Aktuell in den Filmclubs (14.3. – 20.3.2025)
Der FKC Dornbirn vermittelt diese Woche im Spielfilm „Souleymanes Geschichte“ einen intensiven Einblick in den täglichen Überlebenskampf eines Asylanten. Im Heerbrugger Kinotheater Madlen zeichnet dagegen der Dokumentarfilm „The Last Expedition“ ein Porträt der polnischen Extrembergsteigerin Wanda Rutkiewicz.
Souleymanes Geschichte – L‘histoire de Souleymane: Boris Lojkine erzählt in seinem Spielfilm von einem Flüchtling aus Guinea, der versucht als Fahrradkurier in Paris Geld zu verdienen, um die Unterlagen für das anstehende Asylverfahren bezahlen zu können.
Hautnah folgt die Kamera von Tristan Galand Souleymane bei seinen Fahrten als Fahrradkurier durchs nächtliche Paris. Mal ist sie in seinem Rücken, dann wieder vor ihm, nur zur Ruhe kommt sie so wenig wie der Flüchtling selbst. Parallel zur Zustellung von Speisen muss sich Souleymane dabei auch noch die Flüchtlingsgeschichte einprägen, die ihm ein anderer Asylant verkauft hat.
In diesem Narrativ inszeniert sich der junge Mann als politischer Flüchtling, der in seiner Heimat im Gefängnis saß. In Wahrheit war er in Guinea aber ein unpolitischer Mechaniker, der aus wirtschaftlichen Gründen nach Europa floh. Die Wertung, ob diese Lügen legitim sind, um eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten, überlässt Boris Lojkine den Zuschauer:innen, weckt aber auch durch die Nähe der Kamera durchgängig Empathie für den gestressten jungen Mann.
Ständig unter Strom steht Souleymane und wie in den Filmen der Dardenne-Brüder überträgt sich diese Anspannung und dieser Stress durch die dynamische und ungeschönte Inszenierung direkt auf die Zuschauer:innen. Wie ein atemloser Thriller kommt so dieses Sozialdrama daher. Keine Zeit für einen Blick auf die Sehenswürdigkeiten von Paris gibt es hier und die Dominanz von kalten Blautönen und Neonlicht sorgen in dem großteils bei Nacht spielenden Film für eine ungeschminkt-authentische und kalte Atmosphäre.
Dichte gewinnt „Souleymanes Geschichte“ aber auch durch die – abgesehen von Nina Meurisse als Beamtin – weitgehende Arbeit mit Laienschauspieler:innen. Auch der völlige Verzicht auf Filmmusik und der Dreh an Originalschauplätzen trägt wesentlich zur quasidokumentarischen Qualität bei. Selten wurde wohl in einem Spielfilm so unmittelbar und bewegend Einblick in den Alltag eines Asylanten geboten.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 19.3., 18 Uhr + Do 20.3., 19.30 Uhr
The Last Expedition: 1978 erreichte die Polin Wanda Rutkiewicz als erste Europäerin den Gipfel des Mount Everest. Sieben weitere Achttausender folgten, bis die Ausnahmebergsteigerin 1992 am Kangchendzönga verscholl.
Eliza Kubarska zeichnet in ihrem Dokumentarfilm mit einer Fülle von Archivmaterial und Interviews ein Porträt von Rutkiewicz. Die stimmige Mischung der unterschiedlichen Materialien bestimmt den Film und verleiht ihm Vielschichtigkeit. Während die teils zerkratzten und unscharfen Fotos und Filmaufnahmen, die vielfach von Rutkiewicz selbst stammen, einen authentischen Einblick ins Expeditionsbergsteigen um 1990 bieten, bringen die Interviews Hintergrundinformationen und persönliche Einschätzungen Außenstehender. Dazu kommen wie als Pausen gesetzte neue Landschaftsaufnahmen, die die Grandiosität ebenso wie die Ursprünglichkeit des Himalayas feiern.
Die nie gefundene Leiche von Rutkiewicz nimmt Kubarska zum Anlass, um quer durch den Film immer wieder über ein mögliches Untertauchen in einem buddhistischen Frauenkloster zu spekulieren. Gleichzeitig verdichtet sie aber auch sukzessive das Bild dieser außergewöhnlichen Frau, die ihre Unabhängigkeit und Selbstbestimmung über alles stellte.
Mit den Interviews unter anderem mit den Bergsteigern Carlos Carsolio und Reinhold Messner wird aber auch ein Einblick in die – zumindest damals noch – männlich dominierte Bergsteigerszene geboten. Deutliche Worte findet hier Reinhold Messner, der nicht nur die herausragende Rolle von Rutkiewicz herausstreicht, sondern auch dezidiert vom Machismus im Alpinismus spricht. Fragen, wieso man sich den extremen Gefahren der Berge aussetzt, werden dagegen – zumindest explizit – nur am Ende angesprochen, wenn Messner erklärt, dass jeder Gipfelsieg nur eine Zwischenstation sei und stets ein weiterer Gipfel warte, denn Stillstand bedeute Tod. – Dass der Südtiroler mit dieser Aussage freilich auch wieder ein männlich konnotiertes Heroentum vertritt, steht auf einem anderen Blatt.
Kinotheater Madlen, Heerbrugg: Mo 17.3., 20.15 Uhr
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