Das UNPOP-Ensemble zeigt derzeit das Stück "Fairycoin" im Theater Kosmos. (Foto: Caro Stark)
Walter Gasperi · 18. Jun 2015 · Film

Aktuell in den Filmclubs (19.6. - 25.6. 2015)

Das TaSKino Feldkirch zeigt diese Woche den Spielfilm „Elser“, mit dem Oliver Hirschbiegel dem Hitler-Attentäter Georg Elser ein Denkmal setzt. Im Filmforum Bregenz läuft der Dokumentarfilm „Über die Jahre“, in dem Nikolaus Geyrhalter über zehn Jahre Arbeitslose im strukturschwachen niederösterreichischen Waldviertel mit der Kamera begleitet.

Elser: 13 Minuten entschieden am 8. November 1939 über den weiteren Verlauf der Weltgeschichte. Genau diese Zeitspanne zu früh hatten Adolf Hitler und die NS-Führungsspitze den Münchner Bürgerbräukeller verlassen und statt den Nazi-Größen tötete die von Georg Elser gebastelte und platzierte Bombe sieben andere Menschen.
Wie Rainer Erler im Fernsehfilm „Der Attentäter“ (1969) und Klaus Maria Brandauer in „Elser – Einer aus Deutschland“ (1989) erzählt nun auch Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“, „Diana“) die Geschichte des aus Württemberg stammenden Schreiners, der im Alleingang Hitler töten wollte. Als Ausgangspunkt dient das missglückte Attentat und die wenig später erfolgte Verhaftung Elsers (Christian Friedel), von der aus die Handlung in zwei Erzählsträngen entwickelt wird.
Einerseits rollt Hirschbiegel in den Verhören durch den Chef des Reichskriminalpolizeiamtes Arthur Nebe (Burghart Klausner) und der Gestapo in Rückblenden die Lebensgeschichte Elsers ab 1932 auf und arbeitet an dieser in zahlreichen prägnanten Szenen auf der einen Seite die sich ausbreitende nationalsozialistische Gesinnung und auf der anderen Elsers wachsende Ablehnung des Regimes heraus.
Andererseits zeigt „Elser“ in den Verhörszenen, wie der Polizeichef von der Standhaftigkeit Elsers, der auch durch Folter nicht gebrochen werden kann, beeindruckt ist und an seiner eigenen Überzeugung zu zweifeln beginnt.
So setzt Hirschbiegel mit seinem stark gespielten, sicher aufgebauten und erzählten Drama nicht nur einem im Vergleich zur „Weißen Rose“ und dem „Stauffenberg-Attentat“ lange nur wenig beachteten Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus ein bewegendes Denkmal, sondern vermag auch über die historische Komponente hinaus im zeitlosen Aufruf zu Zivilcourage und Absage an Mitläufertum zu überzeugen.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio:
Fr 19.6 + Sa 20.6. – jeweils 22 Uhr


Über die Jahre:
Zwischen 2004 und 2014 hat Nikolaus Geyrhalter für diese Langzeitbeobachtung immer wieder in unregelmäßigen Abständen ehemalige Mitarbeiter, aber auch den Chef der im niederösterreichischen Schrems angesiedelten Textilfabrik Anderl besucht. Zu Blütezeiten der Textilindustrie waren hier 250 Menschen beschäftigt, doch diese sind zu Beginn des Films längst vorüber. Anachronistisch wirkt nicht nur die Eingangshalle mit Stechuhr, sondern auch die alten Maschinen. Kaum verwunderlich ist somit, dass die Firma wenig später in Konkurs ging.
«Über die Jahre», der bei der Diagonale in Graz in diesem März mit dem mit 21.000 Euro dotierten Großen Diagonale-Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet wurde, ist nun aber kein Film über den Niedergang der Textilindustrie, sondern vielmehr einer darüber, wie das Leben für die Entlassenen im strukturschwachen Waldviertel, in dem es kaum Jobs gibt, weiter geht. In den wiederkehrenden Besuchen Geyrhalters werden einem die zunächst vielfach wortkargen Protagonisten immer vertrauter, sodass man am Ende gleichsam gute Bekannte verlässt.
Groß ist die Gefahr diese einfachen Menschen in den langen statischen Einstellungen vorzuführen und ganz kann ihr Geyrhalter wohl nicht entgehen, aber im Gegensatz zu seinem Kollegen Ulrich Seidl ist sein Blick immer mitfühlend und liebevoll. Er lässt den Bildern und den auf seine aus dem Off gestellten Fragen nur zögerlich antwortenden Menschen die Zeit, die sie brauchen, und drängt sie nie.
Ein wunderbar unaufgeregter, nichts dramatisierender Film mit einem langen Atem ist so entstanden, der in den 188 Minuten – ähnlich wie Richard Linklaters «Boyhood» – vom Vergehen der Zeit erzählt. Mehr als im Wechsel der Jahreszeiten vermitteln das freilich die Protagonisten, deren Gesichter man altern sieht, und die auch von schweren, nie überwundenen Schicksalsschlägen und von Tod, aber auch von Neuanfängen erzählen.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz:
Mi 24.6., 20 Uhr