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22.10.2015 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (23.10. – 29.10. 2015)

Das Filmforum Bregenz zeigt diese Woche Jafar Panahis Berlinale-Sieger „Taxi Teheran“. In der Kammgarn Hard steht Anja Salomonowitz´ Spielfilm „Spanien“ auf dem Programm.

Taxi Teheran: Trotz 20-jährigen Berufsverbots hat der Iraner Jafar Panahi in den letzten Jahren drei Filme gedreht. Waren aber „Das ist kein Film“ und "Pardé" eher sperrig, so kommt "Taxi Teheran", bei dem die Kamera nie das Innere eines durch Teheran fahrenden Taxis verlässt, leicht und auch witzig daher, lässt es aber dennoch nicht an scharfer Kritik am Teheraner Regime missen.
Blickt die Kamera zunächst lange starr durch die Windschutzscheibe auf die Straße, so kommen später auch die Fahrgäste sowie der Fahrer ins Bild. Dass es sich bei letzterem um den Regisseur Jafar Panahi selbst handelt, bringt ein Fahrgast ins Spiel, der früher dem Regisseur und dessen Sohn Kopien von im Iran verbotenen Filmen geliefert hat.
Wie diese Szene so wirkt der ganze, bei der heurigen Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnete Film ausgesprochen authentisch, erwecken die Gespräche den Eindruck dokumentarische Aufnahmen zu sein und dürften doch wohl durchwegs inszeniert sein.
Mag sich da bei der Mitnahme von zwei Frauen, die einem Goldfisch in einer Quelle die Freiheit schenken wollen, noch wenig Regimekritik finden, so tritt diese deutlich zu Tage, wenn ein Schulmädchen, die nicht nur im Film, sondern auch in der Realität die Nichte Panahis ist, darüber berichtet, welche Vorgaben ihnen die Lehrerin bezüglich zeigbarer Filme gemacht hat, wenn sich eine Anwältin zu einer Verhafteten fahren lässt, die sich im Hungerstreik befindet, oder wenn sich ein Gespräch zwischen einem entschiedenen Vertreter der Todesstrafe und einer Lehrerin entwickelt.
Filmforum Bregenz:
Fr 23.10., 22 Uhr

 

Spanien: "Spanien" heißt der erste Spielfilm der Dokumentarfilmerin Anja Salomonowitz, doch die niederösterreichische Provinz wird der Film nie verlassen. Der Titel klingt wie eine mythische Verheißung, wie ein Traum, der sich nicht erfüllt. Und eine traumartige Stimmung erzeugen schon die ersten Bilder einer nächtlichen Autofahrt. Mit Ende des Vorspanns kracht dann ein Kleinbus auf einer Landstraße frontal in einen PKW.
Aus dem Wrack klettert ein Mann, der sich in Spanien wähnt, doch bald erkennen muss, dass er in Österreich gelandet ist. Bei einem Pfarrer findet er Aufnahme und wird dort die Restauratorin Magdalena kennen lernen, die Freskenbilder freilegt und Ikonen malt. Wortlos kommen sich der Fremde und Magdalena näher, doch ihr maßlos eifersüchtiger Ex-Mann stellt ihr nach. Parallel dazu erzählt Salomonowitz vom Kranführer Gabriel, der mit seiner Spielsucht sich und seine Familie zugrunde zu richten droht.
In kurzen Szenen, getrennt durch Schwarzfilm blickt Salomonowitz auf diese Figuren, die alle nach Glück streben, nach Liebe, nach dem fernen Traumland oder Erfolg im Spiel und dennoch ihr Ziel nicht erreichen. So eifrig wie die Ameisen, die immer wieder ins Bild gerückt werden, mühen sie sich ab, und doch sind alle Mühen vergebens, scheinen sie Spielball einer höheren Macht zu sein. Da kann es auch nicht verwundern, wenn der Film am Ende zum Anfangsbild zurückkehrt, sich eine Kreisstruktur einstellt, die nochmals die Vergeblichkeit betont.
Kammgarn Hard:
Mi 28.10., 20.30 Uhr

Taxi Teheran

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Spanien

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