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12.06.2018 |  Peter Füssl

Lucas Niggli: Alchemia Garden

Zu seinem 50. Geburtstag schenkt unser Schweizer Lieblingstrommler Lucas Niggli sich selber und uns einen fiktiven Abenteuerspaziergang durch seinen zauberhaften „Alchemia Garden“. In dessen Bauplan hat er seine reichhaltigen musikalischen Erfahrungen einfließen lassen – von seiner Kindheit in Kamerun, über sein Nahverhältnis zum Schweizer Schlagzeug-Poeten Pierre Favre, seine unterschiedlichsten Bandprojekte mit innovativen Köpfen der europäischen Jazz- und Improvisationsszene und mit Musikern unterschiedlichster Ethnien, bis hin zu seiner Beschäftigung mit Cage und Stockhausen.

Lucas Niggli trommelt mit unglaublicher Leichtigkeit komplizierteste Rhythmen und versteht sich auf das Kreieren intensiver Spannungsbögen, vor allem aber verblüfft er immer wieder mit seinen unglaublich einfallsreichen Soundmalereien, die er aus einem beachtlichen Arsenal aus Schlag- und Perkussionsinstrumenten zu generieren versteht. Auf seinem ersten Soloalbum präsentiert Niggli fünfzehn, zwischen knapp einer und etwas mehr als sechs Minuten lange Miniaturen, die einen phantastischen Einblick in seine reichhaltigen, kunstvoll rhythmisierten Klangwelten bieten. Da kommen neben den zu erwartenden Trommeln und Becken auch Stricknadeln und Essstäbchen, Bambus- und Plastikrohre, Gongs, Klangstäbe oder Glocken – oftmals sehr unkonventionell gespielt – zum Einsatz. Enorm kraftvolle und lautstarke Titel wechseln sich mit ungemein leisen, verspielten, manchmal auch meditativen ab, allen ist aber gemeinsam, dass es sich um Seelenmusik handelt. Hier geht es nicht darum, präziser als ein Drumcomputer zu sein, neue Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen oder mit akrobatischen Verrenkungen zu verblüffen – hier geht es bei höchster musikalischer Qualität vor allem auch um Gefühlswelten und um Atmosphäre. Lucas Niggli hat enorm flinke Hände, aber wie er seine rhythmischen Welten malt, so trommelt er auch mit dem Herzen.

(Intakt Records)

Konzert-Tipp: In unserer Gegend muss man sich bis 18.11. gedulden, dann spielt Lucas Niggli sein Solo-Programm bei „kleinaberfein“ im KAF, St. Gallen

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