Bei der Pforte traf Brahms auf Musik aus Südafrika
Großer Jubel nach einem intensiven Konzerterlebnis
Immer wenn bei „Musik in der Pforte“ Konzerte mit dem Bochabela String Orchestra aus Südafrika angekündigt sind, füllen sich die Säle. Zum dritten Abonnementkonzert lud Klaus Christa nun den in Südafrika gefeierten Singer-/ Songwriter und Jazzmusiker Mandisi Dyantyis zu einem gemeinsamen Konzert ein. Unter dem Motto „Begegnung. Wo ich bin, weil du bist“ präsentierte der Komponist, Sänger und Trompeter im Feldkircher Pförtnerhaus neun Werke und zog mit seiner ausdrucksstarken Stimme und intensiven Körpersprache die Zuhörenden sofort in seinen Bann. Den zwischen Jazz und Gospel changierenden Liedern wurde das Streichsextett Nr. 2, op. 36 von Johannes Brahms zur Seite gestellt. Den großen stilistischen Gegensatz der beiden Konzerthälften überbrückten die Musiker:innen mit ihrer ansteckenden Freude am gemeinsamen musikalischen Gestalten.
Alexander Won-Ho Kim und Hloni Mokoena (Violine), Klaus Christa und Ali Delangiz (Viola), Kajana Pačko und Chris Njapha (Violoncello) interpretierten das berühmte Streichsextett Nr. 2 in G-Dur, op. 36 von Johannes Brahms. Den Beginn gestalteten die Musiker:innen mit viel Gefühl, sie steigerten sich sogleich hinein und traten in kommunikative Dialoge miteinander. Von der ersten Violine ging dabei ein dringlicher Aufforderungscharakter aus, der den musikalischen Fluss vorantrieb. Die Klangbalance des Streichsextetts wirkte eher aufgewühlt, teilweise trat das Timbre der Violine von Alexander Won-Ho Kim etwas grell in den Klangvordergrund.
Geheimnisvoll und in einem aufmerksamen Aufeinander-Hören formten die Musiker:innen das Scherzo. Im Mittelteil, einem Presto giocoso, trumpften sie mit einem rustikalen Tanz auf. Ruhe verströmte das Poco adagio, in dem die hohen Streicher zunächst ganz unter sich den schwebenden Toncharakter zelebrierten, um anschließend in eine kontrapunktische Passage einzutauchen. Zwar litt teilweise die Intonation und bestimmte Phrasen wirkten nicht ganz exakt austariert, dies tat jedoch der Gesamtwirkung der musikalischen Aussage keinen Abbruch. Tänzerische Leichtigkeit zeichnete den virtuosen Finalsatz aus.
Mandisi Dyantyis ist in Südafrika ein viel beachteter und sehr erfolgreicher Komponist, Sänger und Trompeter. Seine Werke vermitteln eine starke Aussagekraft und changieren zwischen Jazz und Gospel. Extra für das Pforte-Konzert arrangierten Simon Frick, François Poly, Mookho Rankhala und Bernie Mallinger neun Songs von Mandisi Dyantyis für zwei Violinen, drei Bratschen, zwei Celli und einen Kontrabass. Kamohelo Moshoaliba an der Viola und Siyabonga Mtjale am Kontrabass ergänzten das Ensemble.
Durch die ausgezeichneten Arrangements erhielten die Songs von Mandisi Dyantyis einen symphonischen Charakter. Sehr aufmerksam gingen die Musiker:innen auf den Sänger ein und agierten teilweise auch als Backing-Vocals. Darüber hinaus brachte sich Mandisi Dyantyis mit seiner Trompete ein, die er mit jazzig-sprechendem Ausdruck spielte und so in einige Lieder eine zusätzliche Farbe verlieh.
Eine außergewöhnlich wandlungsfähige Stimme
Bemerkenswert war die Stimme von Mandisi Dyantyis. Beim Sprechen klang sie etwas heiser und bedeckt. Sobald er jedoch zu singen begann, entfaltete sich seine wunderbar wandlungsfähige Stimme mit klarem und hellem Timbre. Die Ausstrahlung des Sängers und seine Körpersprache begeisterten das Publikum. So verfehlte keines der dargebotenen Werke seine Wirkung.
Lebensfroh und rhythmisch pointiert begeisterte „Impumelelo“. Schön umspielten in „Mabaphile“ die hohen Streicher die Singstimme und das Zwischenspiel der ersten Violine, unterstützt von einer zarten Streicherbegleitung, unterstrich den Aussagegehalt des Liedes. „Isigidimi“ wirkte als inniges Trauerlied ergreifend. Doch der fanfarenartige Trompetenpart bildete einen eigentümlichen Kontrast zum melancholischen Gesang.
Eine Elegie mit erzählendem Duktus stellte der im Jazzgesang wurzelnde Song „Ingoma“ dar. Schöne Dialoge des Sängers mit dem Cello sowie nachfolgend der Bratschen und der Violinen ergaben einen inspirierenden, aufwärtsstrebenden musikalischen Verlauf. In „Cwaka“ kamen die unterschiedlichen stimmlichen Qualitäten von Mandisi Dyantyis, von der strahlenden Höhe bis zu zerbrechlich rauchiger Tiefe, eindrucksvoll zur Geltung. Die Trompetenimprovisation führte den Song in eine Jazzballade über. Flächig und in sich gekehrt wirkte „Amyoli“ wie ein Gebet. „Molo Sisi“ strahlte Freude aus. Das „trashige“ Trompetensolo zog die Aufmerksamkeit auf sich. Einen modernen Touch nahm das Stück „Somandla“, mit einem sprechenden Trompetenpart, insistierenden Wiederholungen und markanten Liegetönen in den Violinen aus. Die Begeisterung der Zuhörenden war groß, sie dankten mit Standing Ovations.
Tipp
Roots & Routes; Pforte Musiker:innen
Sa, 23.5.26, vorarlberg museum, 17:00 Uhr