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CD-Tipp

Bugge Wesseltoft: Everybody Loves Angels
CD-Tipp
17.10.2017 Peter Füssl

Um mit Allerwelthits wie „Bridge Over Troubled Water“, „Morning Has Broken“, „Blowing In The Wind“, „Angie“ oder „Let It Be“, die Ton für Ton in die Gedächtnisse der zumindest über Radios verfügenden Menschheit eingebrannt sind, nicht jämmerlich Schiffbruch zu erleiden, muss man schon über das ganz spezielle Talent Bugge Wesseltofts verfügen.

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Lizz Wright: Grace
CD-Tipp
12.10.2017 Peter Füssl

Wenn die 37-jährige, aus der ländlichen Kleinstadt Hahira in Georgia stammende Prediger-Tochter Lizz Wright „back to the roots“ geht und ihre ganz persönliche Verbundenheit mit den lieblichen, entspannten, aber irgendwie auch mystisch anmutenden Seiten des US-amerikanischen Südens zelebriert, ist das eine höchst emotionale Angelegenheit. Aus siebzig Songs, die ihr der als Produzent fungierende Singer-Songwriter Joe Henry vorgeschlagen hat, wählte die Sängerin neun Stücke aus, die sie auf ihre unnachahmlich sensible und dennoch kraftvolle Art ganz zu ihren eigenen macht.

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Wolfgang Haffner: Kind of Spain
CD-Tipp
10.10.2017 Peter Füssl

Der renommierte, stilistisch äußerst vielseitige deutsche Schlagzeuger Wolfgang Haffner hat schon lange ein Faible für spanische Musik, das durch seinen Wohnortwechsel nach Ibiza naturgemäß noch verstärkt wurde. Dennoch setzte er bei der Realisierung seines neuen Projektes nicht auf iberische Jazz-Cracks, sondern auf alte Vertraute, wie Pianist Jan Lundgren, Vibraphonist Christopher Dell, Bassist Lars Danielsson, Trompeter Sebastian Studnitzky und den jungen Gitarristen Daniel Stelter.

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David Virelles: Gnosis
CD-Tipp
05.10.2017 Peter Füssl

In der Musik des 33-jährigen Pianisten David Virelles spiegelt sich sein Lebenslauf wider: die kubanischen Einflüsse aus seiner Kindheit und Jugend in Santiago de Cuba, seine kanadischen Jahre im Umfeld der Kuba-affinen Jazzmusikerin Jane Bunnett, und seit 2009 seine Erfahrungen im musikalischen Schmelztiegel New York, wo er bei den Parade-Avantgardisten Muhal Richard Abrams und vor allem Henry Threadgill Komposition studiert und sich einen exzellenten Ruf als innovationsfreudiger Improvisator erspielt hat.

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Tori Amos: Native Invader
CD-Tipp
03.10.2017 Peter Füssl

„Es sollte anfangs eigentlich keine Platte voller Leid, Blut und Knochen werden, es sollte nicht um Spaltung gehen. Aber die Musen bestanden darauf, dass ich die Konflikte, die die Nation traumatisierten, hörte und beobachtete und über diese rohen Gefühle schrieb. Hoffentlich werden die Menschen die Kraft und die Widerstandsfähigkeit in diesen Songs finden, damit sie die Energie aufnehmen, um die Stürme zu überleben, in denen wir uns gegenwärtig befinden.“ Tori Amos war immer schon eine kritische Stimme und ist es auch auf ihrem 15. Studioalbum geblieben.

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Ibeyi: Ash
CD-Tipp
29.09.2017 Peter Füssl

Der mitreißende Elektro-Soul-Pop des 2015 erschienenen Debutalbums katapultierte die kubanisch-französischen Zwillingsschwestern Lisa-Kaindé und Naomi Díaz in Beyoncé-Videos, Chanel-Modeschauen und in eine Produktion des renommierten Alvin Ailey American Dance Theatre. Aber die selbstbewussten, mittlerweile 21 Jahre jungen Frauen ruhen sich nicht auf ihren Erfolgen aus, sondern beweisen mit dem neuen Album, dass sie sich sowohl musikalisch als auch von den Texten her durchaus weiterentwickelt haben.

