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Tanz

Wahnwitziger Selbstergründungs- und Selbstoptimierungstaumel – tanz ist-Finale mit „Candy’s Camouflage“ von Liquid Loft/Chris Haring
Katharina Meves, die schwangere Stephanie Cumming und Karin Pauer beherrschen das filmtechnische Handwerk mittlerweile gleichermaßen souverän wie die Performancekunst (alle Fotos: Stefan Hauer)
Tanz
18.06.2017 Peter Füssl

Mit „Candy’s Camouflage“ präsentierten Liquid Loft/Chris Haring am Dornbirner Spielboden den dritten und letzten Teil ihrer von Andy Warhols frühen filmischen Arbeiten inspirierten Performance-Reihe „Imploding Protraits Inevitable“. War der letztes Jahr aufgeführte zweite Teil „False Coloured Eyes“ noch als grellbunte Selbstdarstellungsorgie konzipiert, so war die diesjährige siebzigminütige Performance durch Reduktion in allen Bereichen gekennzeichnet – von sechs auf drei Darsteller, von psychedelischen Farben auf Schwarzweiß, von wildem Durcheinander auf ruhige Konzentration. Ein sehr intensives Erlebnis, das weit mehr Fragen aufwarf, als es Antworten gab.

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Reflexionen zum Selbstoptimierungskult - Interview mit Chris Haring zu „Candy’s Camouflage“
In "Candy's Camouflage" spielen die Protagonistinnen unterschiedlichste Persönlichkeiten durch, verwandeln sich permanent, müssen die Kamera führen und gleichzeitig auch vor der Kamera agieren. (alle Fotos © Chris Haring/Liquid Loft, Michael Loitzenbauer)
Tanz
12.06.2017 Peter Füssl

Nach dem großartigen tanz ist Festival-Auftakt mit der englischen James Wilton Dance Company wird auch einer der wichtigsten heimischen Choreographen seine neueste Produktion am Dornbirner Spielboden präsentieren. Chris Haring/Liquid Loft garantieren seit vielen Jahren zuverlässig für Festival-Highlights und demonstrieren mit jeder Produktion aufs Neue, dass sie ihren exzellenten Ruf als international erfolgreichste Compagnie Österreichs zurecht genießen. Heuer präsentieren sie mit „Candy’s Camouflage“ den Abschluss ihrer von den frühen filmischen Werken Andy Warhols inspirierten „Imploding Portraits Inevitable“-Trilogie, wobei es inhaltlich und stilistisch einige Änderungen zu den beiden ersten Teilen „Shiny, shiny ...“ und „False Coloured Eyes“ gibt. Eine 70-minütige multimediale Performance steht ins Haus, die Kenner zu den besten Arbeiten des gleichermaßen unkonventionellen wie einfallsreichen Choreographen Chris Haring zählen.

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Kraftstrotzend, poetisch und tiefgründig – James Wilton Dance begeisterte bei der Österreichpremiere von „Leviathan“ am Spielboden
James Wilton als Kapitän Ahab inmitten seiner kraftstrotzenden Männerwelt (alle Fotos © Stefan Hauer)
Tanz
09.06.2017 Peter Füssl

Vor zwei Jahren rockte James Wiltons Dance Company den Dornbirner Spielboden mit „Last Man Standing“ und versetzte das regelmäßig mit außerordentlichen Tanzereignissen verwöhnte tanz ist-Publikum in ungläubiges Staunen. Diese Kraft, Schnelligkeit und exzellente Körperbeherrschung wirkten atemberaubend. „Aber lässt sich das noch toppen?“, fragte man sich vor der österreichischen Erstaufführung des von Herman Melvilles Kultroman „Moby Dick“ inspirierten Tanzstückes „Leviathan“, mit dem das diesjährige Festival spektakulär eröffnet wurde. Schier nicht enden wollender Applaus nach grandiosen 80 Minuten gab eine eindeutige Antwort: „Und wie!“

