Arbeiten der Künstlerin Maggy Mauritz (Foto: Paul Trummer)
Walter Gasperi · 02. Nov 2023 · Film

Aktuell in den Filmclubs (3.11. – 9.11. 2023)

Feelgood-Movies in den Filmclubs: Am Spielboden Dornbirn begleitet in „Wochenendrebellen“ ein Vater seinen zehnjährigen, autistischen Sohn zu je einem Heimspiel aller deutschen Profifußballvereine und im FKC Dornbirn plant in „Adiós Buenos Aires" ein argentinischer Bandoneonspieler angesichts der schweren wirtschaftlichen Krise im Jahr 2001 die Auswanderung.

Wochenendrebellen: Als Vorlage für sein Feelgood-Movie diente Marc Rothemund das 2017 erschienene autobiographische Buch „Wir Wochenendrebellen“, in dem Mirko von Juterczenko und sein autistischer Sohn Jason von ihren Wochenendtrips zu den Heimspielen der 56 deutschen Profifußballvereine erzählen. 
Als es nämlich mit dem zehnjährigen Jungen auch in der Schule immer wieder Ärger gibt, schließt Jason (Cecilio Andresen) mit seinem Vater (Florian David Fitz) eine Vereinbarung: Jason wird sich in der Schule bemühen, sich nicht mehr provozieren zu lassen, wenn der Vater ihn im Gegenzug jeden Samstag quer durch Deutschland zu einem Heimspiel einer Profimannschaft begleitet. Einen Lieblingsverein kann der stets streng logisch argumentierende Jason nämlich nur finden, wenn er nicht nur alle Mannschaften, sondern auch deren Stadien auf Kriterien wie Fankultur, Nachhaltigkeit und behindertengerechte Toiletten geprüft hat.
Ganz auf die blendend harmonierenden Hauptdarsteller Florian David Fitz und den fulminant spielenden neunjährigen Cecilio Andresen ist „Wochenendrebellen“ zugeschnitten. Flott wechseln die Szenen aus den einzelnen Stadien und auch die Familiensituation mit Gattin und einem Baby sowie Großeltern kommt nicht zu kurz. Auch mit dem Einsatz zahlreicher leichter Pop-Songs von „Lean on Me“ über „Rebellenherz“ von Sportfreunde Stiller bis zu „Tage wie diese“ heizt Rothemund geschickt die Stimmung an. Der 55-jährige Regisseur versteht es souverän auf der Klaviatur der Gefühle zu spielen, doch diese Manipulation nimmt man ihm nicht übel, denn stets ist auch sein Engagement spürbar, mit diesem Film Verständnis für die Situation und die Gefühlswelt von Menschen mit Autismus zu wecken und der Stigmatisierung entgegenzuwirken.
Spielboden Dornbirn: Sa 4.11. + Fr 10.11., jeweils 19.30 Uhr


Adiós Buenos Aires: Der Bandoneon-Spieler Julio plant aufgrund der schweren wirtschaftlichen Krise Argentiniens im Jahr 2001 seine Auswanderung. Doch will er wirklich sein bisheriges Leben zurücklassen? 
Von Anfang an erzeugen die Tangonummern in German Krals Spielfilmdebüt eine Stimmung der Melancholie, die durch die visuelle Ebene gesteigert wird. Denn während die TV-Nachrichten die angespannte Lage und die sozialen Spannungen nie vergessen lassen, verbreiten die in kräftige Farben und goldgelbes, warmes Licht getauchten Bilder doch immer Hoffnung und Lebensfreude.
Die Stärke von „Adiós Buenos Aires“ liegt auch darin, dass Kral nicht völlig auf Julio und Mariela, die er bei einem Autounfall kennenlernt, fokussiert, sondern auch prägnant Einblick in die Situation der anderen Musiker bietet. Geschickt werden dabei über Parallelmontagen, die von Tango-Songs begleitet werden, auch immer wieder Blicke auf die einzelnen Protagonist:innen verbunden. Gefeiert wird dabei durchgängig der Überlebenswillen und die Überlebenskraft der einfachen Menschen. Wie Mariela flache Steine auf dem Wasser förmlich zum Tanzen bringt, so lassen sich diese Underdogs auch nicht unterkriegen und stehen immer wieder auf. 
Sentimental mag dieses Feelgood-Movie sein, doch es wirkt in seiner Menschlichkeit und dank der unverbrauchten und authentisch spielenden Schauspieler:innen echt und berührend. Mögen da insgesamt auch die sozialen Probleme etwas weichgespült werden, so erfüllt diese Beschwörung der Kraft der Menschlichkeit, der Freundschaft, der Liebe und vor allem auch des Tangos doch auch das Kinopublikum mit Wärme und Optimismus.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 8.11., 18 Uhr + Do 9.11., 19.30 Uhr


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