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Evelyn Fink-Mennel: „... nur für Freunde der Urtriebforschung“
CD-Tipp
26.09.2017 Peter Füssl

Wer das alpenländisch dummdreiste „Zipfel eini, Zipfel aussi“ oder die noblere französische Pop-Chanson-Variante „Je t’aime ... moi non plus“, Ende der 60-er Jahre von Serge Gainsbourg mit Brigitte Bardot und Jane Birkin eingespielt, bislang für das Nonplusultra an frivolem Liedgut hielt, kann sich nun mit Evelyn Fink-Mennel auf höchst unterhaltsame Art einschlägig weiterbilden. Denn Sex und Erotik sind, mehr oder weniger geschickt getarnt und in verschlüsselter Form die wahren Inhalte vieler Volkslieder und Gstanzln, was der Wiener Ethnologe und Sexualwissenschaftler Friedrich Salomon Krauss schon vor hundert Jahren wissenschaftlich exakt und detailreich dokumentierte.

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Tingvall Trio: Cirklar
CD-Tipp
19.09.2017 Peter Füssl

2003 gründeten der südschwedische Pianist Martin Tingvall, der kubanische Kontrabassist Omar Rodriguez Calvo und der deutsche Schlagzeuger Jürgen Spiegel das Tingvall Trio, mit dem sie bislang fünf großteils vergoldete Studio- und eine Live-CD präsentierten. Die mit drei Jazz-Echo Awards dekorierte Band ist aber auch im Pop-Bereich durchaus erfolgreich, was nicht die einzige Ähnlichkeit mit dem renommierten Esbjörn Svensson Trio ist.

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Three Fall & Melane: Four
CD-Tipp
14.09.2017 Peter Füssl

2011 veröffentlichten Bassklarinettist/Tenorsaxophonist Lutz Streun, Posaunist Til Schneider und Drummer/Perkussionist Sebastian Winne ihr erstes Album „On a Walkabout“ in der ACT-Reihe :young german jazz. Es sorgte ob der ausgefallenen Instrumentierung, der unbeschwerten stilistischen Bocksprünge und des erfrischenden Spielwitzes, aber auch wegen einer Handvoll Red Hot Chili Peppers-Covers, die sogar von den kalifornischen Superstars bestaunt wurden, in der Jazz-Welt für einiges Aufsehen.

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Tim Berne’s Snakeoil: Incidentals
CD-Tipp
12.09.2017 Peter Füssl

Auf Tim Berne ist Verlass, denn auch der Umstand, dass er mit seiner höchst erfolgreichen Band Snakeoil das bereits vierte Album seit 2012 präsentiert, bedeutet in musikalischer Hinsicht keineswegs ein zufriedenes Zurücklehnen. Vielmehr lotet er gemeinsam mit (Bass-)Klarinettist Oscar Noriega, Pianist und Elektroniker Matt Mitchell und Drummer/Perkussionist/Vibraphonist Ches Smith wieder lustvoll die Grenzen des Gerade-noch-Machbaren aus und schöpft aus dem ungemein reichhaltigen, in Jahrzehnten gewonnenen Erfahrungsschatz als kompromissloser Avantgardist, freilich ohne sich in der Klischeehaftigkeit des Unkonventionellen zu verlieren.

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Adam Bałdych & Helge Lien Trio: Brothers
CD-Tipp
07.09.2017 Peter Füssl

Den 31-jährigen, in New York lebenden, vielfach mit renommierten Preisen ausgezeichneten Polen Adam Bałdych halten viele für den führenden Jazz-Geiger der Gegenwart – ein Ruf, den er sich nicht zuletzt mit einer Reihe erstklassiger Alben beim Münchner ACT-Label erspielte. Dabei arbeitet er häufig mit exzellenten Pianisten zusammen, etwa dem Finnen Iiro Rantala, dem Israeli Yaron Herman oder eben dem Norweger Helge Lien, mit dem er vor zwei Jahren das hervorragende Album „Bridges“ veröffentlichte und nun, als weiteren Geniestreich, „Brothers“ vorlegt.

