Aktuell in den Filmclubs (16.10. – 22.10.2026)
In der Kinothek Lustenau steht diese Woche mit „Das Flüstern der Wälder“ ein betörender Dokumentarfilm über die Flora und Fauna der Vogesen auf dem Programm. Das Filmforum Bregenz zeigt im Kino Lindau dagegen den Dokumentarfilm „All My Sisters“, in dem der Iraner Massoud Bakshi das Heranwachsen seiner in Teheran lebenden Nichten vom Kleinkindalter bis zur Volljährigkeit mit der Kamera begleitet.
Das Flüstern der Wälder: Für „Der Schneeleopard“ (2021) streifte der Wildtierfotograf Vincent Munier zusammen mit der Filmemacherin Marie Amiguet durch das menschenleere Hochland von Tibet. Für seinen neuen Dokumentarfilm, an dem Munier insgesamt über einen Zeitraum von zehn Jahren arbeitete, musste er dagegen keine weite Reise unternehmen, ist er doch selbst in den Vogesen geboren und aufgewachsen. Doch wie das Hochland von Tibet wirken auch die Wälder dieses französischen Mittelgebirges der modernen Welt enthoben. Kein Auto, kein Handy und außer der Kamera des Fotografen und einem Fernglas keine moderne Technik sieht man im ganzen Film. Jede Zivilisation scheint fern, nur eine kleine Holzhütte, in der aber nur Kerzen für Licht sorgen, verweist auf einen menschlichen Eingriff in eine ansonsten unberührte Natur.
Etwas zu ausladend sind zwar die Gespräche zwischen Munier, seinem Vater und seinem 13-jährigen Sohn, doch atemberaubende Kraft entwickelt „Das Flüstern der Wälder“, wenn es hinaus in den Wald geht und sich der Film ganz auf die Natur einlässt. Weil sich der Mensch dabei quasi unsichtbar machen muss, um die scheuen Tiere zu Gesicht zu bekommen, versteckt sich das Trio immer wieder im Dickicht oder in einem Unterstand. Geduldiges Warten und Lauschen sind hier notwendig, bis sich vielleicht doch noch das ersehnte Tier den Naturbeobachtern – und damit auch dem Publikum – zeigt.
Wenn aber die Rede auf das Verschwinden des Auerhahns kommt, kommt auch die Bedrohung der Natur durch menschliche Eingriffe und den Klimawandel ins Spiel. Doch nicht zum plakativen ökologischen Plädoyer wird dieser betörende Dokumentarfilm dabei, sondern zielt vielmehr darauf ab, mit seiner Bild- und Tonkraft zu beeindrucken, das Staunen zu wecken, das Bewusstsein für die Fragilität der Natur zu fördern und unaufdringlich zu Achtsamkeit aufzurufen, aber auch an die Vergänglichkeit und den ewigen Kreislauf von Entstehen, Leben und Vergehen zu erinnern.
Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mi 21.10., 20 Uhr + Mo 26.10, 18 Uhr (franz. OmU.)
All My Sisters: Auf der Höhe der Zeit ist der Iraner Massoud Bakhshi, der durch seinen Spielfilm „Yalda“ bekannt wurde. Wie ein dokumentarisches – und auch ungleich politischeres – Gegenstück zu Richard Linklaters „Boyhood“ wirkt „All My Sisters“, für den Bakhshi seine beiden in Teheran lebenden Nichten vom Kleinkindalter bis zur Volljährigkeit mit der Kamera begleitete. Einblicke in das repressive Regime bleiben dabei nicht aus, wenn mit wachsendem Alter zunehmend darauf geachtet wird, dass die Mädchen verschleiert sind und sie während der Proteste im Herbst 2022 trotz der Ängste der konservativen Großmutter auf dem Dach ihres Hauses den von den Straßen schallenden Ruf „Woman, Life, Freedom“ aufnehmen. Aber auch die Grundkonzeption des Films vermittelt die ständige Angst vor Repression. Denn den Rahmen der Erzählung bildet eine private Vorführung des Films für die nun erwachsenen Nichten, die selbst entscheiden sollen, welche Szenen gezeigt und welche geschnitten werden sollen. Haften bleibt hier vor allem eine Szene, in der die beiden Teenager in einer Wüstenlandschaft außerhalb Teherans sich ohne Schleier fotografieren, und Bakhshi ihnen vorschlägt, sie zum Schutz im fertigen Film durch künstlichen Nebel zu verhüllen.
Filmforum Bregenz im Kino Lindau: Mi 21.10., 19.30 Uhr (farsi OmU.)
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