Neu in den Vorarlberger Kinos: „Gaza mon amour" (Foto: Panda Film / Alamode Filmverleih)
Peter Füssl · 01. Jun 2013 · CD-Tipp

Vampire Weekend: Modern Vampires of the City

Das 1966 geschossene Cover-Foto des „New York Times“-Fotografen Neal Boenzi zeigt düstere, zerklüftete Straßenschluchten aus weißen Nebelschwaden auftauchen – Schwarz-weiß-Ästhetik vom Feinsten, die eine mystische, vieldeutige Stimmung entstehen lässt. Genau das richtige Symbolbild für die vielschichtige Liebeserklärung des genialen Songwriter-Gespanns Ezra Koenig und Rostam Batmanglij und seines wendigen Rhythmus-Teams Chris Tomson und Chris Baio an ihre Heimatstadt.

Dabei saugen die modernen Megacity-Vampire ihre musikalischen Ideen nicht aus ihren beiden erfolgreichen Vorgängeralben – „Contra“ schaffte es 2010 als erstes Produkt eines britischen Indie-Labels seit dreißig Jahren an die Spitze der US-Charts. So verzichten sie etwa auf das Repetieren ihrer bislang gerne praktizierten und erfolgsversprechender Paul Simon-Afrobeat-Einflüsse und integrieren stattdessen in ihren ohnehin schon bunten Stilmix auch noch mitunter sakral anmutende Orgeln und Chöre aus dem Genre hymnischer Weihnachtslieder, für die Koenig/Batmanglij ein besonderes Faible haben. Der multikulturelle Großstadtdschungel voller unterschiedlichster Lebensmodelle dient als unerschöpfliches Reservoir an musikalischen Einflüssen und hält jede Menge von menschlichen Schicksalen bereit, die voller Witz und Poesie mit einem Hang zu Wortspielereien, mitunter aber auch ganz schön sarkastisch von Ezra Koenig besungen werden. In diesem genialen Schmelztiegel sind die einstmals von manchen Kritikern als intellektuelle Columbia University-Schnösel und oberflächliche Eklektiker niedergemachten Vampire Weekend auf ihrer auch musikalisch ausgetragenen Suche nach Sinn und Identität in ihren Endzwanzigern zu einer der spannendsten Indiepop-Bands der letzten Jahre herangereift.
(XL Recordings/Beggars)