Aktuell in den Filmclubs (19.12. – 25.12. 2025)
Das TaSKino Feldkirch zeigt diese Woche mit dem Kammerspiel „Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes“ den wohl letzten Film des 92-jährigen Edgar Reitz. Im Skino Schaan steht dagegen mit David Freynes „Eternity“ unter anderem eine hinreißende romantische Komödie auf dem Programm.
Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes: Für sein schon lange geplantes Werk über den Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) hat der 92-jährige Edgar Reitz altersbedingt Anatol Schuster als Co-Regisseur hinzugezogen. Auch die Anlage als Kammerspiel dürfte nicht nur einem begrenzten Budget, sondern auch dem Alter des Regisseurs geschuldet sein.
Reitz und Schuster zeichnen nicht das Leben dieses Universalgenies nach, sondern fokussieren ganz auf die – fiktive – Entstehung eines Porträts von Leibniz (Edgar Selge), das sich die preußische Königin Charlotte wünscht, um mit ihrem geschätzten einstigen Lehrer wenigstens via Bild kommunizieren zu können. Während der Hofmaler Delalandre (Lars Eidinger), der sich mit einem halbfertigen Bild vorstellt, in dem nur noch das Gesicht des Philosophen ergänzt werden muss, bald aufgibt, da er mit seinen genauen Vorgaben zu Haltung und Mimik den Philosophen ebenso nervt, wie dieser ihn mit seinen philosophischen Fragen, entwickelt sich mit der danach auftretenden flämischen Malerin (Aenne Schwarz) ein angeregtes philosophisches Gespräch.
Das vom Dialog bestimmte Kammerspiel bietet dabei nicht nur einen vielfältigen Einblick in die Ideen von Leibniz, seine Gedanken zu praktischen Erfindungen von Luftmatratze über Klappstuhl bis zur Rechenmaschine und seine Ablehnung von Obrigkeiten, sondern diskutiert auch die Frage, inwieweit ein Gemälde nicht nur das Äußere, sondern auch die Seele des Porträtierten abbilden kann. Was trocken klingt, wird dank des blendend harmonierenden Ensembles um Edgar Selge und Aenne Schwarz sowie den genau abgezirkelten Kamerabewegungen und einer Lichtführung, die sich ganz im Sinne der Malerin an Caravaggios Chiaroscuro und dem der flämischen Maler orientiert, zum von Humor durchzogenen, leichthändigen Vergnügen.
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Mo 22.12. bis Fr 26.12. (deutsche Originalfassung)
Eternity: Im Jenseits muss sich eine Verstorbene (Elizabeth Olsen) entscheiden, ob sie die Ewigkeit mit ihrer früh verstorbenen ersten großen Liebe oder ihrem langjährigen Ehemann verbringen will. Mit der Entscheidung geht aber auch die Wahl der Welt einher, in der man weiterleben möchte. Der Bogen spannt sich dabei von Berg- oder Küstenwelten bis zur römischen Antike, zur nazifreien Weimarer Republik oder zu einer männerfreien Welt.
Großen Einfallsreichtum beweist David Freyne bei der Schilderung dieser unterschiedlichen Welten und ein Vergnügen ist es zuzusehen, wie sich Miles Teller und Callum Turner als Rivalen um die Gunst der Angebeteten gegenseitig auszustechen versuchen und wie im Hintergrund Da’Vine Joy Randolph und John Early als Jenseitskoordinatoren mitmischen. Freyne, der zusammen mit Pat Cunnane auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, kommt mit wenigen Figuren aus, bettet sie aber in ein mit viel Liebe zum Detail gezeichnetes Jenseits ein.
Das ist nicht nur mit viel Charme und Witz inszeniert, sondern berührt auch mit der Entscheidung, vor die die Verstorbene gestellt wird. Etwas an Schwung verliert diese Komödie, in der an die Stelle des Screwball-Pingpongs am Beginn mit Fortdauer zunehmend die Romantik tritt, nach fulminantem Auftakt gegen Ende zwar, dennoch wird insgesamt – auch dank des lustvoll aufspielenden Ensembles – beste Unterhaltung geboten.
Skino Schaan: Fr 19.12. + So 21.12., jeweils 18 Uhr; Mo, 22.12. + Di 23.12., jeweils 20.15 Uhr (engl. OmU)
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