Die Sopranistin Emma Kajander und die beiden Komponistinnen Ethel Smyth sowie Elizabeth Maconchy verliehen dem vielschichtigen Orchesterkonzert des SOV mit Leo McFall am Pult eine besondere Strahlkraft. (Foto: Christian Lins)
Markus Barnay · 10. Sep 2026 · Jubiläum

Krisen, Konflikte und andere Debakel

40 Jahre KULTUR-Geschichte, Teil 2 (1996–2001)

Wer die in den vergangenen 40 Jahren erschienenen Ausgaben der KULTUR-Zeitschrift durchblättert, wird bald feststellen, dass es zwei Kategorien von Beiträgen gab: die „normalen“, sprich diejenigen, die das Kulturleben der Region in all seinen Erscheinungsformen dokumentieren – Ausstellungsankündigungen, Buchkritiken, Theatervorschauen, Interviews zur Kulturpolitik und zu den Plänen der großen Institutionen, Selbstdarstellungen der Kulturinitiativen, nicht zuletzt Berichte über die Eröffnung neuer Museen oder anderer Kulturstätten –, und die wirklich spannenden. Da ging es um Skandale, Konflikte, brisante Aussagen, Beschimpfungen, Entrüstungen und allerlei Krisen. So sehr die erste Kategorie im Rückblick für Wissenschaft und Forschung interessant sein mag, die zweite ist halt doch unterhaltsamer – und soll deshalb hier im Fokus stehen. Diesmal mit Blick auf die Jahre 1996 bis 2001.

Sex zum Fürchten

Der langjährige Bürgermeister Rudolf Sohm (Amtszeit: 1984–1999) hatte offenbar ein Problem mit der Sexualität. Das zeigte sich nicht nur bei der in der letzten Ausgabe geschilderten Empörung über den „Fummelball“ der Homosexuellen Initiative, sondern auch in den Jahren danach: Ende 1995 verbot er der städtischen Kulturabteilung, weiter Inserate in der KULTUR zu schalten, in denen auf Veranstaltungen hingewiesen wurde. Ein nackter Mann auf dem Titelblatt der November-Ausgabe hatte ihm offenbar nicht gefallen. Kurz darauf tobte er wegen eines geplanten Kongresses des „Schwulen- und Lesbenforums“ in Dornbirn – gemeinsam mit Bischof Klaus Küng und den Vorarlberger Nachrichten, damals noch Zentralorgan des dumpfen Volksempfindens, in dem sich Leserbriefschreiber austoben durften. Aber auch FPÖ-Landesrat Hubert Gorbach mischte sich in die Diskussion ein: „Es paßt nicht in mein gesellschaftspolitisches Bild der Familie, wenn Lesben und Schwule als normal angesehen werden. (…) Das sind meiner Meinung nach kranke Menschen“ (zitiert in KULTUR 4/1996).
Als krank wurde aber auch Künstler Gottfried „Göpf“ Bechtold in etlichen Leserbriefen diagnostiziert, als er 1993 in der Galerie Sechzig „Spermabilder“ ausstellte – und als er 2001 die Ausstellung mit Werken von Jeff Koons im Kunsthaus Bregenz in seinem Kunstterminal am Bregenzer Leutbühel kommentierte: Er stellte eine Zeitschrift aus, in der man Koons beim Sex mit seiner damaligen Lebensgefährtin, der Porno-Darstellerin Cicciolina, sah. Zum Skandal wurde das Projekt aber nicht durch die Präsentation des Bildes, sondern durch die Beschlagnahmung desselben wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das „Pornographiegesetz“. Im KULTUR-Interview meinte „Göpfs“ Rechtsvertreter Ekkehard Bechtold damals: „Jeder halbwegs ernstzunehmende bildende Künstler hat irgendwann Akte gemalt oder dargestellt. Das regt keinen Menschen auf. (…) Die konkrete Aufregung entsteht meines Erachtens nicht wegen des vermeintlich pornografischen Gehaltes der Bilder, sondern weil sie als Kunst präsentiert werden, was hauptsächlich in Folge mangelnden Verständnisses Ärgernis erregt“ (KULTUR 8/2001). Das Verfahren gegen den Künstler Bechtold wurde letztlich eingestellt.

