Conerto Stella Matutina: Variationen über „O du lieber Augustin“ von Paul Wranitzky. (Foto: Martin Gallez)
Walter Gasperi · 21. Mai 2026 · Film

Aktuell in den Filmclubs (22.5.–28.5. 2026)

Das Filmforum Bregenz zeigt diese Woche im Parktheater Lindau mit „Luzzu“ ein packendes Sozialdrama, das eindringlich von der schwierigen Situation maltesischer Fischer erzählt. Im Skino Schaan steht dagegen im Rahmen der Reihe „The Ones We Love“ mit „The Big Lebowski“ ein Kultfilm der Coen-Brüder auf dem Programm.

Luzzu: Viel Zeit lässt sich der maltesisch-nordamerikanische Filmemacher Alex Camilleri in seinem Spielfilmdebüt für die Schilderung der alltäglichen Arbeit des jungen Fischers Jesmark (Jesmark Scicluna). Doch der Fang wird zunehmend schmaler. Schonzeiten zwingen die Fischer zudem, zufällig ins Netz gegangene, wertvolle Fische wieder ins Wasser zu werfen, und dann hat Jesmarks Boot auch noch ein Leck und muss repariert werden. Luzzu heißen diese Boote, deren leuchtend rote, blaue, gelbe und grüne Lackierung von besseren Zeiten künden. Prekär ist aber die finanzielle Situation Jesmarks und wird noch schwieriger, als die Kinderärztin für den kleinen Sohn wegen einer Wachstumsstörung eine spezielle Ernährung und Behandlung bei einem Spezialisten empfiehlt. So treibt ihn die Notlage in die Hände eines Fischhändlers, dessen Geschäfte alles andere als sauber sind.
Malerisch ist zwar die Kulisse mit dem tiefblauen Meer, doch nie verstellt dies den Blick auf die gesellschaftlichen Folgen des Niedergangs der Fischerei, die Camilleri mit großer Stringenz und Klarheit herausarbeitet. Bauen kann er dabei auf den großartigen Jesmark Scicluna in der Hauptrolle. Echt und unverfälscht wirkt das Spiel dieses Laiendarstellers, und vor allem in seinen Blicken spürt man seine zunehmende Verzweiflung, aber auch seine wachsende Wut. Nah dran an ihm ist die Kamera von Léo Lefèvre, und nicht nur dieser Zugriff auf die Figuren erinnert an die Filme der Dardenne-Brüder. Denn wie die Filme der beiden Belgier entwickelt auch „Luzzu“ durch den genauen Blick auf Arbeit und Milieu seine Kraft, und wie diese Meisterregisseure folgt auch Camilleri seinem Protagonisten konsequent bei seinem Versuch der prekären Situation zu entkommen, seine Unabhängigkeit zu bewahren und sein Leben zu leben, und lässt ihn doch immer tiefer in die Misere, in Abhängigkeiten und Kriminalität rutschen.
Filmforum Bregenz im Parktheater Lindau: Mi 27.5., 19.30 Uhr (maltesisches OmU.)

The Big Lebowski: Kultstatus genießen zahlreiche Filme der Coen-Brüder von „Blood Simple“ über „Barton Fink“ und „Fargo“ bis zu „No Country for Old Men“ und „Inside Llewyn Davis“. An Kultcharakter übertrifft „The Big Lebowski“ aber alle.
Ein Erzähler mit sonorer Stimme stellt sich vor, der die Geschichte des Dude (Jeff Bridges), eines Alt-Hippies, erzählen will. Doch das, was nun erzählt wird, lässt sich nicht in Worte fassen: Zu vielfältig sind die Erzählstränge, die Nebenhandlungen und Nebenfiguren, die auftauchen und wieder verschwinden. Ein reicher Millionär mit Diener, dessen entführte junge Gattin und die sich als Avantgarde-Künstlerin betätigende Tochter (Julianne Moore) treten auf, und in seiner undurchsichtigen Handlungsführung erinnert „The Big Lebowski“ an Howard Hawks' Klassiker „The Big Sleep“. 
Eine nihilistische deutsche Gangsterbande malträtiert den Dude, und im Traum fliegt er über L.A., ein Pornoproduzent betäubt ihn, während er einerseits von Musicals und Bowling träumt und andererseits von Kastrationsängsten gequält wird. Dazwischen geht dieser sympathische Loser, der der einzige Haltepunkt in dieser atemberaubend kühnen Dramaturgie ist, immer wieder zum Bowling-Turnier mit seinen Freunden, zu denen auch der äußerst cholerische, jüdische Vietnamveteran Walter (John Goodman) gehört. 
In der Mischung von ausgeflippter Kiffer-Komödie und Film-Noir ist „The Big Lebowski“ höchst inkohärent, doch den Coens gelingt es souverän das scheinbar Unvereinbare zu einer Einheit zu verschmelzen. Wieder gelingt ihnen die Zeichnung hinreißender Typen und auch das nicht nur an Handlungsfülle, sondern auch an brillanten Dialogen überquellende Drehbuch begeistert. Am Ende stellt der an der Bar sitzende Erzähler fest: „Schön, dass es den Dude gibt. – Es war eine ziemlich gute Geschichte – ich habe mich halb tot gelacht, an manchen Stellen wenigstens.“ Dem kann nur hinzugefügt werden: Schön, dass es die Coens gibt, die so hinreißend schräge Filme drehen. 
Skino Schaan: Do 28.5., 20.15 Uhr (engl. OmU.)

Weitere Filmkritiken, Streamingtipps, DVD-Besprechungen und Regisseur-Porträts finden Sie auf meiner Website www.film-netz.com.