Kota – Lebensansichten eines Huhns
Walter Gasperi · 02. Okt 2025 · Film

Aktuell in den Filmclubs (3.10. – 9.10. 2025)

In der Kinothek Lustenau wird in der Programmkinoschiene „Kinothek extra“ diese Woche unter anderem das herb-poetische Drama „Schäfer - Bergers“ gezeigt, das im November auch beim FKC Dornbirn und in der LeinwandLounge in Bludenz zu sehen ist. Beim Spielboden Dornbirn und beim Filmforum Bregenz / Parktheater Lindau lädt dagegen Oliver Laxes „Sirât“ zu einem radikalen Wüstentrip ein, der in den kommenden Wochen auch beim TaSKino Feldkirch und beim FKC Dornbirn auf dem Programm steht.

Sirât: Ein Vater sucht bei Raves in der Wüste Marokkos seine Tochter und begibt sich dabei auf eine zunehmend gefährliche Reise.
Intensiv beschwören der französisch-spanische Regisseur Óliver Laxe und sein Stammkameramann Mauro Herce in diesem zur Gänze im Freien und abseits jeder Zivilisation spielenden Film die extremen klimatischen Bedingungen mit sengender Hitze und endloser Wüstenlandschaft. Nicht unpassend ist folglich auch der schon vielfach gezogene Vergleich zu George Millers „Mad Max“-Filmen, vor allem zu „Mad Max: Fury Road“ (2015).
Auf die bloße Existenz ist der Mensch hier zurückgeworfen. Dessen innere Versehrtheit wird im verkrüppelten Arm eines Ravers und dem amputierten Bein eines anderen nach außen gekehrt. Beim Rave scheint diese Gruppe aber innere Ruhe zu finden, wenn jeder beim tranceartigen Tanz ganz bei sich ist und die scheinbar unrettbar aus den Fugen geratene Welt komplett ausgeblendet wird.
Doch wie geht man damit um, wenn die Existenz durch Verluste erschüttert wird, die so abrupt einbrechen, dass sie auch die Zuschauer:innen nachhaltig verstören? – Kompromisslos zeigt Laxe in seinem radikalen Film, wie man dennoch weiterlebt, nicht nur den Schmerz überwindet, sondern auch Todesgefahren, indem man sich ihnen furchtlos und ruhig stellt. Das Paradies scheint man dadurch zwar nicht zu gewinnen, aber immerhin geht die Fahrt auf einem überfüllten Zug weiter – wenn auch mit offenem Ziel oder ins Nirgendwo.
Spielboden Dornbirn: Sa 4.10. + Mi 15.10. – jeweils 19.30 Uhr
Filmforum Bregenz im Parktheater Lindau: Mi 8.10., 19.30 Uhr
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Fr 17.10. bis So 19.10.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 29.10., 18 Uhr + Do 30.10., 19.30 Uhr

Schäfer – Bergers: Ein junger kanadischer Werbefachmann (Félix-Antoine Duval) will alles hinter sich lassen und ein neues Leben als Schafhirte in den französischen Alpen beginnen. Nach mehreren bitteren Erfahrungen soll er zusammen mit einer jungen Beamtin (Solène Rigot), die ihren Bürojob gekündigt hat, rund 800 Schafe ins Gebirge führen und sich dort über den Sommer um die Herde kümmern.
Beeindruckend selbstverständlich verbindet die Kanadierin Sophie Deraspe die Selbstfindungsgeschichte des Protagonisten mit einer eindrücklichen Schilderung des harten bäuerlichen Lebens und der Probleme heutiger Schafzüchter. Nichts wirkt in den Bildern von Kameramann Vincent Gonneville geschönt oder gestellt, sondern man glaubt den Geruch der Schafe und den Schweiß fast zu riechen. Auch dass Nebenrollen teilweise mit Laien besetzt wurden, trägt zur Authentizität bei. Vor allem ist aber die Landschaft hier nicht Kulisse, sondern aus ihr heraus wird die Geschichte erzählt. Förmlich zur Erlösungsgeschichte wird „Schäfer“ dabei, wenn der Weg vom deprimierenden Blick auf die verfallenden Höfe im Tal hinauf in die erhabene Bergwelt führt. 
Dennoch verklärt Deraspe das Bergleben nicht. Da mag zwar dem rauen Umgang mit den Schafen im Tal eine liebevolle Fürsorge in den Bergen gegenüberstehen, doch gleichzeitig drohen hier ungleich größere Gefahren. Atemberaubend intensiv wird so die Heftigkeit eines Gewitters vermittelt, Wölfe, gegenüber denen der Film ambivalent bleibt, bedrohen die Herde, und auch die Folgen des Klimawandels werden beiläufig angesprochen.
Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mo 6.10., 18 Uhr
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 12.11., 18 Uhr + Do 13.11., 19.30 Uhr
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 19.11., 19 Uhr

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