„Da ziehts Dir die Socken aus!“

Gottfried Bechtold war überhaupt ein dankbarer Gesprächspartner für die KULTUR, der hier regelmäßig zu Wort kam – etwa anlässlich der Auszeichnung mit dem Internationalen Kunstpreis des Landes, was er als „außergerichtlichen Tatausgleich für eine radikale Selbstausbeutung über Jahrzehnte hinweg“ seitens einer Landesregierung bezeichnete, die er immer wieder kritisierte (KULTUR 6/1999). Das Gerücht, er könnte auf der Wahlliste „VAU heute“ des Hohenemser Stadtrats Bernhard Amann für den Landtag kandidieren, dementierte er im selben Interview: „Für mich selber wäre es der größte Horror, wenn ich in ein politisches Gremium gehen müßte, Landtagsabgeordneter zu sein, ist für mich der Super-GAU, ich sage das jetzt total zynisch, der kann nichts bewirken und sitzt halt seine Zeit ab.“
Bechtolds Kritik richtete sich aber nicht nur gegen die Politik, sondern auch gegen die reichen Wirtschaftstreibenden des Landes, die kaum in Kunst investierten, weil ihnen dafür das Verständnis fehlte: „Man muß sich ja nur einmal die Häuser und Architekturen der Leute ansehen, die die großen Unternehmen bei uns leiten. Da könnte ich Dir ein paar zeigen, da ziehts Dir die Socken aus. Ich kenne beispielsweise in Vorarlberg nur zwei oder drei Häuser von ganz großen Unternehmern, die echt gut sind und in denen ich auch wohnen wollte. Und zehn Häuser von großen Unternehmern, bei denen Geld überhaupt keine Rolle spielt, kenne ich, da möchte ich nicht einmal darin begraben sein“ (KULTUR 5/1996).

Wer darf sich „Künstler“ nennen?

Weil nur wenige Künstler:innen von ihrer Kunst leben können, freuten sich die Mitglieder des Vereins „Kretzer“ 1997 über eine misslungene Anzeige in den VN, in der die Evangelische Kirche Bregenz eine/n „Künstlerin/Künstler“ für „Reinigungsarbeiten in Kirche und Gemeinderäumen, Gelände- und Friedhofspflege“ suchte. Da bot der Verein in einem Brief sogleich die Hilfe seiner Mitglieder an: „Helmut King würde Malerarbeiten übernehmen, Reinhard Aubrecht den Reinigungsdienst, und Kurt Bracharz könnte auch bei Predigten einspringen, wenn Not am Mann ist.“ Pfarrer Wolfgang Olschbaur bewies in seiner Antwort Humor: „Eine wichtige Voraussetzung für unsere Stelle ist die Bereitschaft, Staat, Land und ‚Vorarlberger Nachrichten‘ als höchste (irdische!) Autoritäten anzuerkennen. Besonders die VN. Sie schreibt die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Wer auch nur den kleinsten Zweifel daran hat und annimmt, daß es in der Anzeigenannahme derselben jemanden geben könnte, der nicht weiß, was ein KÜSTER ist oder eine KÜSTERIN und dieses Wort daher auch nicht schreiben kann, der hat ‚Küster-Pech‘ gehabt und sollte sich eine Stelle als Kirchen-Künstler ganz genau überlegen!“ (KULTUR 2/1997)
Die Frage, wer sich überhaupt als Künstler bezeichnen darf, sorgte mitunter ebenfalls für Diskussionen, beispielsweise als der Rechtsanwalt, Galerist, Kunstsammler und „letztlich auch Künstler“ Gerold Hirn die Ehrengabe des Landes Vorarlberg für Kunst und Wissenschaft erhielt – „für die außerordentliche Qualität des künstlerischen Werkes“. Da ging unserem Kunstexperten Karlheinz Pichler dann doch der Hut hoch: „Ich gönne Hirn diese Auszeichnung, trotzdem handelt es sich hier um eine krasse Fehlentscheidung und einen Affront gegen den Rest der Künstlerschaft“ (KULTUR 1/1997).

