Tobias Grabher, die Camerata Musica Reno und Michael Köhlmeier bescherten dem Publikum ein „österliches Cineastenfest“.
Karlheinz Pichler · 07. Jul 2016 · Ausstellung

Sonnenlicht kann man nicht wegwischen – Liddy Scheffknecht in der Bludenzer Galerie allerArt

In der Kunst ist alles möglich. Zumindest scheinbar. Etwa Licht aus der Tube drücken oder mit einem Eimer ausschütten. In ihrer neu angelaufenen Ausstellung gibt die Bludenzer Galerie allerArt Einblicke in das aktuelle Schaffen der 1980 in Dornbirn geborenen und seit Jahren in Wien lebenden und arbeitenden Medienkünstlerin Liddy Scheffknecht. In ihrem Werkquerschnitt demonstriert die Wahlwienerin, wie hintersinnig und ironisch sich das „Arbeitsinstrument“ Sonnenlicht einsetzen lässt.

Grundsätzlich setzt sich Liddy Scheffknecht in fotografischen Sequenzen und Serien, Videoinstallationen, Skulpturen oder Licht- und Schattenprojektionen immer wieder mit Aspekten von Zeitlichkeit sowie Illusion und Wahrnehmung auseinander. Häufig entstehen dabei Mischformen zwischen stillen und bewegten Bildern, zwischen fotografischen und filmischen Medien. Neben computergestützten Bildverfahren, die dabei zum Einsatz kommen, arbeitet die Künstlerin auch mit analogen Licht- und Schattenprojektionen, die durch direkte Sonneneinstrahlung entstehen. Die Galerie allerArt in der Bludenzer Remise gibt in ihrer nächsten Ausstellung unter dem Titel „Solar Days“ einen repräsentativen Einblick in das aktuelle Schaffen der Künstlerin.

Scheffknecht fixiert etwa flüchtige Momente skulptural oder hält temporäre architektonische Bilder fotografisch fest. Oder statische und bewegte Bilder werden in medialen Mischformen kombiniert. Ein stetig wiederkehrendes Element ist auch das Motiv des Schattens, der als sichtbarer Verweis für das Nicht-Sichtbare steht oder als Indikator von Zeit, als narrative Komponente, oder auch als entkoppeltes Element im Raum.

Sonnenlicht als Arbeitsmaterial


In ihrer jüngsten Werkserie, von denen sie unter dem Titel „Solar Days“ einige Beispiele in Bludenz zeigt, verwendet die Medienkünstlerin unter anderem Sonnenlicht als „Arbeitsmaterial“. Ein Lichtfleck im Raum, entstanden durch direkten Sonneneinfall, wird beispielsweise durch eine auf dem Fenster angebrachte Silhouette respektive Schablone geformt. Dadurch entsteht ein Lichtbild, welches, angetrieben durch den Tageslauf der Erde, durch das Zimmer wandert und sich in Form, Größe und Proportion langsam verändert. An einem bestimmten Moment am Tag verbindet sich das geformte Licht mit einem Alltagsobjekt im Raum. Es entsteht die Illusion einer Einheit von Gegenstand und Licht- oder Schattenprojektion, eine Verschränkung von Sein und Schein. Da der Ausstellungsraum in der Bludenzer Remise keine Fenster aufweist, demonstriert Scheffknecht solche Ablaufprozesse in der allerArt anhand von Videos oder Fotosequenzen. Bei der Arbeit „The End“ etwa wanderte der gleichnamige Schriftzug als Sonnenlicht durch den Raum, bis er an einem bestimmten Zeitpunkt genau in die Mitte des Monitors eines im Raum aufgestellten Fernsehapparates aus den 1960er-Jahren fällt. Obwohl das Kabel des Gerätes nirgends eingesteckt ist, entsteht der Eindruck, als ob er in Betrieb wäre. Die Künstlerin dokumentiert diese koinzidale Übereinstimmung von immateriellem Prozessablauf und „Hardware“ in der allerArt als sechsteilige Fotoformation. In der Videoinstallation „Wipeout“ vollführt eine Hand eine Putzbewegung mit einem Schwamm entlang eines entsprechenden Lichtstreifens. Doch das Licht lässt sich nicht wegwischen. Und im Video „Sun tube“ lässt Scheffknecht die Illusion erwachsen, als ob der Tubeninhalt in Form von Licht ausströmte. Die Medienkünstlerin bedient sich des Lichts und des Schattens, um die Wahrnehmung des Betrachters ganz gezielt hinters Licht zu führen. Das Sonnenlicht wird zum Komplizen raffinierter Täuschungsmanöver.

Dasselbe in Wachs


Neben Fotografien, Videos und Leuchtkasten präsentiert Scheffknecht auch eine Serie von „Untitled“-Papier-Arbeiten, in denen sie diesen prozessualen Illusionsspielen zwischen Sonnenlichtprojektion und Gegenstand mit Wachskreide nachspürt. Dazu trägt sie weißes und schwarzes Wachs in vielen Schichten übereinander auf, um dann jeweils entsprechende Schwarzteile abzutragen, bis ikonografisch analoge Formalteile in Weiß (Licht) freigelegt sind, die direkt mit den medialen Werken korrespondieren.

Zwischen Schein und Sein


Mit Schein und Sein, Präsenz und Abwesenheit hat sich Scheffknecht seit jeher beschäftigt. So ist sie etwa mit Fotografien renovierungsbedürftiger Gebäude bekannt geworden, die sie so bearbeitet hat, dass sämtliche architektonischen Elemente nicht mehr zu sehen waren. Einzig das Gerüst blieb erhalten und der Betrachter konnte die Form des wegretuschierten Gebäudes nur noch erahnen. Das Gerüst, dem üblicherweise nur eine temporäre Funktion in den städtischen Strukturen zugestanden wird, entwickelte sich unter der Direktive Scheffknechts auf einmal zur dauerhaften Einrichtung, während die Architektur als normalerweise zeitlich unverrückbar städtisches eliminiert wurde. Scheffknecht ist sozusagen eine Meisterin im Umdrehen der Verhältnisse.

 

Liddy Scheffknecht: Solar Days
Galerie allerArt in der Remise Bludenz
Bis 7.8.2016
Mi-So 15-18
www.allerart-bludenz.at