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16.01.2014 |  Dagmar Ullmann-Bautz

Vergnügliches Trauerspiel - »Emilia Galotti« am Vorarlberger Landestheater

Als erste Produktion des neuen Jahres präsentiert das Landestheater einen Klassiker, Gotthold Ephraim Lessings bürgerliches Trauerspiel »Emilia Galotti« aus dem Jahr 1772. Lessing war einer der bedeutendsten Vertreter der literarischen Aufklärung. Wegen seiner unmittelbaren Wirkung wurde das Theater zum wichtigsten Instrument dieser Bewegung jener Tage.

Mit »Emilia Galotti« publizierte Lessing ein politisches Stück, das eine Bürgerliche in den Mittelpunkt seiner Handlung stellt. Damals ein hochbrisantes Unternehmen, denn es thematisiert ganz klar den Konflikt zwischen Adel und Bürgertum, zeigt auf, welche Macht der Adel über das einfache Volk hatte, und wie sehr Adeligen mitunter diese ausnutzten, um eigene Interessen durchzusetzen.

Blick auf das Wesentliche


»Emilia Galotti« handelt vom Prinzen Hettore Gonzaga, seiner besessenen Liebe zu dem bürgerlichen Mädchen Emilia Galotti und seinem Plan, das Mädchen für sich zu gewinnen.

Regisseurin Sigrid Herzog konzentrierte und richtete mit ihrer Strichfassung sowie Inszenierung den Blick auf das Wesentliche, nämlich Emilia und den Prinzen, und schaffte einen wunderbar leichten, witzigen und berührenden Theaterabend, der zu begeistern wusste. Die durchkomponierte und choreographierte Figurenführung überzeugte in jeder Minute.

Unterhaltsames Musiktheater


Unterstützt wurde ihre Arbeit von der betörend schönen, aber zeitweise auch irritierenden Musik von Benedikt Brachtel, die die musikalisch versierten Schauspieler hervorragend zu interpretieren wussten. Herzog und Brachtel haben hiermit bewiesen, dass man aus einem bürgerlichen Trauerspiel des 18. Jahrhunderts ein zeitgemäßes, spannendes und unterhaltsames Musiktheater der Gegenwart gestalten kann.

Starkes Ensemble


Das Ensemble agierte mit Spielfreude und einer durchgängig starken Darstellungskraft. Michael Strange, als intriganter,
skrupelloser, unmoralischer und scheinheiliger Marinelli, überzeugte mit einem breiten Spektrum an körperlicher und mimischer Erzählkraft. Als schlagfertige und intelligente Gräfin Orsina ist Laura Mitzkus zu bewundern. Sie haucht der Vielschichtigkeit dieser Figur wahres Leben ein. Äußerst seriös kommt Bastian Beyer in der Rolle des Grafen Appiani daher. Emilia Galottis Liebreiz, weibliche Ausstrahlung, Verwirrtheit und Verletzlichkeit, aber auch Kraft und Energie, vermag Morgane Ferru mit großer Überzeugungskraft darzustellen. Ihre Eltern, Odoardo und Claudia Galotti, werden von Marcus Calvin und Isabel Hindersin hinreißend, mit emotionalem Reichtum ausgestattet, gespielt. Last but not least die Figur des Prinzen Hettore Gonzaga, mit all seiner Verantwortungslosigkeit, seiner Kontenance und Aufgeregtheit, ganz hervorragend dargestellt von Moritz von Treuenfels. Eine der beeindruckendsten Szene, - von vielen des gesamten Abends - die in starker Erinnerung bleibt, ist die Verführungsszene zwischen Emilia und dem Prinzen, die, über große, romantische Gefühle hinaus, auch eine unheimlich starke erotische Ausstrahlung besitzt.

Jubelnder Applaus


Das aussagenstarke und doch so reduzierte Bühnenbild von Simone Grieshaber sowie das sensibel eingesetzte Licht von Arndt Rössler kommen dem Spiel der Schauspieler ungemein entgegen und auch die Kostüme von Bettina Werner unterstützen jede Figur.

Nach einem überraschenden zweiten Schluss ist das Publikum nicht mehr zu halten. Es folgte jubelnder und langanhaltender Applaus für das gesamte Ensemble und das Leadingteam.

Ein schönes Paar - Emilia (Morgane Ferru) und der Prinz (Moritz von Treuenfels)

Ein schönes Paar - Emilia (Morgane Ferru) und der Prinz (Moritz von Treuenfels)

Tanz der Gefühle

Tanz der Gefühle

Einfache, aber eindrückliche Choreographie

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Emilia und ihr Vater (Marcus Calvin) Fotos: Anja Köhler

Emilia und ihr Vater (Marcus Calvin) Fotos: Anja Köhler

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