Aufruhr in der „Meuseburg“

Als Affront empfand im Jahr 2001 der Vorstand der „Berufsvereinigung bildender Künstler“ (Künstlerinnen gab’s damals im Titel noch nicht) Kritik an seiner Ausstellungspolitik und „verwahrte sich gegen die“ dabei „verwendete Sprache“. Karlheinz Pichler hatte Präsident Willi Meusburger und seinem Team vorgeworfen, mithilfe von Gruppenausstellungen der Mitglieder eine Strategie zu verfolgen, „mit einer einzigen Ausstellung möglichst viel an einheimischer Kunst abzufackeln, um damit wieder Spielraum für Internationales zu erhalten“. Auf den inhaltlichen Vorwurf ging die „Berufsvereinigung“ vorsichtshalber gar nicht ein, ebenso wenig wie auf den Vorwurf, keinerlei Dienstleistungen für ihre Mitglieder zu vollbringen. Pichler über die als „Festung ‚Meuseburg‘“ bezeichnete Institution: „Statt ihren Aufgaben nachzukommen, übt sich die Vereinigung im ‚Abschießen‘ unbequemer Kritiker aus der Provinz“ (KULTUR 5/2001). 2002 zogen die Kritiker:innen der Künstlervereinigung dann die Konsequenzen und gründeten einen eigenen Verein namens „KunstVorarlberg“ mit Sitz in der Feldkircher Villa Claudia. 
Mit dem 1997 eröffneten Kunsthaus Bregenz (KUB), dem Magazin 4 und dem Künstlerhaus Thurn und Taxis gab es um das Jahr 2000 in Bregenz gleich drei Orte, an denen internationale zeitgenössische Kunst präsentiert wurde. Vor allem beim KUB hatte es – auch in der KULTUR-Zeitschrift – bis zuletzt Zweifel an seiner Attraktivität gegeben. So schrieb Kurt Bracharz noch 1996 in seiner „Spricker“-Kolumne anlässlich der Absage eines Auftritts der Tanzgruppe „La La La Human Steps“: „Wenn ich jetzt gerade erfahre, daß ,La La La Human Steps‘ wegen mangelnden Publikumsinteresses abgesagt wurden, frage ich mich einmal mehr, woher man hierzulande eigentlich ein Publikum für das Kunsthaus nehmen will und warum die Spielboden-Leute glauben, Tanztheater sei angesagt“ (KULTUR 3/1996).

Krisen und Konflikte

Tatsächlich irrte sich Bracharz in beiden Fällen. Das KUB war von Anfang an höchst erfolgreich und wurde vor allem von ausländischen Gästen geradezu gestürmt. Konflikte gab es dort zunächst vor allem im Zusammenspiel zwischen der neu gegründeten Kulturhäuser Betriebsgesellschaft (KUGES), deren Geschäftsführer Robert Manger und dem KUB-Direktor Edelbert Köb: „Wir sind eben personell einfach immer und überall an der untersten Decke. Außerdem vertrete ich die Ansicht, daß ich in zwei Wochen mit Hilfe des Sponsorings mehr Geld verdienen kann, als der Herr Manger in fünf Jahren einsparen kann, wenn ich mich entsprechend darum kümmern könnte und nicht mit so viel Bürokram vollgeschaufelt wäre“ (KULTUR 5/1998).
Im Spielboden wiederum erwies sich der moderne Tanz durchaus als gefragtes Format, allerdings erst, nachdem die ganze Institution durch eine schwere Krise gegangen war: Nach dem Umzug von der alten Stadthalle in Rhomberg’s Fabrik stand der Spielboden 1998 mit 3,6 Millionen Schilling Schulden (davon 1,9 Mio. aus dem Umbau) kurz vor der Insolvenz. Ulrich „Gaul“ Gabriel und Reinhard Schiemer übernahmen den Betrieb und sparten nicht mit Kritik am von ihnen abgelösten Geschäftsführer: „Wir wissen, daß verschiedentlich darauf hingewiesen wurde, daß man mit diesem (bisherigen – Anm. MB) Budget nicht über die Runden kommen wird, aber aus Gründen, die wir nicht nachvollziehen können, hat der Geschäftsführer Willi Pramstaller einfach gewirtschaftet und sich um dieses täglich wachsende Defizit entweder nicht gekümmert, oder er hat irgendeine Formel im Kopf gehabt nach der das hätte aufgehen sollen, welche das wissen wir nicht“ (Schiemer in der KULTUR 10/1998).