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Eine zeitlose Geschichte, aus einer anderen Perspektive erzählt – die Akram Khan Company begeistert mit „Until the Lions“
Akram Khan erzählt anhand der Prinzessin Amba aus der "Mahabharata" eine zeitlose Geschichte über Gewalt, Unterwerfung, Zurückweisung und Rache (alle Fotos: © Jean Louis Fernandez)
Tanz
28.05.2017 Peter Füssl

Der aus London stammende Choreograph und Tänzer Akram Khan hat bereits vor drei Jahren das Publikum des „Bregenzer Frühlings“ mit seinem autobiographisch gefärbten Solostück „Desh“, in dem er seinen Wurzeln in Bangladesch nachspürt, total verzaubert. Nun begeisterte er im Festspielhaus mit seiner von der internationalen Kritik bejubelten, auf das altindische Versepos „Mahabharata“ zurückgehenden Produktion „Until The Lions“.

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Wunderschöne Tode - Michèle Anne De Mey/Jaco Van Dormael – collectif Kiss & Cry begeisterten mit „Cold Blood“ beim „Bregenzer Frühling“
In Miniaturkulissen tanzende Hände entführen in Traumwelten
Tanz
15.05.2017 Peter Füssl

Die belgische Tänzerin und Choreografin Michèle Anne De Mey und ihr Landsmann, der Autor und Regisseur Jaco Van Dormael, verleihen dem gängigen Begriff „Kunsthandwerk“ eine völlig neue Bedeutung, denn sie lassen in ihrer originellen Produktion „Cold Blood“ nur Hände und Finger tanzen. Ein virtuoses Spiel mit Perspektiven und Realitätsverschiebungen – gespickt mit herzerwärmender Poesie und bissigem Witz.

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Der Sehnsucht entgegen - „Tanzaku“ in der Kulturwerkstatt Kammgarn
Tanz
07.05.2017 Annette Raschner

Tägliche Pflichten in Form von gelben Post-its belagern Claudia Grava wie ein wild gewordener Bienenschwarm. Mit kräftig-kreisenden Bewegungen versucht die Tänzerin, sie wieder loszuwerden. Doch ohne Erfolg. Wie gelingt es im Leben, die richtige Balance zwischen Realitäts- und Lustprinzip zu finden? Verantwortung zu übernehmen, aber auch der eigenen Berufung zu folgen? Diesen Fragen spürt Claudia Grava in „Tanzaku“ nach; Einem berührenden Solo mit drei Musikerinnen, das in der Kulturwerkstatt Kammgarn in Hard uraufgeführt und vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.

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Von der Kunst, mit dem Körper eins zu sein – TanzuferInternational zeigt mit "creatura" die Schönheit des Wesens
Animalische Bewegungen und Laute im Kellergewölbe des Atelier Capelli bei "creatura" | © Melanie Büchel
Tanz
25.03.2017 Mirjam Steinbock

Rungelin bei Bludenz ist ein pittoreskes Dorf mit schmalen, kurvigen Straßen und alten Häusern. Gleich neben der Ortskapelle liegt das Atelier Capelli, dessen BetreiberInnen über die Jahre vielen Kunstschaffenden Raum boten. So auch Ursula Sabatin, künstlerische Leiterin von Tanzufer, die die gute Gastgeberschaft der Capellis schätzt. Für die Premiere ihrer neuen Produktion wählte sie erneut diesen Ort mit seiner ausgefallenen Architektur und dem fantastischen Ausblick. Gemeinsam mit Bettina Neuhaus und Paolo Cingolani pflanzte die Künstlerin „creatura“ passgenau in das Atelier ein. Von einem Stück oder einer Produktion zu sprechen, wird „creatura“ allerdings kaum gerecht. Hierbei handelt es sich vielmehr um ein eigenes Wesen, dem das Trio mit Tanz, Sprache, Improvisation und viel Erfahrung authentisch Leben einhaucht.

