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17.09.2018 |  Peter Ionian

Konzentriert und eingedampft – Ein Abend lang Soundsnoise Festival im Dornbirner Spielboden

Kein braves Pferd zu sein, hat das Soundsnoise Festival 2018 versprochen. Am vergangenen Samstag ging es erstmals nur eintägig im Dornbirner Spielboden über die Bühne. "Superindependent" ist weiterhin das Leitmotiv. So erlebten die Gäste einen wilden Ritt durch Sounds und Noise von Dänemark nach Wien und wieder zurück. Das Programm war rund, vom bekömmlichen Opener, über frühe Highlights zum Headliner und am Ende zum tanzbaren Late-Night-Act. Abwechslungsreich, kurzweilig und ganz gut besucht, die Verdichtung auf einen Abend hat dem Festival gut getan.

Den Anfang machte pünktlich um 19:30 Uhr KMET, der schon von einem früheren Soundsnoise Festival bekannt war. Ganz allein stand er auf der Bühne mit seiner Akustikgitarre, großgewachsen und retrogekleidet. Auch das Muster auf seinem Instrument erinnerte an Wandtapeten vergangener Tage. Doch der Schein sollte trügen, denn KMET lebt sehr wohl in der modernen Welt. Er verbindet die Zeiten. Mit der Gitarre startete er Melodien, rhythmische Elemente, Streicherimmitationen oder einfach nur Noise. Mit einem Looper hielt er das fest, reproduzierte es und setzte Ebene für Ebene dazu. Beatboxing für den Beat, Vokalimprovisationen als Klangfarben, zuletzt noch Gesang darüber und Soli. Alles war sehr verspielt und dehnte sich über sämtliche Genres, von sphärischen Klangwolken über 70's Rock bis zur gefühlvollen Ballade. Der Braut, die in der Spielboden Kantine Junggesellinnenabschied feierte, wurde auch ein Lied gewidmet. In der ersten Reihe standen Kreisky und schauten sich die Eröffnung an.

Berliner Garage von Odd Couple

Dann kurze Umbaupause und drei Originale in der Kantine. Junge Männer mit brennender Zigarette, langen Haaren und sichtbarer Rockattitüde. Odd Couple aus Berlin, die inzwischen zu dritt sind, starteten mit gradem Rock, verwandelten sich aber in kürzester Zeit in eine Lärmlawine. Sie ließen voll nach vorne treibende Garage-Tiraden aus den Boxen dröhnen und legten mit Synthies und Keys schmutzigen Noise drauf. Manchmal einfach mitten ins Gesicht, manchmal ausufernd psychedelisch. Inzwischen war der Raum gut gefüllt und es kam Bewegung in die vorderen Reihen. Schon die zweite Band des Soundsnoise Festivals heizte ordentlich ein und die Temperatur schoss nach oben. Es war spürbar, dass sich dieses Odd Couple zur funktionierenden Dreiecksbeziehung erweitert hat, mit mächtig Spaß am Liveauftritt. Ein früher Höhepunkt des Abends. Dementsprechend verkauften sie auch ein paar Platten am Merch-Stand im Vorraum des Saales.

Rockige Grrl Power mit Velvet Volume

 

Dort im Saal sollte es von nun an weitergehen. Wie im direkten Kontrast zu den drei einheizenden Jungs von vorher, kamen nun drei Frauen zu ihrem Auftritt. Velvet Volume, drei sehr junge Schwestern aus Dänemark mit großen Ambitionen. Die Produktion auch groß. Backdrop, Bühnendekoration und lässige Outfits. Viel fürs Auge und auch fürs Ohr, legten sie sich voll ins Zeug. Mit rockigen Nummern, die an die großen, älteren Vorbilder erinnerten. Velvet Volume erinnerten aber auch an die Riot Grrl Bewegung, feministisch, subkulturell und als Antwort auf die männlich dominierte Musikszene. Zwischen den Liedern gaben sie sich nahbar und sympathisch, während der Songs warfen sie sich auf die Knie. Eine gute Show von einer jungen Band, die gerade Erfahrungen für zukünftige große Gigs sammelt. Und deren Sound bestimmt mit ihnen reifen wird. Was beim Soundsnoise Festival 2018 auf jeden Fall auffallend war: Alle KünstlerInnen konnte man nach oder vor den Auftritten persönlich treffen, direkt bei ihnen ihre Musik kaufen, mit ihnen reden oder sich ein Autogramm abholen.

 

Schrägheit und Schmäh von Kreisky

Mit Kreisky kam dann der designierte Headliner des Festivals an die Reihe. So wie die beiden Bands zuvor mit neuem Album im Gepäck, „Blitz“ betitelt. An den Instrumenten drei Männer in Schwarz, nur Frontman Franz Wenzel war hell gekleidet. Wie im Video zur Single „Ein braves Pferd“ legten sie einen Fehlstart hin, fast als wäre es Konzept. Wenzel war unzufrieden mit dem Sound und sich selbst und fragte das Publikum, ob sie es kennen, wenn man nicht ganz bei sich sei. Aber er versprach immer wieder, nun richtig gut zu werden. Und das Versprechen wurde auch durchaus erfüllt. Die Songs kamen prima daher, sowohl instrumental, als auch stimmlich. Kreisky redeten Klartext und sprachen dieselbe Sprache wie das Publikum, so konnten sie Message transportieren. Natürlich total schräg, wie es eh zu erwarten war. Immer mit viel Schmäh, Selbstironie und kultivierter Wiener Unhöflichkeit. Ein lebendiges Livekonzert, wo auch mal der Text vergessen wurde oder ein Song neu angefangen werden musste. Als Finale holte man noch die Braut des Abends auf die Bühne, wo sie das Keyboard ganz im Stil der Band malträtierte, während sich Frontman Wenzel ins Publikum schmiss und von jedem noch einen Schrei abholte.


Abtanzen mit Late-Night-Act Farveblind


Inzwischen war Mitternacht vorbei und zwei Podeste wurden auf die Bühne geschoben. Als Late-Night-Act gab es nochmals eine dänische Band zu hören. Und zu spüren. Die beiden Jungs von Farveblind prügelten auf Drumset, Pads und Synthies tanzbare Elektronummern in die Nacht. Immer wieder prosteten sie den Leuten zu. Die drei Musikerinnen von Velvet Volume waren jetzt auch im Publikum. Nun konnten sich alle, die noch da waren, zu handgemachtem IDM, Techno und House wegtanzen. Ein Soundsnoise Festival mit durchdachtem Programm, immer noch sehr independent, kurzweilig, überraschend und durch die Konzentration und Verdampfung auf einen Abend stärker und schlagkräftiger als zuvor.

Das Soundnoise Festival stellte einem aufgeschlossenen Publikum unbekanntere Bands vor

Das Soundnoise Festival stellte einem aufgeschlossenen Publikum unbekanntere Bands vor

KMET eröffnete mit Gitarre, Gesang, Beatbox und Loopingstation

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Odd Couple heizten mit Garage Rock ordentlich ein

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Velvet Volume aus Dänemark lieferten eine ambitionierte Show

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Kreisky waren Headliner des Festivals mit Schrägem und Schmäh

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Frontman Wenzel ehrlich und direkt in einem lebendigen Konzert

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Farveblind aus Dänemark als tanzbares Finale des Festivals

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