe, zumal die drei Virtuosen über „eine Art identischen Puls, dasselbe Feeling und dieselbe Energie“ verfügen, wie Paier betont.

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Julian Lage: Squint
CD-Tipp
13.07.2021 Peter Füssl

Der 33-jährige Kalifornier Julian Lage hat längst das Gitarren-Wunderkind-Image des Achtjährigen, der mit Carlos Santana auf der Bühne stand und in einem Aufsehen erregenden Dokumentarfilm porträtiert wurde, hinter sich gelassen und ist mit elf Alben unter seinem Namen und unzähligen Engagements bei prominenten Kollegen zu einer der herausragenden Persönlichkeiten auf seinem Instrument geworden. Diesen Ruf wird er nun auch mit seinem exzellenten Blue-Note-Debüt zementieren, das er gemeinsam mit seinem Langzeit-Bassisten Jorge Roeder und The Bad Plus-Drummer Dave King aufgenommen hat. Eigentlich sollte es schon nach einem sechstägigen Engagement im legendären Village Vanguard im Jänner 2020 ins Studio gehen, aber corona-bedingt trat eine längere Zwangspause ein, die laut Lage dazu führte, dass das Ausgangsmaterial unter dem Eindruck der Pandemie, aber auch der Black-Lives-Matter-Bewegung manches von seiner unbeschwerten Schönheit verlor und an Tiefe gewann, bis es dann letzten August endlich ins Studio in Nashville ging.

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Black Midi: Cavalcade
CD-Tipp
06.07.2021 Peter Füssl

Es war die unerwartete, brachiale Wucht in Kombination mit komplexem Können, das die aus vier knapp 20-Jährigen bestehenden Black Midi 2019 mit ihrem Debütalbum „Schlangenheim“ gleich in Richtung Kult-Status katapultierte. Der Gitarrist Matt Kwasniewski-Kelvin hat sich zwischenzeitlich mit mentalen Problemen verabschiedet, was für den kreativen Wahn des verbleibenden Trios mit Gitarrist/Sänger Geordie Greep, Bassist/Sänger Cameron Picton und Drummer Morgan Simpson freilich keinerlei Abbruch bedeutet. Vielmehr geht die explosive, vielfach nervenaufreibende, aber stets beeindruckende Mischung aus Prog-Rock, High-Speed-Fusion-Jazz, Punk und Noise auf dem zweiten Album „Cavalcade“ wieder voll ab, neu ist aber, dass auch manche akustische Ruheinsel (etwa „Diamond Stuff“) eingerichtet wurde.

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Amythyst Kiah: Wary + Strange
CD-Tipp
29.06.2021 Peter Füssl

„Wary + Strange“, vermutlich in etwa mit „misstrauisch + seltsam“ zu übersetzen, ist der zwar passende, aber die Großartigkeit maßlos untertreibende Titel des zweiten Albums von Amythyst Kiah - einer der eindrucksvollsten Stimmen unter den jungen US-Singer-Songwriter*innen. Erste Erfolge feierte die 33-Jährige im schwarze Befindlichkeiten und Roots-Music gleichermaßen auslotenden Frauen-Power-Gesangsquartett Our Native Daughters zusammen mit Rhiannon Giddens, Allison Russell und Leyla McCalla. Nun läuft Kiah aber mit maßgeblicher Unterstützung des Produzenten Tony Berg, der vor ihr unter anderem auch schon mit Phoebe Bridgers, Amos Lee, Aimee Mann oder Andrew Bird gearbeitet hat, zu ganz großer Form auf.

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