Teure Fehlbesetzung

Eine schwere Krise erlebte auch das Jüdische Museum Hohenems: Zehn Jahre nach seiner Eröffnung drohte ihm die Belegschaft abhanden zu kommen, was Vereinsvorstand und Stadtregierung dem eigenartigen Führungsstil des neuen Direktors Thomas Krapf zuschrieben. Als die Stadt den Direktor auf Vorschlag des Vereins kündigte, zeigte sich, wie problematisch die rechtliche Konstruktion seines Dienstverhältnisses war: Er gewann seinen Prozess vor dem Arbeitsgericht und musste noch weitere drei Jahre bezahlt werden, was Stadt und Verein mindestens 1,5 Millionen Schilling kostete – für einen Direktor, der als „Weißer Elefant“ durch die Gegend spazierte und sich auch in der KULTUR über seine Ablöse und seinen provisorischen Nachfolger Johannes Inama mokierte (und zugleich sich selber lobte): „Ein mit hohen Ansprüchen mittels internationaler Ausschreibung gesuchter und von einer hochkarätigen Jury gefundener, fachlich ausgewiesener Direktor wird durch einen schnell, schnell und formfrei bestellten ewigen Zweiten ersetzt“ (KULTUR 4/2001).

Debakel mit Ansage

Der teuerste Reinfall des Jahrzehnts war aber die zunächst als „Landesausstellung“ geplante, dann zur „Sommerausstellung“ geschrumpfte Schau „900 Jahre Zukunft“ im Bregenzer Kloster Mehrerau: Das Land lief dabei sehenden Auges in ein Debakel – trotz mehrfacher Warnungen in KULTUR-Artikeln (auch aus der Feder des Autors dieser Zeilen). Am Ende kostete der Spaß fast 50 statt der veranschlagten 25 Millionen Schilling und lockte nur einen Bruchteil der erhofften Menschen nach Bregenz. Ein Rechnungshofbericht schob die Schuld erstaunlicherweise nicht der Politik und den Aufsichtsgremien, sondern einem überforderten Projektkoordinator und einem bereits in den Ruhestand verabschiedeten Kulturamtsleiter in die Schuhe. Der Kulturwissenschaftler Bernhard Tschofen hatte sich die Ausstellung für die KULTUR angeschaut und befunden: „Die Vermittlungsstrategien der Ausstellung setzen mehr auf Vernebelung denn auf Information oder gar die Befähigung zu reflexiver Auseinandersetzung mit dem Früher. Sie sind im übrigen undialogisch und ungewohnt autoritär: Wer die Ausstellung nicht auf sich allein gestellt besehen möchte, wird nämlich von einem Stab eigens engagierter und als ‚Merlin‘ bezeichneter, maskierter und kostümierter (Typ: Bastelanleitung ‚Freundin‘ oder ‚Für Sie‘) Begleiter an der Hand genommen und mit salbungsvollen Reden auf die esoterischen Winkelzüge des Konzepts hingewiesen. (…) Selten hat man gesehen, daß eine Ausstellung so sehr an der – zugegebenermaßen schwierig zu handhabenden – Darstellung des Alltags gescheitert ist, und selten noch ist Zukunft dermaßen auf ein moralinsaures Erlebnisspektakel reduziert worden. Eine Ausstellung, angetreten mit dem Anspruch, Geschichte neu erzählen und Visionen entwickeln zu wollen, hat letztlich gar nichts bewegt außer einem Stück Mauer, das für den roten Steg durch den Gemüsegarten der Patres zu opfern war“ (KULTUR 6/1999).
Eineinhalb Jahre später, im Dezember 2000, gab dann auch Kultur-Landesrat Hans-Peter Bischof zu, dass die Ausstellung ein voller Flop war. Im KULTUR-Interview gestand er: „Während der Sommerausstellung wurde ich von der Entwicklung massiv überrascht, weil die Durchführenden offenbar selbst an ihre Potemkinschen Dörfer geglaubt haben. Diese Potemkinschen Dörfer musste ich erst entfernen, damit ich die realen Ursachen der budgetären Fehlentwicklung erkennen konnte“ (KULTUR 10/2000). 
Neben dem finanziellen Schaden hatte die „Sommerausstellung“ noch eine andere Konsequenz: Bis heute gab es keinen Versuch mehr, so etwas wie eine Landesausstellung in die Wege zu leiten. 

