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08.10.2013 |  Peter Füssl

Gregory Porter: Liquid Spirit

Mit Ausnahme des großartigen Kurt Elling gab es im vergangenen Jahrzehnt kaum Jazz-Sänger, die dieses Genre jenseits von Standards mit Hörenswertem bereicherten, ohne sich gleich auch einem etwas aufgeschlosseneren Pop-Publikum kommerziell wirkungsvoll anzunähern. Mit dem stets eigenwillig behuteten Zwei-Meter-Hünen Gregory Porter, der erst vor drei Jahren als Enddreißiger sein viel beachtetes Debut-Album „Water“ beim Indie-Label Motéma präsentierte und nun zwei Grammy-Nominierungen später sein drittes Album „Liquid Spirit“ beim Global Player Blue Note vorlegt, hat sich das schlagartig geändert.

Gregory Porter ist musikalisch gesehen kein Neuerer, sondern steht fest auf dem Boden schwarzer Musiktradition – von den Gospels, die er als Sohn einer Pastorin und Nat King Cole-Verehrerin sozusagen schon mit der Muttermilch aufgesogen hat, über Rhythm’n’Blues, Soul und Jazz und Namen wie Marvin Gaye, Bill Withers, Isaac Hayes, Stevie Wonder oder Abbey Lincoln, deren gemeinsam mit Max Roach komponierter „Lonesome Lover“ eine der wenigen Fremdkompositionen auf dem Album ist. Gregory Porter überzeugt nicht nur mit seinem warmen, wandlungsfähigen, höchst emotionalen Bariton, sondern auch durch seine offenkundige Authentizität. So vertraut er trotz des Wechsels zum Major Label seiner bestens auf ihn eingespielten Stammband und seinem Freund und Produzenten Kamau Kenyatta, der die Songs schlank, transparent, aber äußerst wirkungsvoll arrangiert, statt irgendwelcher großer Namen. Und er verlässt sich auch wieder voll auf die Kraft seiner eingängigen und trotzdem niveauvollen Eigenkompositionen und seiner bedeutungsvollen Texte, die neben dem universellen Songthema der Liebe in allen ihren Varianten durchaus auch politische Statements beinhalten. Denn Gregory Porter ist nicht nur ein grandioser Vokalist, sondern auch ein wacher Geist und kritischer Beobachter der amerikanischen Gesellschaft, der sich beherzt gegen den zugunsten einer konsumorientierten Oberflächlichkeit alles nivellierenden Zeitgeist, gegen soziale Ungerechtigkeit oder Rassismus stellt. Ohne missionarischen Eifer, ohne Bombast und Pathos, aber mit großer Eindringlichkeit und viel Herzblut – und mit einer Stimme, die wirklich voll unter die Haut geht!
(Blue Note/Vertrieb: Universal)

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