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05.04.2018 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (6.4. – 12.4. 2018)

Beim Filmforum Bregenz steht diese Woche die außergewöhnlich überzeugende romantische Liebeskomödie "The Big Sick" auf dem Programm, während der Spielboden Dornbirn in Kooperation mit Go West Monja Arts starkes Spielfilmdebüt "Siebzehn" zeigt.

The Big Sick: Nach ihrer eigenen Geschichte schrieben der aus Pakistan stammende Stand-Up-Comedian Kumal Nanjiani und seine spätere Ehefrau Emily V. Gordon das Drehbuch zu dieser charmanten romantischen Komödie von Michael Showalter. Nanjiani übernahm gleichzeitig auch noch selbst die männliche Hauptrolle, während der Part von Emily mit Zoe Kazan besetzt wurde.
Leichthändig thematisiert Showalter die Zerrissenheit Kumals zwischen seiner in den pakistanischen Traditionen verhafteten Familie, die nicht nur feste Berufsvorstellungen für ihren Sohn hat, sondern für ihn auch eine Hochzeit – selbstverständlich mit einer Pakistani - arrangieren will, und seinem Wunsch ein eigenes Leben zu führen. Plastisch wird herausgearbeitet, zu welchem Doppelleben dieser Widerspruch führt und wie Kumals Beziehung zur Psychologiestudentin Emily daran zu zerbrechen droht.
Dicht an Pointen und witzigen Details ist diese romantische Komödie, sympathisch in ihrer Menschlichkeit und im Plädoyer für die Freiheit des Einzelnen, verurteilt aber auch die Eltern nicht. Gleichzeitig werden ernste Probleme wie Migration, Anpassung und Bewahrung der mitgebrachten Kultur, aber auch schwere Krankheit angesprochen. Große Kunst ist es nicht nur, wie Showalter eine reale Geschichte in einen rund erzählten Film übersetzt hat, sondern auch, wie er den Balanceakt geschafft hat, Leichtigkeit zu bewahren, aber nichts zu verharmlosen, und charmant und bittersüß über zwei Stunden ohne Längen zu unterhalten. Zu einem nicht unerheblichen Teil ist das freilich auch den beiden blendend harmonierenden und ungemein sympathischen Hauptdarstellern zu verdanken.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do 12.4., 20 Uhr + Sa 14.4., 22 Uhr

Siebzehn: Der Spielboden Dornbirn zeigt in diesen Wochen in Zusammenarbeit mit „Go West - Verein für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter“ zwei Spielfilme. Während Eliza Hittmans „Beach Rats“ (Do 19.4. + Di 24.4. – jeweils 19.30 Uhr) unter Teenagern am Stadtrand von Brooklyn spielt, fokussiert die 1984 in Wiener Neustadt geborene Monja Art in ihrem 2017 mit dem Max Ophüls-Preis ausgezeichneten Spielfilmdebüt „Siebzehn“ auf die niederösterreichische Provinz und die Gefühlswirren einer Schülerin.
Obwohl dabei die von Elisabeth Wabitsch großartig gespielte Paula, die sich zunehmend zu einer Mitschülerin hingezogen fühlt, im Zentrum steht, spannt Art leichthändig ein breites Netz an Beziehungen und Sehnsüchten und stellt der Lust auf schnellen Sex, das Verlangen nach echter Liebe gegenüber.
Ganz auf Augenhöhe und nah dran an ihren jugendlichen Protagonisten ist Art und verankert die Handlung in der atmosphärisch sehr stimmig eingefangenen frühsommerlichen Provinz. Getragen von einem bestechend natürlich agierenden Ensemble gelang der Österreicherin, die ganz auf die Jugendlichen und ihre Liebessorgen fokussiert, ein frisches, von tiefer Empathie durchzogenes und durch seine Authentizität bewegendes Porträt einer Generation.
Spielboden Dornbirn: Do 12.4. + Di 17.4. - jeweils 19.30 Uhr

The Big Sick

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Siebzehn

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