Aktuell in den Filmclubs (14.2. – 20.2.2025)
Der FKC Dornbirn zeigt diese Woche den starken chinesischen Spielfilm „Black Dog – Gou Zhen“, der kurz vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking im Jahr 2008 in eine triste Stadt am Rand der Wüste Gobi entführt. Ein echtes Feelgood-Movie steht dagegen bei der LeinwandLounge in der Remise Bludenz mit „Thelma – Rache war nie süßer“ auf dem Programm. Darin will eine 93-Jährige sich das Geld, das sie einem Enkelbetrüger überwiesen hat, zurückholen.
Black Dog – Gou Zhen (Weggefährten): Guan Hus letztes Jahr in Cannes in der Sektion „Un certain regard“ als bester Spielfilm ausgezeichneter „Black Dog – Gou Zhen“ spielt in der am Rand der Wüste Gobi gelegenen Stadt Chixia kurz vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking 2008. Schon die erste Einstellung der endlosen grauen Wüstenlandschaft, durch die ein Bus rast, stimmt auf das triste Ambiente ein. Hier pfeift immer wieder der Wind, es hagelt oder schneit, auch ein Erdbeben bleibt nicht aus und nicht nur der Zoo der Stadt ist in einem desolaten Zustand, sondern auch ganze Straßenzüge.
Streunende Hunde haben scheinbar die Herrschaft übernommen und diese verursachen auch einen Unfall des Busses, der anschließend von einem Polizeiwagen in die Stadt geschleppt wird. Wie in einem klassischen Western kehrt mit dem Bus auch der nach mehrjähriger Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassene 35-jährige Lang in seine Heimatstadt zurück.
Verloren und ziellos wirkt er, spricht kaum ein Wort, bekommt von der Polizei aber einen Job bei der Bekämpfung der streuenden Hunde. Quasi einen Seelenverwandten findet er dabei in einem einsamen schwarzen Windhund, den er nicht den Behörden übergibt, sondern um den er sich kümmert und von dem er dafür in gefährlichen Situationen unterstützt wird.
Guan Hu verbindet in seinem durch die großartige Kameraarbeit von Weizhe Gao atmosphärisch dicht in der tristen Stadt verankerten Spielfilm die Geschichte der langsamen Selbstfindung seines charismatischen Protagonisten, seine Entwicklung von Empathie und Mitgefühl in bedrückendem Umfeld mit einer Schilderung des Um- und Aufbruchs Chinas, der hier nichts Glorreiches oder Optimistisches an sich hat. – Ein ebenso kraftvoller wie rauer Film, der auch durch die ungebändigte Energie der zahllosen streunenden Hunde haften bleibt.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 19.2., 18 Uhr + Do 20.2., 19.30 Uhr
Thelma – Rache war nie süßer: Eine 93-Jährige will sich das Geld zurückholen, das sie einem Enkeltrick-Betrüger überwiesen hat.
Großes Vergnügen bereitet es zuzusehen, wie liebevoll Josh Margolin, der sein Langfilmdebüt seiner 103-jährigen Großmutter gewidmet hat, mit spektakulären Action-Krachern wie „Mission Impossible“ spielt und dem durchtrainierten Tom Cruise, der seine Stunts selbst ausführt, die rüstige Seniorin gegenüberstellt. Statt mit rasanten Sportwagen gibt es so eine Verfolgungsjagd mit Elektroscootern und das Bluetooth-Hörgerät wird mittels Smartphone-Verbindung zur Kommunikation verwendet. Getragen wird dieses Feelgood-Movie aber von der 93-jährigen June Squibb. Mit sichtlichem Herzblut spielt sie diese Thelma, geht in der Rolle ganz auf und führte auch die meisten "Stunts" selbst aus.
Über die smarte Unterhaltung hinaus versteht es Margolin aber durchaus auch beiläufig Probleme des Alterns anzuschneiden. Bruchlos gehen dabei immer wieder witzige Szenen in berührende Momente über, wenn die Trauer über den Verlust des lebenslangen Partners wieder durchbricht, wenn im monotonen Alltag Einsamkeit sichtbar wird oder Thelma klar wird, dass die meisten Bekannten von früher inzwischen gestorben sind.
Gleichzeitig feiert dieses Feelgood-Movie, das das Zeug zum Crowd-Pleaser hat, aber das Leben, wenn der Langsamkeit und zunehmenden Gebrechlichkeit die Entschlossenheit und Wehrhaftigkeit seiner Heldin gegenübergestellt wird.
Leinwandlounge in der Remise Bludenz: Mi 19.2., 19 Uhr
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