Zeitenwende

Wenn von der Jahrtausendwende die Rede ist, darf natürlich der Tabubruch von Wolfgang Schüssel und seiner ÖVP Anfang 2000 nicht fehlen: Er ließ sich, obwohl bei der Nationalratswahl im Herbst 1999 nur als Dritter durchs Ziel gegangen, von der FPÖ zum Bundeskanzler machen – und sorgte mit der ersten Koalition mit Rechtsextremen europaweit für Proteste und unter Kulturschaffenden für Entsetzen, das sich in Demonstrationen und geballtem Unmut über die „Koalition der Niedertracht“ äußerte – auch in der KULTUR 2/2000, wo über 30 Kulturschaffende zitiert wurden, unter anderem der Regisseur Augustin Jagg („Dass sich die Schüssel-ÖVP mit dieser windigen, populistischen, rechtsextremen Haider-FPÖ verbündet, grenzt an politische Charakterlosigkeit und beleidigt vermutlich sogar einen Großteil der traditionellen Schwarzwähler“) und die Theatermacherin Brigitte Walk („Die Freiheit der Kunst ist in Gefahr, die Freiheit der und des einzelnen überhaupt und die Freiheit des Geistes“). 
Die Historiker der Johann-August-Malin-Gesellschaft hatten schon im Jahr davor wahrgenommen, dass sich der Wind gedreht hatte und revisionistische Thesen wieder salonfähig wurden: In der vom Landesarchiv redaktionell betreuten Zeitschrift „Montfort“ hatte der einst in rechtsextremen Kreisen verkehrende Historiker Manfred Stoppel den NS-Landeshauptmann Anton Plankensteiner zum Schutzheiligen seiner politischen Gegner erklärt, „obwohl bei vielen – wie etwa dem ehemaligen Heimwehrkommandanten Toni Ulmer – ‚die Tatbestände zunächst sehr diffizil‘ ausgesehen hätten. Opfer werden hier zu Tätern, Täter mutieren zu Opfern. Es ist schon eigenartig, aus welcher Perspektive in der ‚Montfort‘ Geschichte betrachtet wird. Quasi landesoffiziell, denn ärgerlich ist die Angelegenheit vor allem deshalb, weil dieser historische Unsinn nicht in irgendeinem rechtsextremen Blatt zu lesen ist, sondern den Anstrich der Wissenschaftlichkeit erhält.“ (Harald Walser in KULTUR 3/1999)

Nachtrag

Zum Schluss dieses Rückblicks noch ein Nachtrag zum ersten Teil: Dass der in der KULTUR als Plagiator überführte Hans Peter Schuler trotz der Aberkennung seines akademischen Titels letztlich als „Oberstudienrat“ in Pension gehen durfte, verdankte er der Erlaubnis, drei Jahre später eine neuerliche Diplomarbeit einzureichen und sich damit die Lehrberechtigung rechtmäßig zu erwerben. Dass er dazwischen im Schuldienst bleiben durfte, obwohl er nach der Aberkennung seines ersten Studienabschlusses die Voraussetzungen dafür nicht mehr erfüllte, bleibt trotzdem ein Skandal.

Dieser Artikel ist bereits in der Print-Ausgabe der KULTUR April 2026 erschienen. Hier geht es zum E-Paper.