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„Fla.Co.Men“ was here! – Israel Galván eröffnete den „Bregenzer Frühling“ 2017
Israel Galván ist "Fla.Co.Men": 90 Minuten ganz persönlicher, getanzter, getrommelter, geklatschter und gesungener stream of consciousness - über seine witzig-geniale Dekonstruktion des Flamenco staunt auch Bassistin/Geigerin Eloísa Cantón
Tanz
18.03.2017 Peter Füssl

Als Israel Galván de los Reyes 1973 als Spross eines hochkarätigen Flamenco-Paares in Sevilla das Licht der Welt erblickte, ahnte wahrscheinlich niemand, dass ausgerechnet er es sein würde, der den Flamenco um die Jahrtausendwende auf eine völlig neue Schiene stellen wird. Sein Ruf als experimentierfreudiger Tänzer und Chorgeograph, ja als Revolutionär wuchs mit jeder Produktion: Von seinem Erstling „Mira Los Zapatas Rojos“ über „Metamorphosis“, einer Flamenco-Adaption von Kafkas „Verwandlung“, bis zum hochpolitischen „Lo Real“, das anhand einer Geschichte um Leni Riefensthals Umgang mit den Gitanos das Schicksal dieser Menschen unter den Nazis mit den Mitteln des Tanzes beleuchtete. Mit seinem 2014 uraufgeführten „Fla.Co.Men“ dekonstruiert Israel Galván nun den Flamenco völlig, ohne freilich wirklich von ihm loszukommen.

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Im Moment des Berührt-Werdens – Großer Zulauf und Begeisterung beim ersten Schnupperworkshop der Initiative „tanzfähig“ am Spielboden
Viel Platz für Improvisation bot der erste Schnupperworkshop der Initiative "tanzfähig"
Tanz
23.02.2017 Mirjam Steinbock

Tanzfähig vom ersten Moment - das waren die 22 Menschen beinahe jeden Alters, die sich auf Einladung der „tanzfähig“-Leiterin Evelyne Wohlfarter am vergangenen Sonntag am Dornbirner Spielboden einfanden. Die in Berlin gegründete Initiative bietet Interessierten nun auch in Vorarlberg die Möglichkeit, sich mit mehr körperlicher Vielfalt im zeitgenössischen Tanz vertraut zu machen. Die respektvolle Zurückhaltung der Teilnehmenden zu Beginn des Workshops wandelte sich rasch in eine offene Neugier – der wohl beste Boden für einen gemeinsamen Tanz. Am Ende der drei Stunden sah man überall strahlende Gesichter.

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Mit Blick vom höchsten Rang – Das Luzerner Theater erzeugt mit dem Tanzstück „Kinder des Olymp“ den Zauber der Illusion
Ausgefallene Choreografien und unterschiedliche Perspektiven machen das Seherlebnis bei "Kinder des Olymp" zum Genuss (© alle Fotos: Luzerner Theater)
Tanz
08.02.2017 Mirjam Steinbock

Das Publikum im SAL Schaan sah sich am Anfang zuerst einmal selbst, denn ein großer Spiegel reflektierte es so, dass es mitten auf der Bühne saß. Und das war erst der Beginn eines Stückes, das elegant zwischen ungewohnten Sichtweisen und mehreren Perspektiven hin und her sprang. Eine tragende Rolle kam dabei dem Bühnenbild in Form einer Wand zu, die je nach Szene als Fenster, Spiegel oder Leinwand diente. Im Wechselspiel mit Lichtstimmungen machte sie die Akteurinnen und Akteure sichtbar, ließ sie wie eine große Sehnsucht auftauchen und wie ein flüchtiges Gefühl wieder verschwinden. Das Tanztheater „Kinder des Olymp“ ist eine moderne Auseinandersetzung mit dem Stoff des gleichnamigen Filmklassikers, der das Theatermilieu des 19. Jahrhunderts beleuchtet. Der brasilianische Choreograf Fernando Melo nahm sich der Steilvorlage an und schuf gemeinsam mit dem Ausstatter Patrick Kinmonth eine poetische und sehr zauberhafte Adaption.

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