Aktuell in den Filmclubs (3.3. – 9.3. 2023)
Am Spielboden Dornbirn startet das 7th HUMAN VISION film festival mit dem Kinderfilm „Im Himmel ist auch Platz für Mäuse". Im Filmforum Bregenz zeichnet dagegen Frances O´Connor in „Emily" ein Porträt der britischen Schriftstellerin Emily Brontë (1818 – 1848).
Im Himmel ist auch Platz für Mäuse: Können eine kleine Maus und ein Fuchs Freunde sein? – Jan Bubeníček und Denisa Grimmová erzählen in ihrem Animationsfilm, in dem Stop-Motion souverän mit Computeranimation verbunden wird, in prächtigen Bildern von der Entwicklung einer scheinbar unmöglichen Beziehung durch Überwindung von Vorurteilen.
Während die mit viel Liebe zum Detail gestalteten und gestochen scharfen Bilder Augenschmaus bieten, sorgen die Erlebnisse der beiden Protagonisten und die langsame Annäherung, die freilich auch von Zweifeln und Kontroversen unterbrochen wird, für ebenso temporeiche wie spannende Unterhaltung. Bestens geeignet für Abwechslungsreichtum ist hier ein Rummelplatz, bei dem bald mit Karussell und bald mit einer Schiffschaukel gefahren wird. Aber auch ziemlich düstere Momente fehlen mit einer Geisterbahn nicht. Für stets neue Reize, durch die die Aufmerksamkeit hoch gehalten wird, sorgt aber auch die Fülle an unterschiedlichen Tieren, von einer Ziege über Rabe, Kakadu, kleinem Lamm und Affe bis zu Flusspferd, Schlange, Dachs und Insekten, die die Aufgaben der Polizei übernehmen.
Zur zwischen Spannung und Witz changierenden Unterhaltung kommt die kindgerecht präsentierte humanistische Botschaft. Da geht es nämlich um Trauer über den Verlust des Vaters ebenso wie um Ängste, die man zu überwinden lernt, indem man sich ihnen stellt, und ganz zentral natürlich um die Überwindung von Vorurteilen und um wahre Freundschaft. Nie werden diese Themen aber aufgesetzt präsentiert, sondern sie ergeben sich ganz selbstverständlich aus der Erzählung heraus, sodass spannende Unterhaltung und positive Botschaft sich zu einem beglückenden Kinderfilm ganz abseits der ausgetretenen Bahnen großer US-Produktionen fügen.
Spielboden Dornbirn: Sa 4.3., 15 Uhr
Emily: Mit „Wuthering Heights" schuf Emily Brontë (1818 – 1848) einen Klassiker der englischen Literatur. Die Schauspielerin Frances O´Connor interessiert sich in ihrem Regiedebüt aber nicht für diesen Roman, sondern für die im Yorkshire des 19. Jahrhunderts als Sonderling geltende Autorin.
Dass die in Australien aufgewachsene britische Regisseurin sich künstlerische Freiheiten genommen hat und nicht an historischer Exaktheit interessiert ist, gesteht sie in einem Nachspanninsert. Sie zeichnet auch nicht das ganze Leben Emily Brontës nach, sondern konzentriert sich auf deren letzte Lebensjahre.
Um „soWuthering Heights" aus dem Leben der mit 30 Jahren an einer Lungenentzündung verstorbenen Schriftstellerin heraus zu erklären, erfindet O´Connor so einerseits eine leidenschaftliche, aber unglückliche Liebesgeschichte und lässt Emily andererseits immer wieder in der weiten Moor- und Heidelandschaft, die auch in ihrem Roman eine zentrale Rolle spielt, ihre Freiheit suchen.
Geschickt spielt O´Connor immer wieder mit dem Gegensatz von engen Räumen, in denen sich auch Emily eingesperrt fühlt, und der ebenso weiten wie herben Moor- und Heidelandschaft Yorkshires. Großartig filmt Kamerafrau Nanu Segal sowohl die nur von Kerzenlicht und Öllampen erleuchteten Innenräume als auch die grüne Landschaft, über der immer wieder heftige Gewitter niedergehen.
Von der Ausstattung über Kameraarbeit bis zu Schauspiel ist hier alles mit Sorgfalt und Feingefühl ausgeführt, und dennoch fehlt es diesem Film etwas an inszenatorischer Verve. Spürbar wird das vor allem im stärksten Moment, in dem Emily bei einem Spiel eine venezianische Maske anzieht und in die Rolle der verstorbenen Mutter schlüpft.
Wie sie diese Rolle ausfüllt, verunsichert nicht nur ihre Geschwister, sondern auch die Zuschauer:innen, denn in diesem grandiosen Moment wird „Emily" quasi zu einem famosen Geisterfilm, in dem die Grenzen von Realismus und Imagination verschwimmen. Doch selten wagt sich O´Connor zu solchen Ausbrüchen aus der sorgfältigen, aber doch etwas kraftlosen Erzählweise. Emma Mackays leidenschaftliches Spiel sorgt aber dafür, dass man über diese Schwäche hinwegsieht.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do 9.3., 20 Uhr
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