Neu in den Vorarlberger Kinos: „Gaza mon amour" (Foto: Panda Film / Alamode Filmverleih)
Walter Gasperi · 09. Nov 2023 · Film

Aktuell in den Filmclubs (10.11. – 16.11.2023)

TaSKino Feldkirch und Kinothek Lustenau zeigen diese Woche mit „Anselm – Das Rauschen der Zeit“ Wim Wenders‘ bildstarken 3D-Dokumentarfilm über den Künstler Anselm Kiefer. In der Propstei St. Gerold gibt es anlässlich des jährlichen Gedenktags der Reichspogromnacht Radu Mihaileanus‘ 1998 entstandene Holocaust-Komödie „Zug des Lebens“.

Anselm – Das Rauschen der Zeit: 1991 begegneten sich der Künstler Anselm Kiefer und der Filmemacher Wim Wenders das erste Mal. Schon damals zogen sie in Erwägung, gemeinsam einen Film zu machen, doch dann verloren sie sich aus den Augen. 32 Jahre später ist nun aber doch ein Film entstanden, der freilich mit herkömmlichen Dokumentarfilmen wenig gemein hat.
Wie schon bei seinem Film über Pina Bausch („Pina“, 2011) spart Wenders alles Private aus und fokussiert ganz auf dem künstlerischen Werk und wieder versteht er es wie nur wenige andere Regisseure 3-D so zu nutzen, dass sich daraus ein echter Mehrwert ergibt. Eintauchen lassen diese gestochen scharfen Bilder in den Kosmos von Anselm Kiefer.
Auf Off-Kommentar verzichtet Wenders ebenso wie auf klassische Interviews. Er begleitet vielmehr Kiefer und bietet teils mit dessen eigenen Erklärungen, teils mit Archivmaterial und teils auch mit nachgestellten Szenen, in denen Wenders‘ Großneffe Anton den zehnjährigen Künstler und Kiefers Sohn Daniel den 40-Jährigen spielt, Einblick in dessen Denken und dessen künstlerische Laufbahn.
Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und das Schweigen darüber in der deutschen Nachkriegszeit wird als zentral für Kiefers Werk herausgearbeitet. Um an diese Zeit zu erinnern, goss er Kampfflugzeuge in Beton nach oder ließ sich vor europäischen Gebäuden der Zeitgeschichte in der Wehrmachtsuniform seines Vaters mit Hitlergruß fotografieren. Vorwürfe des Neofaschismus blieben nicht nur wegen dieser provokanten Aktion aus, sondern auch wegen seines großen Interesses für deutsche Heldenfiguren und der Monumentalität seiner Werke.
Einer Stellungnahme dazu enthält sich der als Hommage angelegte Film. Vorwerfen kann man Wenders diese einseitig verherrlichende Haltung. Unbestreitbar ist aber, dass „Anselm – Das Rauschen der Zeit“ durch die fließende Montage, die Gegenwart, Archivmaterial und Spielszenen bruchlos verbindet, einen großen Sog entwickelt.
TaSKino Feldkirch im Kino Guk: bis 13.11.
Kinothek Lustenau: Mo 13.11., 20 Uhr; Mi 15.11., 18 Uhr; Mo 20.11., 20 Uhr; Mi 22.11., 18 Uhr


Zug des Lebens:
1941: In einem kleinen osteuropäischen Schtetl berichtet ein als Idiot abgestempelter Einwohner von Judendeportationen. Um diesem Schicksal zu entgehen, schlägt er vor, das Dorf selbst zu deportieren – allerdings nicht in ein Vernichtungslager, sondern in die Freiheit nach Israel. Vorbereitungen werden getroffen, ein Zug wird gekauft, einige Juden verkleiden sich als Nazi-Wachpersonal, andere als Deportierte. Die Reise beginnt ...
Fast gleichzeitig mit Roberto Benignis Welterfolg „Das Leben ist schön“ (1998) entstand mit „Zug des Lebens“ (1998) eine zweite Holocaust-Komödie, ein zweiter Film, der es wagt, mit dem Entsetzlichen Scherz zu treiben. In warmen, lichtdurchfluteten Bildern schildert der Rumäne Radu Mihaileanu sein idyllisches Dörfchen. Volkstümliche Szenen mit skurrilen Typen spielen sich ab, Klischees werden im Übermaß bedient, ein problemloser Alltag, wie es ihn in der Realität wohl kaum gibt, wird beschrieben, und schließlich rollt der putzige KZ-Zug durch eine liebliche Landschaft. Als harmlose Klamotte gibt sich „Zug des Lebens“, die sich in ihrer Maskerade mit krass überzeichneten Nazis, Kommunisten und Partisanen an Lubitschs „To Be or Not to Be“ (1942) anlehnt.
Eine Verharmlosung der Shoah voll Kitsch und Sentimentalität scheint dies zu sein, doch schon der erste Satz des Films sollte stutzig machen: „Es war einmal“ – So viel Glück gibt es nur im Märchen, nur im Traum – die Realität ist deprimierend und wie öfters im modernen Kino gibt es eine Schlusswendung, eine Einstellung von maximal einer Minute Dauer, die vom Publikum eine Neubetrachtung des Gesehenen erfordert.
Propstei St. Gerold: Fr 10.11., 18 Uhr – mit dreigängigem Abendmenü vor der Filmvorführung