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01.05.2015 |  Gunnar Landsgesell

The Gunman

Sean Penn als Söldner in einem doppelten Spiel in Afrika. "The Gunman" bietet ein seltsames Gemisch aus Melodrama und brutalen Tötungsszenen in einer flachen Dramaturgie und einfallslosen Inszenierung.

Das Intro zum Film streift Bilder hungernder Kinder in Afrika, Milizen, Tote – Newsreel-Material aus den täglichen Nachrichten, spekulativ zu einer Elendsschau kompiliert. Was danach folgt, hat mit einer politischen Reflexion, etwa über das Verhältnis von Erster und Dritter Welt, nichts zu tun, sondern präsentiert eine flach gehaltene Story als One-Man-Show für Sean Penn, für die sich der 54-Jährige Muskelpakete mit kabeldicken Adern antrainiert hat. Mit nacktem Oberkörper wird Penn seriell gesichtslose Gegner töten, wobei die Gründe dafür geradezu unwichtig sind. Die Botschaft von „The Gunman“ stellt sich ganz in den Dienst einer ungebrochenen Maskulinität und der Physis des Kampfes an sich. Dass hier wenigstens für das Gute gekämpft wird, lässt sich so aber auch nicht behaupten: Penn ist, gemeinsam mit Javier Bardem und Mark Rylance als drittem Mitstreiter, ein ehemaliger Söldner, der in dubiosen Deals eines Ölkonzerns in schmutzige Kriege verwickelt ist. Einige Zeit später treffen sich die drei ehemaligen Kameraden als Gegner wieder. In einer uninspirierten Abfolge von Actionszenen, die in einer spanischen Stiefkampfarena gipfeln, wird der Sieger ermittelt.

Dramaturgisch einfallslos und antiquierte Rollenbilder

Sean Penn, der sich gern als politischer Außenseiter in Hollywood stilisiert und auf die politische Dimension seiner Rollen bedacht ist, überrascht hier als Rambo-ähnlicher Typ in einer Geschichte, der es an fast allem fehlt: inszenatorisch an Drive, inhaltlich an einer Idee und schauspielerisch an Erdung. Regisseur Pierre Morel, der einige geradlinige Verfilmungen von Luc-Besson-Stories wie „Taken“ vorlegte, fehlt offenbar der Plan für dieses Unternehmen. „The Gunman“ fällt vor allem durch Gemeinplätze auf: der Verrat unter früheren Verbündeten, der Schmutz ihrer Eigeninteressen, männliche Härte, ein Frauenbild, das wie aus den 1950er Jahren wirkt. Jasmine Trinca, im richtigen Leben 20 Jahre jünger als Penn, ist dessen Geliebte im Bett, wandelt unter seinen wohlwollenden Blicken weichgezeichnet auf dem Balkon, und wird schließlich Bardem „überantwortet“, weil Penn selbst aus dem Kongo flüchten muss. Bei Bardem, hier ein grobschlächtiger, brutaler Mann, findet man sie nach einem Zeitsprung noch acht Jahre später in einer Beziehung – aus – wie es heißt – Dankbarkeit, dass er sich um sie gekümmert hat. Immerhin schließt sich hier ein Kreis dieser ansonsten kopflosen Dramaturgie: Penn kehrt zurück, um die Frau nun vor dem ehemaligen Freund zu retten. Eine Frau als Faustpfand, als demütiges Wesen, derart abgeschmackte Dramaturgien drängen zumindest eine Frage in diesem obskuren filmischen Unternehmen auf: Wer schreibt heute noch solche Rollen? 

Action und Maskulinität ohne selbstreferentiellen Humor: Sean Penn in deplatzierter Rolle.

Action und Maskulinität ohne selbstreferentiellen Humor: Sean Penn in deplatzierter Rolle.

Retorteninhalte: Frühere Freunde und nunmehrige Gegner, auch um eine Frau.

Retorteninhalte: Frühere Freunde und nunmehrige Gegner, auch um eine Frau.

Sean Penn als Schlachtross.

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  • Action und Maskulinität ohne selbstreferentiellen Humor: Sean Penn in deplatzierter Rolle.  Action und Maskulinität ohne selbstreferentiellen Humor: Sean Penn in deplatzierter Rolle.
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