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07.11.2017 |  Peter Füssl

Django Bates’ Belovèd: The Study of Touch

Der Opener „Sadness All The Way Down” startet mit höchsten Tönen, um schließlich im tiefsten Keller zu landen, während 53 Minuten später das Finale „Happiness All The Way Up“ aus den untersten Registern in höchste Höhen emporsteigt – und dazwischen liegt zentral das Stück „We Are Not Lost, We Are Simply Finding Our Way“. Django Bates at his best! Der „koboldhafte Exzentriker des Britischen Jazz”, wie der 57-jährige Engländer von einem Kritiker des „London Telegraph” dereinst genannt wurde, hat es immer noch faustdick hinter den Ohren.

Aber der hintertriebene, schwarze Humor, für den wir die Briten trotz Brexit lieben, ist nur ein Aspekt seiner schillernden musikalischen Persönlichkeit, die Bates seit seinen Anfängen als Gründungsmitglied der legendären 1980-er Band Loose Tubes konsequent weiterentwickelt hat. Weitere wären seine unbezähmbare Neugier, seine unversiegbare Experimentierlust und seine durch nichts zu erschütternde Offenheit, sich von seinen Mitstreitern, Kontrabassist Petter Eldh und Drummer Peter Bruun, auch selbst überraschen zu lassen. „Was Petter und Peter in diese Musik einbringen, ist die Weigerung, das zu spielen, was ich geschrieben habe. Es ist für einen Komponisten schwierig zu lernen, dass das der beste Weg sein kann, und zu erklären, warum es funktioniert. Ich schreibe wirklich sehr detaillierte Musik und ich habe meine Traumvorstellung von einem Sound im Kopf. Aber dann fügt jeder dieser Kerle mindestens einen eigenen Layer hinzu. Sie bringen ihre eigenen Persönlichkeiten in die Musik ein, und dann hebt sie wirklich ab“, erklärt Django Bates die Funktionsweise dieses seit mehr als zehn Jahren bestehenden, zu seiner Zeit als Professor am Rytmisk Musikkonservatorium in Kopenhagen gegründeten Trios aus kongenialen Individualisten. Highlights sind das Titelstück „The Study of Touch“, eine wunderschöne, fast zehnminütige Expedition in Bates’ eigentümlichen musikalischen Kosmos, oder das quicklebendige „Slippage Street“ mit seinen wohldosierten Überraschungseffekten und seiner ausgeklügelten Dramaturgie. Schwachpunkt gibt es auf diesem genialen Album aber ohnehin keinen, und natürlich findet sich – eingebettet in die ganzen Bates-Kompositionen – mit „Passport“ ein Charlie Parker-Verweis, war doch der Bebop-Übervater vor Jahren eine Art Inspirationsquelle und Startpunkt für dieses Trio, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. Denn Django Bates vertrat stets die Meinung, es gäbe ohnehin schon viel zu viele Pianotrios – Gott sei Dank hat er seine Meinung längst geändert.

(ECM/www.lotusrecords.at)  

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