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Grizzly Bear: Painted Ruins
CD-Tipp
05.09.2017 Peter Füssl

Amerika sei ein „fucked up racist country“, er komme nicht mit den Weißen klar, die sich an den Rand gedrängt fühlen und einen Reality-TV-Star, der vom Ku-Klux-Klan unterstützt werde und offen Hass schüre, wählen. Dieses Land sei auf Blut errichtet und all die „Make America Great Again“-Idioten griffen auf eine alte Wunschvorstellung zurück, die einen Riesenrückschritt für die Entwicklung bedeute. Es handle sich um eine real niemals existiert habende Phantasie der überheblichen Weißen und um einen kollektiven Albtraum für alle anderen. Dieses Wahlergebnis sei eine Absicherung von Sexismus, Rassismus, Homophobie, Fremdenfeindlichkeit und Transphobie. Ende letzten Jahres jagte Grizzly Bear-Sänger Ed Droste seinen totalen Frust über Donald Trumps Triumph mehrfach öffentlichkeitswirksam durch die sozialen Netzwerke.

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Blechbaragge: Wir blasen Euch den Marsch!
CD-Tipp
31.08.2017 Peter Füssl

Vor rund zehn Jahren spielten der Saxophonist und Klarinettist Andreas Broger, Drummer und Perkussionist Alfred Vogel und Johannes Bär auf Tuba und Susaphon ein Konzert im Parktheater in Egg, das Akteuren und Zuhörern enormen Spaß machte und dennoch nicht verhindern konnte, dass die drei kreativen Köpfe künftig ihren eigenen Projekten nachgingen. Vielleicht weil die beiden Bläser nach dem endgültigen Aus für den holstuonarmusigbigbandclub wieder ein bisschen mehr Zeit haben oder weil die Zeit einfach reif dafür ist und die in diversen Bands gewonnenen Erfahrungen auch in dieser Formation ausprobiert werden wollen, wurde das Projekt Blechbaragge vor einem knappen Jahr wieder reaktiviert und der musikalische Output – vorsichtshalber, man weiß ja nie, ob nicht wieder eine elendslange Pause folgt – von Little Konzett in der Tonschmiede Bezau aufgenommen.

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Vijay Iyer Sextet: Far From Over
CD-Tipp
29.08.2017 Peter Füssl

Egal, welche Ensemblegröße oder -zusammensetzung der indischstämmige amerikanische Pianist und Komponist Vijay Iyer wählt, mit welchem Kapitel der Jazzgeschichte oder der indischen Musiktradition er sich gerade besonders intensiv beschäftigt, welche philosophischen, musiktheoretischen, gesellschaftlichen oder spirituellen Gedanken sein musikalisches Schaffen hintergründig beeinflussen – sein musikalischer Output mag mal sperriger, mal leichter zugänglich sein, aber er ist nie nur Mittelmaß. Dies trifft auf seine Produktionen mit dem Altsaxophonisten Rudresh Mahanthappa ebenso zu wie auf seine Solo-Platten, Trio-Aufnahmen mit Stephan Crump und Marcus Gilmore oder sein letztjähriges Duo-Album mit Wadada Leo Smith. Vijay Iyers mittlerweile fünftes Album für ECM ist aber sicher ein ganz besonderer Meilenstein innerhalb seiner bislang 23 Veröffentlichungen.

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This Is The Kit: Moonshine Freeze
CD-Tipp
24.08.2017 Peter Füssl

Unter dem Namen This Is The Kit hat die aus Bristol stammende und in Paris lebende Kate Stables bislang drei Alben veröffentlicht, das vor zwei Jahren erschienene „Bashed Out“ brachte ihr exzellente Kritiken ein und den Durchbruch. Die mit ihrer Live-Band aufgenommenen elf neuen Songs auf ihrem Rough Trade-Debut „Moonshine Freeze“ schließen nahtlos am Vorgänger an – unaufgeregter Folk zwischen Tradition und freakigeren Formen, viel Fingerpicking auf Gitarre und Banjo, dezente Perkussion, unterbrochen von atmosphärischen E-Gitarren-Einsprengseln, dezenten Bläsersätzen oder mal einem kurzen expressiven Saxophon-Ausbruch.

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Avi Avital / Omer Avital: Avital Meets Avital
CD-Tipp
15.08.2017 Peter Füssl

Der Mandolinist Avi Avital lebt in Berlin, ist auf seinem Instrument eine Ausnahmeerscheinung in der Welt der Klassik und auf Bach und Vivaldi spezialisiert. Der Kontrabassist Omer Avital lebt in New York und verbindet in seinen Kompositionen oft jüdisch-jemenitische Tradition und Berber-Einflüsse mit zeitgenössischem Jazz. Beide sind in Jerusalem als Söhne aus Marokko stammender Juden aufgewachsen, aber nicht verwandt miteinander. So weit ihre musikalischen Erfahrungswelten auch auseinanderliegen mögen, so nah haben sie auf der gemeinsamen Spurensuche nach ihren musikalischen Wurzeln zusammengefunden.

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Roscoe Mitchell: Bells For The South Side
CD-Tipp
08.08.2017 Peter Füssl

Rund zwei Stunden Free Jazz, eine Flut unkonventioneller Ideen und gewagter Soundexperimente in einem unglaublich kreativen Rausch ohne Netz und doppelten Boden gespielt! Das fällt natürlich völlig aus der Zeit, ist die erste Reaktion beim Hören. Oder wäre genau das die genau richtige Antwort auf unsere Zeit? Befand sich die Schwarze Community 1965, als die Association for the Advancement of Creative Music, die unter dem Kürzel AACM in die Jazz-Geschichte eingegangen ist und 2015 mit der großen Ausstellung „The Freedom Principle“ im Museum of Contemporary Art Chicago gefeiert wurde, in der US-Gesellschaft von damals vielleicht in einer ähnlichen Situation wie wir heute auf unserem schwindelerregend kurzlebigen und oberflächlichen Fake News-Terror-Bigbusiness-Planeten?

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Benjamin Booker: Witness
CD-Tipp
01.08.2017 Peter Füssl

Nach den ausgiebigen Tourneen zu seinem vor drei Jahren erschienenen Debut-Album war der in New Orleans lebende Singer-Songwriter Benjamin Booker völlig ausgebrannt und ohne Ideen. Um gleichzeitig abzuschalten und neue Inspirationen zu erhalten, entschloss er sich zu einem längeren Aufenthalt in Mexiko, wo er zum einen die Erfahrungen eines Lebens in der Fremde machte, zum anderen aber auch einen geschärften Außenblick auf die Verhältnisse in seiner Heimat gewann, zum Beispiel auf die Black Lives Matter-Protestaktionen.

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Halsey: Hopeless Fountain Kingdom
CD-Tipp
25.07.2017 Peter Füssl

Die in New York lebende Halsey, ein Anagramm des Vornamens von Ashley Nicolette Frangipane, wurde von maßgeblichen amerikanischen Magazinen als „Stimme ihrer Generation“ bezeichnet, als sie vor zwei Jahren mit ihrem Debut „Badlands“ ein ziemlich eigenwilliges und trotzdem kommerziell höchst erfolgreiches Album vorlegte. Mit „Hopeless Fountain Kingdom“ folgt nun ein Konzeptalbum, das von William Shakespeares „Romeo und Julia“ inspiriert ist. Zum Auftakt rezitiert Halsey sogar aus dem Prolog des Klassikers, verlegt dann aber die Story ihrer Luna und Solis getauften Protagonisten – Namen die vermutlich ihrem Faible für Marvel-Comics geschuldet sind – in die Gegenwart der Twitter/Facebook-Generation.

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Lars Danielsson: Liberetto III
CD-Tipp
18.07.2017 Peter Füssl

Seit 2012 verzaubert der schwedische Kontrabassist und Cellist Lars Danielsson ungefähr im Zwei-Jahres-Rhythmus die Jazz-Gemeinde mit seinen „Liberetto“ getauften, melodienseligen Kammer-Jazz-Pop-Alben. Auch auf der Nr.3 liefert er mit seinen zwölf neuen Eigenkompositionen ästhetisch perfekte und exzellent musizierte, in großer Leichtigkeit dahinschwebende Stimmungsbilder, denen es aber nicht an – mitunter ganz schön rockigen – Kanten und Ecken mangelt.

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